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Hans-Olaf Henkel
Hans-Olaf Henkel: Die Ethik des Erfolgs. Spielregeln für die globalisierte Gesellschaft
München: Econ, 2002. 292 Seiten – Henkel LinksHenkel Literatur
Hans-Olaf Henkel, ehemaliger IBM Manager, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie BdI (inzwischen, 17.11.2004: Präsident der Leibniz-GemeinschaftLeibniz-Gemeinschaft), mischte sich häufig in die öffentliche Diskussion ein. Er hat immer einen begründeten Standpunkt, den er nicht nur in flüchtigen Talkshows oder als Tagesgespräch vertritt, sondern für jeden nachzulesen in einigen Büchern (Henkel Die Macht der Freiheit). Und die Lektüre lohnt sich ungemein.
Die Ethik des Erfolgs. Spielregeln für die globalisierte Gesellschaft handelt zumeist von der Globalisierung, aber ist auch ein Plädoyer für Leistung und den darauf folgenden Erfolg.
henkel Hauptthese: Freie Marktwirtschaft, Demokratie und Menschenrechte gehen Hand in Hand (S. 8).
Konkret: wer Menschenrechte will, führe die freie Marktwirtschaft ein. Insofern betrachtet Henkel die Globalisierung als große Chance gerade auch für die armen Völker und Nationen.
Nebenthese 1: Globalisierung ist Fortschritt (S. 141). Er fordert dafür aber grundlegende Liberalisierung, denn darin sieht er den Abbau von Unfreiheit (S. 169).Dazu müssen Subventionen, überhöhte Zölle und Abschottung der Grenzen abgeschafft werden (S. 192).
Nebenthese 2: Freiheit hat Vorrang vor Gleichheit. Diese ist keine Gleichmacherei sondern Chancengleichheit.
henkel Henkel riskiert ein offenes Wort. Er spricht die Karrieren der Altnazis in der BRD an (nazis Literatur zu Hitlers Eliten nach 1945); bemängelt, daß keine Bestrafung bezüglich der 50.000 Todesurteile unter der Nazi-Herrschaft erfolgte; er geißelt die Machenschaften der Geheimdienste (Geheimdienste Von den Geheimdiensten Deutschlands). Scharf geht er mit Ex-Kanzler Helmut Kohl: "Aussitzen"; "Auch Kohl hatte nötige Reformen mit dem Argument »Das machen wir nach den Wahlen« auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben" (S. 69) (Geheimdienste Die Untaten Helmut Kohls) und Gerhard Schröder ("ruhige Hand") ins Gericht (S. 74 u.v.a.) . Henkel nimmt vor allem aufs Korn (Personenindex fehlt leider): Johannes Rau, Oskar Lafontaine, Helmut Kohl, Gerhard Schröder und Franz Müntefering.
henkel Leider zeichnet Henkel gelegentlich ein verzerrtes Bild und manipuliert den Leser.
  • Die Gegenseite ist meist Ideologie (S. 9). Einwände, die beim Lesen auftauchen (Wo bleibt die Solidarität mit den Schwachen?), wiegelt er irgendwann im Laufe der Argumentation ab: Solidarität (oder auch: soziale Gerechtigkeit usw.) setzt er voraus. Wie das zu bewerkstelligen ist, gibt er nicht preis.
  • Wer andere Wege, als die von ihm favorisierten vorschlägt, beschreitet einen deutschen Sonderweg (S. 12) und läuft in eine Sackgasse.
henkel Gelegentlich sind Henkels Befunde falsch. Moral und Ethik haben nicht erst seit 1945 in Deutschland einen herausragenden Stellenwert (S. 31). Viele sprechen eher vom Werteverfall. Er versucht die Risiken der Kernenergie, Gentechnik, den Treibhauseffekt klein zu reden (S. 275 u.a.)
henkel Manchmal vermochte ich seiner Argumentation oder seinen Übergängen nicht zu folgen. So blieb mir unklar, warum er mehr Patriotismus fordert (S. 40). Wie schon gesagt, legt er ihn aber gleich konsensfähig als Einsatz fürs Gemeinwohl aus. Doch warum erfordert dieser Einsatz das Strammstehen vor einem bunten Tuch?
henkel Befund: Deutschland hat "seine eigene Freiheit Stück für Stück eingeschränkt, die Macht des Staates und der Bürokratie ausgeweitet und die Demokratie an die Interessen der Parteien ausgeliefert (S. 170).
henkel Er schießt oft übers Ziel hinaus ("Was damals das Wort »Jude« meinte, drückt bei den fanatischen Überfremdungsgegnern das Wort »Amerikaner« aus" S. 203; man erkennt die Manipulation: durch die Einschränkung "fanatische Überfremdungsgegner" kommt er der Wahrheit nahe), insbesondere, wenn er zuletzt ein neues Grundgesetz fordert. Ich meine, das meiste, was Henkel anstrebt, ließe sich auch innerhalb des bestehenden Grundgesetzes realisieren.
Zusammenfassung
Man mag Henkel nicht überall zustimmen, seine Polemik ablehnen, doch im Grunde stimmt seine Diagnose und zumindest auch sein Plädoyer für den Dreiklang freie Marktwirtschaft, Demokratie und Menschenrechte leuchtet mir ein. Wichtiges Buch für die politische Diskussion.
Gegenposition, bei näherem Hinsehen doch nicht soweit entfernt: bode Thilo Bode: Die Demokratie verrät ihre Kinder.
Weitere Literatur: globalBundeszentrale für politische Bildung, Hg.: Globalisierung. Bonn 2003. Informationen zur politischen Bildung (Heft 280).
Links
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Steuerentlastung Hans-Olaf Henkel: Die Abwracker: Wie Zocker und Politiker unsere Zukunft verspielen
Henkel Regulierung und Bürokratie
Henkel Zitate von Hans-Olaf Henkel
Literatur
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Gebunden, 292 Seiten
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Hans-Olaf Henkel: Die Ethik des Erfolgs. Spielregeln für die globalisierte Gesellschaft. Ullstein 2004. Broschiert, 304 SeitenHans-Olaf Henkel
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