Nach 1945 ging es in einigen deutschen
Ländern weiter. In der DDR in spe wurden viele Personen verhaften und in
Lagern jahrelang eingesperrt und grausam mißhandelt. Elfi Hartenstein
sprach mit zahlreichen Frauen, die in den stalinistischen Lagern Jahre ihres
Lebens verbringen mußte. Im Buch ...und nachts Kartoffeln
schälen kommen sie zu Wort; entweder direkt aus dem Gespräch mit
der Verfasserin oder von ihr nacherzählt. Man muß die Berichte
lesen, sonst kann man kaum glauben, daß der nahtlose Übergang aus
der Nazi-Zeit so perfekt gelang. Mir fiel es wiederum (wie schon bei Samantha
Tears: Erzählungen aus einer anderen Welt; Rezension) schwer, die Berichte fortlaufend
zu verdauen. Da kommt dem Leser entgegen,
- daß zwischen die Berichte Materialien eingestreut sind.
Das sind Auszüge aus anderen Medien, die spezielle Aspekte der
Erzählungen beleuchten;
- daß die Frauen in diesem Band immer wieder auch von
Menschen erzählen, die sich unter großem Risiko human gegenüber
den Verhafteten verhielten. "»Nicht alle waren schlecht. Und
überhaupt: nicht alles war schlecht.« Auf diese Feststellung legen
sie Wert. Alle" (S. 112).
Nicht erst nach Lektüre dieses Buches kann man
feststellen:
- Deutschland ist ein Lagerland. Die deutschen Politiker lieben
es anscheinend Leute in Lager zu stecken; neueste Ausprägung:
Ausreiselager Ausreisezentrum
- "Law-and-order-Wachhunde aber gab und gibt es, wann und wo
immer man lebte und lebt, im Westen oder im Osten, in den alten oder in den
neuen Bundesländern" (S. 101).
- mit GPU- und anderen Spitzel mußte man in den Lagern
und außerhalb rechnen. Selbstverständlich ist auch das vereinigte
Deutschland nicht frei von Geheimdienstlern (Spitzel darf man
sie hier nicht nennen; nachzulesen in
Zensur in Deutschland). Man lese:
Von den Geheimdiensten
Deutschlands.
So mühsam manchmal die Lektüre ist die oft
drastischen Strafen sind schwer zu ertragen so lohnend ist sie. Wir
müssen uns den Geschehnissen stellen, "wenn wir in Frieden leben wollen"
(S. 240). |