| Heribert Prantl: Verdächtig. Der
starke Staat und die Politik der inneren Unsicherheit Hamburg: Europa, 2002. Gebunden, 153 Seiten |
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| Schon in den Jahren unter Helmut Kohl
wurde der Rechtsstaat durch eine Fülle von Gesetzen und Änderungen am
Grundgesetz untergraben. Doch nach dem 11. September 2001 kam es noch
schlimmer. Regierung und Opposition übertreffen sich gegenseitig in
sogenannten Sicherheitspaketen. Heribert Prantl zeigt die gefährliche Entwicklung von den Notstandsgesetzen 1968 über die RAF und die folgenden Sicherheitsgesetze, zur Ära Kohl mit massiven Eingriffen in die Grundrechte zur heutigen Hektik auf. Prantl sie den freiheitlichen Rechtsstaat beschädigt (ich sehe ihn entschwunden) und er zeigt, in welchen Bereichen wir uns der totalen Überwachung nähern. Er macht auch deutlich, daß die scheinbar zu unserem Schutz erlassenen Einschränkungen die Sicherheit keineswegs erhöhen. Seine Kritik an der schleichenden Vermischung der Aufgaben von Polizei und Geheimdiensten stimmt nachdenklich: "Die Strafverfolgung verkommt zur Inlandsspionage" (S. 19).
"Kein Mensch weil mehr, welche staatlichen Stellen über ihn wann, was, warum, wozu and wie lange gespeichert haben, was mit diesen Informationen geschieht and wer darauf zugreift" (S. 58). Die Auswirkungen der Anti-Terror-Gesetze ab S. 61 sind für einen schnellen Überblick gut geeignet. "Je umfassender man Organisierte Kriminalität oder Terrorismus beschreibt, desto mehr Gesetze und Grundrechte stehen zur Disposition" (S. 101).
Sehr lesenwert, für alle, die sich um die Sicherheit und die Grund- und Bürgerrechte sorgen. |
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| Gerade (26.3.2004,
9:00) höre ich in den Nachrichten: Zwei Wochen nach den Anschlägen
von Madrid ernannten die Staats- und Regierungschefs einen
Anti-Terror-Koordinator. Er soll künftig unter anderem den Austausch von Geheimdienst- und
Polizei-Informationen verbessern. Die Mitgliedstaaten sichern sich
gegenseitigen Beistand, auch militärische
Hilfe, bei einem Terrorangriff zu. |
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| Hintergrundinformation | ||
| "Die rücksichtslosesten Sicherheitsmassnahmen waren angeordnet. Die Fremdenkontrolle wurde äußerst streng gehandhabt. Jeder Zivilist war von vornherein verdächtig." Man könnte meinen, eine Beschreibung von Deutschland heute. Nein, nur aus vergleichbarer Zeit: Oskar Maria Graf: Einer gegen alle, 1932, darin das Jahr 1919 kennzeichnend. | ||
| Heribert Prantl, * 1953
Nittenau/Oberpfalz Studium Rechtwissenschaft und Geschichte; journalistische Ausbildung; Richter und Staatsanwalt Seit 1987 politischer Redakteur der Süddeutschen Zeitung, ab 1995 Leiter des Ressort Innenpolitik 1994 Geschwister-Scholl-Preis 1996 Kurt-Tucholsky-Preis für literarische Publizistik |
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