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Michael Stiller Edmund Stoiber
Michael Stiller: Edmund Stoiber. Der Kandidat
2. Auflage. München: Econ, 2002. 286 Seiten. – stoiber Linksstoiber Literatur
Thomas Goppel gab am Samstag dem 29. Juni 2002, auf dem Fürther Parteitag der CSU, einen Tag vorm Fußball WM Finale, die Prophezeiung aus: "Alle Welt weiß, wir werden siegen, bei der Fußball-WM und am 22. September". Zwar traf bekanntlich der erste Teil seiner Voraussage nicht ein, doch wer ist davor sicher, daß nicht der Rest stimmt?
Mit dem Buch des Journalisten der Süddeutschen Zeitung Michael Stiller über den Kandidaten der CDU / CSU Edmund Rüdiger Rudi Stoiber können sich auch bayernferne Deutsche eine Vorstellung davon machen, was dann auf sie zukäme.
Obwohl Stiller die Genealogie der Stoibers kurz aufrollt, auch auf seine Schultage in Oberaudorf und Rosenheim eingeht, ist Edmund Stoiber. Der Kandidat keine Biografie (eher schon eine über Franz Josef Strauß). Der Autor konzentriert sich auf das, was er, Arbeitsplatz in München, am besten mitbekam. Der stetige Aufstieg Stoibers, keinesfalls geradlinig, wie man vermuten könnte, wird eingehend beschrieben. Die Jahre als Adlatus von Ziehvater Franz J. Strauß nehmen viel Platz ein, sind wohl auch für das politische Bild des Kandidaten prägend. Kindheit, Schulzeit und Jugend fehlten mir etwas. Andrerseits hätte ich es nicht gerne, wenn ein Autor etwas erfindet um den Leser über mangelnde Nachrichtenlage hinwegzutäuschen. Dafür werden viele Episoden der Vergessenheit entrissen: Zensur anläßlich der Kritik an Strauß (S. 173); rigorose Personalpolitik, wo bekanntlich der Parteifreund der Erzfeind ist; die Affäre um Friedrich Zimmermann; die Affäre um Eduard und Johannes Zwick; die Todesfahrt von Otto Wiesheu; die Schadenausgleichsrente für die Witwe des Nazi-Blutrichters Roland Freisler. Man erfährt, daß Strauß nicht nur mit Diktator Augusto Pinochet in Chile, sondern auch mit Nicolae Ceausescu, Rumänien, ein gutes Verhältnis hatte; dies alles während der politischen Lehrjahre Stoibers. Selbst die von Strauß eingefädelten Milliardenkredite zur Stützung der SED in der DDR nickte die CSU, wenn auch zähneknirschend, ab.
So bleibt Stoiber lange im Schatten, eignet sich aber mit der Zeit viele fehlende Eigenschaften an, beispielsweise seine opportunistische Handlungsweise, man denke nur an seine mehrmaligen strikten Ablehnungen einer Kandidatur: "Meine Lebensaufgabe liegt in Bayern, nehmen Sie das bitte endlich zur Kenntnis"; "Ich bin nicht Kandidat und werde es auch nicht" (S. 243). Derjenige, der Gerhard Schröder zu Beginn dessen Kanzlerschaft der Lüge bezichtigte, begann also bereits seine Kandidatur mit einer Lüge. Durchgängig schildert Michael Stiller wie Stoiber immer besser lernt, beim Scheitern wirtschaftlicher, finanzieller oder sozialer Aktionen, andere Schuldige zu finden. Andrerseits stellt der Autor auch das üble und lästige Zitat (das so nicht geäußerst wurde) über die "durchrasste Gesellschaft" richtig.
Erst auf den letzten fünfzig Seiten wird der Charakter Stoibers dargestellt: latentes Misstrauen, Kontrollsucht (S. 249), gering ausgeprägte Grundwerte, Neigung zu "Menschenopfern" (S. 264).
Lobenswert ist die hohe Aktualität (die Ereignisse bis April 2002 sind berücksichtigt) und ein Personenindex. Ich vermisste Quellenangaben, so daß man Zitate nachprüfen und ergänzen könnte.
Wer sich vor der Wahl am 22. September 2002 ein Bild über den Kandidaten machen möchte, ist mit diesem Buch sehr gut bedient. Wer bei Stoibers eventueller Kanzlerschaft wissen will, was auf den Bürger zukommt, kann das Buch auch noch lesen, wenn es eigentlich schon zu spät ist.
Links
Hier erfährt man mehr über den Menschen und Politiker Stoiber
stoiber Edmund Stoiber, Friedrich Kabermann. Das Maß der Dinge. Über die Kunst, das politisch Notwendige zu tun
stoiber Die Lügen Edmund Stoibers, CSU
stoiber Zitate von und über Edmund Stoiber, CSU
Literatur
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stiller stoiber Michael Stiller. Edmund Stoiber. Der Kandidat. München, Econ, 2002. Gebunden, 288 Seiten.
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Stoiber StoiberEdmund Stoiber: Weil die Welt sich ändert: Politik aus Leidenschaft - Erfahrungen und Perspektiven. Siedler, 2012. Gebunden, 320 Seiten Stoiber
Biermösl Blosn, Jürgen Roth, Gert Heidenreich: Stoibers Vermächtnis. Große Momente, große Reden, große Freude. Audio CD. München: Kunstmann, 2007. Stoiber
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