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Norbert Frei Karrieren im Zwielicht. Hitlers Eliten nach 1945
Norbert Frei: Karrieren im Zwielicht. Hitlers Eliten nach 1945
In Zusammenarbeit mit Tobias Freimüller, Marc von Miquel, Tim Schantzky, Jens Scholten, Matthias Weiß. Frankfurt am Main: Campus, 2001. 364 Seiten
Hellhörig geworden durch meine Sammlung filbinger "Die Gräueltaten im sogenannten Dritten Reich werden in den deutschen Medien immer noch abgestritten, verharmlost und/oder relativiert" vernahm ich in der Fernsehdokumentation "Karrieren im Zwielicht" (ARD 2002), daß nicht Deutschland, sondern Hitler 1939 Polen und später die UdSSR angegriffen hat. Ähnliche Mythen machten es den Nazi-Eliten nach 1945 leicht, wieder hohe Positionen in und bei Medizin, Wirtschaft, Bundeswehr, Gerichten und im Journalismus zu erreichen. Die genannten Gebiete entsprechen der Behandlung und Reihenfolge im Buch von Norbert Frei. Im Märchen- und Mythenerfinden ("verführt", "Hitler war's und duldete keinen Widerspruch", "Befehlsnotstand") waren die Deutschen so erfinderisch, so daß bekanntlich Hanna Arendt bei ihrem Besuch der Bundesrepublik 1949 keinen einzigen Ex-Nazi fand.
Norbert Frei, * 1955, Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Ruhr-Universität Bochum.
Weitere Literatur von ihm: filbinger Literatur zu Hitlers Eliten nach 1945
Man vermisst die Politik. Doch keine Sorge, zumindest erwähnt werden Hans Globke, Kurt-Georg Kiesinger, Hans Filbinger und ähnliche schon. Marinestabsrichter Hans Filbinger, NSDAP und CDU, brachte es bis zum Ministerpräsidenten Baden Württembergs. Siehe filbinger Wolfram Wette, Hg.: Filbinger - eine deutsche Karriere. Herrlich das Plakat von Klaus Staeck: "Seit 33 pausenlos in Sorge um Deine innere Sicherheit" (S. 237). Kiesinger, ebenfalls NSDAP und CDU, wurde sogar Bundeskanzler.
  • Die Reinwaschung von jeglicher Schuld funktionierte so gut, da in vielen Kreisen der Wehrmacht, Politik, Justiz und Geheimdienste die Ex-Nazis unter sich war. Da bekam dann Nazi-Ärztefunktionär Carl Haedenkamp schon mal 1954 das Große Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland für seine Verdienste um die Gesunderhaltung des deutschen Volkes" (S.18). Auch Reinhard Gehlen, Chef der Ostspionage unter Adolf Hitler, später erster Präsident des BND (siehe dagegen: Zahlreiche Grundgesetzverstosse durch BND und Verfassungsschutz) erhielt 1968 das Große Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband (S.135). Rezension: Reinhard Gehlen: Der Dienst. Erinnerungen 1942-1971.
  • Ein anderer Trick zur Strafvereitelung war, daß man große Jagd auf z.B. Josef Mengele machte. Alle Blicke, auch des Auslands, richteten sich nach Südamerika (S.40-41).
  • Wenn es nicht anders ging wurden nicht die angeprangerten Ex-Nazis belangt, sondern die aufklärerischen Journalisten wurden wegen übler Nachrede verurteilt; so Volkmar Hoffmann, Report der Frankfurter Rundschau (S.57).
  • Der letzte Trick vor Gericht war die Verhandlungsunfähigkeit der Kriegsverbrecher. Die Gerichte (selbst von Ex-Nazis durchsetzt) gaben gerne statt und die Angeklagten arbeiteten danach unbehelligt jahrelang als Ärzte weiter (S.61).
Die Entnazifizierung wurde noch vor der Gründung der Bundesrepublik eingestellt. Es folgte eine großzügige Rehabilitierung. Bayern zahlte beispielsweise der Witwe des Killer-Richters Roland Freisler eine Rente. Der Hauptangeklagte des Nürnberger Juristenprozesses Franz Schlegelberger bezog jahrelang eine Pension von 2894 Mark (Durchschnittseinkommen seinerzeit in der BRD: 535 Mark; S.191). Der Generalfeldmarschall Erich von Manstein wurde mit militärischen Ehren beerdigt (S.140). General Heinz Karst (im 2. Weltkrieg und bei der Bundeswehr tätig) lobte noch 1987 die natürliche soldatische Tüchtigkeit der Deutschen (S.152). das erinnert sogleich an Margaret Thatcher, die nach einer Fußballniederlage Englands gegen Deutschland, angesprochen auf die Tatsache, daß der Fußball ureigenste Erfindung der Engländer sei, sagte: Dafür haben wir Deutschland in diesem Jahrhundert zweimal auf ihrem Spezialgebiet geschlagen.
Das Buch Karrieren im Zwielicht zeigt: personelle Kontinuität zwischen NSDAP, SA, SD, SS und den "Eliten" der Bundesrepublik war bis zu deren natürlichen Aussterben die Regel.
Wer nun meint, alles vorbei, inzwischen machen wir es besser, der vergleiche das Ziel der Rechtssprechung der Nazi-Henker mit den Forderungen einiger Politiker des Jahres 2002: "Ziel dieser Rechtssprechung war nicht mehr die Gleicheit aller Staatsbürger und der Schutz des einzelnen, sondern Ausgrenzung und »rassische Auslese«" (S.184).
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Norbert Frei. Karrieren im Zwielicht. Hitlers Eliten nach 1945. Campus, 2001. 364 Seitennorbert frei frei

Norbert Frei Karrieren im Zwielicht. Hitlers Eliten nach 1945
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