| Norman M. Naimark: Fires of Hatred. Ethnic
Cleansing in Twentieth-Century Europe Cambridge, Mass. Harvard University Press, 2001. Gebunden, 248 Seiten. Deutsche Ausgabe: Flammender Hass. Ethnische Säuberungen im 20. Jahrhundert |
| Ziemlich am Ende nimmt uns Naimark alle
Hoffnung (wenn wir denn eine hatten): Die Geschichte der ethnischen
Säuberungen im 20. Jahrhundert gibt uns keinen Hoffnungsschimmer für
das 21. (S. 198). Für was dann dieses Buch lesen? Ich hoffe, das mit der
folgenden Besprechung zu beantworten. Naimark beschränkt sich bewußt auf ethnische Säuberungen im Europa des 20. Jahrhunderts. Die ethnische Säuberung ist für ihn die zwangsweise Deportation von ethnischen, religiösen oder nationalen Gruppen. Der Genozid als Völkermord geht darüber hinaus: er will diese Gruppe auslöschen. Im Laufe der Lektüre wird klar, daß dem Genozid meist der Wille zur Entfernung der Gruppe aus einem gewissen Gebiet vorausgeht. Wenn parallel dazu ein Krieg entfesselt wird, kann die Säuberung in einen Völkermord umschlagen, insbesondere dann, wenn die zu entfernende Gruppe Widerstand leistet. Naimark behandelt
Es wäre verkehrt, nun den Finger auf die genannten Täter zu richten, die Säuberungen sind auf keine Nation beschränkt, die Möglichkeit dazu liegt in uns allen (S. 16). Für die genannten fünf Vorgänge schildert Naimark die Ursprünge, kommt doch keine Volksverhetzung aus heiterem Himmel. Die jeweiligen politischen Agitoren bereiten dies von langer Hand vor. Fallen die Hetzparolen auf religiös vorbereiteten Boden, gehen die Flammen auf. Ab S. 81 vergleicht Naimark den Völkermord an den Armenier durch die Türken und den Massenmrod an den Juden durch die Deutschen. Beides waren organisierte Massenauslöschungen und durch staatliche Stellen autorisiert. Der Holocaust gipfelte in technisiertem Mord. Naturgemäß waren für mich die uns Deutsche unmittelbar betreffenden Kapitel am aufschlußreichsten. So zeigten sich bei den Vertreibungen (unter 4.) die russischen Militärs humaner als die Tschechen und Polen (S. 116). Wenn man die vorherigen Gräueltaten der Deutschen bedenkt, waren die tschechischen Vertreibungen mehr gerechtfertigt (S. 112). Die Aussöhnung zwischen Deutschen und Tschechien und der Slowakei dauerte länger, da eine machtvolle Sudetendeutsche Lobby die CSU beeinflußte (S. 138) und es vielleicht immer noch tut. Meine Resümee: die Muster zur Aufhetzung der Bevölkerung gleichen sich. Mißstände werden genutzt um den mißliebigen Gruppen üble Eigenschaften anzudichten. warum jeder Staat offensichtlich Feinde braucht wenn er keine hat, macht er sich welche klärte auch dieses Buch nicht auf. Mir scheint, die politische Macht benebelt die Sinne. |
| Ein faktenreiches und ich meine zuverlässiges Buch. Wer sich für Zeitgeschichte oder die Mechanismen der Ausgrenzung bis zum Völkermord interssiert, wird bestens bedient. |
| Rezension Enrico Syring: "Die Folgen von grenzenlosem Hass und Nationalismus", Das Parlament, 12/13, 2004 |
| Literatur |