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Kabermann
Edmund Stoiber, Friedrich Kabermann. Das Maß der Dinge. Über die Kunst, das politisch Notwendige zu tun
München: Droemer/Knaur, 2001. Broschiert, 320 Seiten – stoiber Linksstoiber Literatur
In einer Reihe von acht Gesprächen sprechen hier der damalige Kanzlerkandidat Edmund Stoiber, CSU, und der Autor Friedrich Kabermann über die CSU und die Welt. Als Leitfaden dienen dabei Immanuel Kants zentrale Fragen: 1. Was kann ich wissen? 2. Was soll ich thun? 3. Was darf ich hoffen? 4. Was ist der Mensch? (Kritik der reinen Vernunft und Logik; Immanuel Kant Immanuel Kant).
Es war wohl die Absicht tagespolitische Stammtischgespräche zu vermeiden. Das ist bedingt gelungen.
stoiber Friedrich Kabermann ist zwar intellektuell auf der Höhe Stoibers, doch zu sehr auf dessen Seite. Kritische Fragen sind selten, meist gibt Kabermann erstmal den vermutlichen Standpunkt Stoibers wider und muß nur noch in Details vom Vorsitzenden der CSU korrigiert werden. Ein Beispiel einer Steilvorlage Kabermanns: "Mit dem Hinweis auf den Industriestandort Deutschland hätten wir auch Atombomben bauen können." Das könnte zu einer Kritik des Totschlagarguments um den Industriestandort Deutschland werden. Doch Kabermann gibt gleich die Antwort: "Die Deutschen haben aber aus gutem Grund darauf verzichtet, ..." Damit braucht Stoiber nichts mehr begründen, ja mehr, der damalige Grund (er wird nie genannt) war auch zudem ein guter Grund. Erörterung überflüssig. Manipulativ setzt Kabermann fort: "... nicht jedoch auf die Atomtechnik selbst" (S. 246). Der gute Grund schwingt auf die Atomtechnik über. Damit hat Kabermann in knappen Worten die widersprüchliche Atompolitik der C-Parteien umrissen und sanktioniert.
stoiber Im Vorwort vom Mai 2003 bekennt sich Kabermann zur zweifelhaften Irak-Position der CSU, zu der gehört, daß die Bundesregierung Deutschland "in eine außenpolitische Isolierung manövriert hat" (S. 7). Das wird ohne mit der Wimper zu zucken mit Stoibers Aussage "Jede Politik muss im Wesentlichen Friedenspolitik sein" eingeleitet. Bei der Regierungskoalition erkennt Kabermann nur "modische Innovationsrhetorik". Dabei ist das vielleicht die passenden Kennzeichnung des gesamten Buchs Das Maß der Dinge.
stoiber Ärgerlich ist darum umso mehr, daß Kabermann oft genauso viel oder sogar größeren Gesprächsanteil hat als der Politiker. Von der Titelaufmachung her erwartet man Stoibers Gedanken kennenzulernen. Andrerseits sind die beiden Gesprächspartner oft austauschbar. Manchmal mußte ich zurückblättern um festzustellen, ob jetzt das Kursive wirklich von Kabermann ist, oder ob schon Stoiber dran ist.
stoiber Wenn man das Buch wohlwollend liest, hat es sehr viel Aussagekraft. Willkürlich greife ich heraus ["willkürlich", das schreibt man so; ich machte es ehrlich]:
Stoiber: "Der Garten Eden, das Paradies, ist ein Garten Gottes, nicht der Menschen. Auf Grund des Sündenfalls werden sie ja auch aus ihm vertrieben. Er gehört in den Bereich der mythischen Erzählungen, nicht der realen Geschichte." (S. 280)
Seitenbemerkung: der Christ Stoiber stuft einen Teil der Offenbarungsbibel in die Märchenwelt ein.
Kritisch gelesen spricht hier Stoiber nur die Platitüde aus: Das Paradies auf Erden gibt es nicht.
Unterschwellig sagt er: Das Paradies ist nicht machbar, daher soll es der Bürger nicht erwarten.
Folgerung für den Leser: Wegsehen, Maul halten, weiter CSU wählen.
stoiber Manchmal ist selbst wohlwollend nichts zu holen.
Kabermann: "Die Astronomen sagen, es gäbe im Weltraum ebenso wenig einen geometrisch perfekten Kreis, wie die Erde eine vollkommene Kugel ist. Es gäbe nur ellipsenförmige Gebilde. Ellipsen sind aber durch zwei Brennpunkte definiert. Wäre das ein Bild, das die Bündniswirklichkeit von morgen spiegelt?"
Stoiber: "Das wäre eine Idealvorstellung, könnte aber nur mittelfristig die innere Struktur der Nato wiedergeben. Die Frage ist doch, wie wir zu einem globalen Sicherheitsnetz kommen. Das muss so geknüpft sein, dass es grundsätzlich niemanden mehr ausschließt, gleichgültig, wo die Schwerpunkte innerhalb dieses Safety-Internet liegen werden. (S. 95)
Hier werden geometrische Figuren in internationale Verträge hineininterpretiert. Das hört sich gelehrig an, ist aber – mit Verlaub – Humbug, zumindest nichtssagend.
stoiber Wohlwollend kann man Das Maß der Dinge nur lesen, wenn man noch Vertrauen in die Aussagen der Politiker hat. Doch wenn man bei jedem Absatz zwar zustimmend nickt ("Jede Politik muss im Wesentlichen Friedenspolitik sein"), aber genau weiß: er macht was anderes, dann liest man solche Gespräche sehr zurückhaltend. Ein Beispiel für viele: auf den Seiten 194-196 wird das Subsidiaritätsprinzip gelobt, in weiten Teilen das Buchs die Eigenverantwortung beschworen. Keines von beiden wird im Alltag durchgehalten (stoiber Subsidiaritätsprinzip nach Art der CSU).
Statt der Lektüre dieses Buches empfehle ich die nachfolgenden Links.
Links
Hier erfährt man mehr über den Kandidaten Stoiber
stoiber Michael Stiller: Edmund Stoiber. Der Kandidat
stoiber Die Lügen Edmund Stoibers, CSU
stoiber Zitate von und über Edmund Stoiber, CSU
Literatur
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Edmund Stoiber, Friedrich Kabermann Edmund Stoiber, Friedrich KabermannEdmund Stoiber, Friedrich Kabermann. Das Maß der Dinge. Über die Kunst, das politisch Notwendige zu tun. München: Droemer/Knaur, 2003. Broschiert, 320 Seiten Edmund Stoiber, Friedrich Kabermann
Edmund Stoiber, Friedrich Kabermann. Das Maß der Dinge. Über die Kunst, das politisch Notwendige zu tun. München: Droemer/Knaur, 2001. Sondereinband, 285 SeitenEdmund Stoiber, Friedrich Kabermann
Stoiber StoiberEdmund Stoiber: Weil die Welt sich ändert: Politik aus Leidenschaft - Erfahrungen und Perspektiven. Siedler, 2012. Gebunden, 320 Seiten Stoiber
Biermösl Blosn, Jürgen Roth, Gert Heidenreich: Stoibers Vermächtnis. Große Momente, große Reden, große Freude. Audio CD. München: Kunstmann, 2007. Stoiber
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 6.10.2012