Leute meines Jahrgangs ( 1943; Näheres)
kennen die Berufsverbote der Ära Willy
Brandt (Deutschland) und Franz J.
Strauß (Bayern). Erst durch Lektüre kam ich dahinter,
daß in den Nachkriegsjahren
- die braunen Eliten, sowohl in der Justiz, im sonstigen
Staatsdienst, als auch beim Militär, wieder eingesetzt wurden; bekanntlich
ratifizierte der deutsche Bundestag 1952 die Europäische
Menschenrechtskonvention ohne dem Artikel 7, Absatz 2 (
Radbruchsche Formel),
damit die braunen Henkershelfer wieder in der Bundeswehr eingesetzt werden
konnten.
- andrerseits auch damals bereits unbequeme politische Gegner
per Gesetz mundtot gemacht wurden.
Um den zweiten Punkt geht es in der kleinen Broschüre,
von den Betroffenen selbst verfaßt und herausgegeben. Da wurden
zahlreiche politische Prozesse abgehalten, Philipp
Müller 1952 gar von der Polizei hinterrücks erschossen.
Bereits das Organisieren von Reisen in die DDR wurde McCarthy-like zum
Verbrechen. Wer sich zum Frieden bekannte, die Wiedervereinigung oder gar die
Neutralität der Bundesrepublik forderte, wurde als Staatsfeind angeklagt
und verurteilt. Naziopfer wurde dann eben zum zweiten Mal verfolgt und
eingesperrt. Schon 1951 ließ Konrad
Adenauer die Grenze zur DDR sperren und Tausende von Jugendliche,
die in die DDR zu den Weltjugendfestspielen reisen wollten, festnehmen (S. 11)!
Haben wir nicht in der Schule gelernt, die böse DDR läßt ihre
Leute nicht ausreisen? Wie wahr, doch nur die halbe Wahrheit. Auch in unseren
Tagen lassen Otto Schily, SPD, und Günther Beckstein, CSU, die Grenze dicht
machen, um Deutsche an der Ausreise zum Weltwirtschaftsgipfel in Genua zu
hindern. Nur noch ein Beispiel aus der Broschüre: 1965 mußte
Kurt Baumgarte hinter Gittern, da er sich
für eine Normalisierung der Beziehungen der beiden Deutschlands aussprach.
Darin sah das Lüneburger Landgericht eine strafwürdige Handlung (S.
14). Die sehr lesenwerte Broschüre ist über die Initiativgruppe
für die Rehabilitierung der Opfer des kalten Krieges (im Web suchen!)
erhältlich. |