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Roman Haller
Roman Haller: ... und bleiben wollte keiner. Jüdische Lebensgeschichten im Nachkriegsbayern
München: Dölling & Galitz, 2004. Broschiert, 170 Seiten
Zunächst erwartete ich mir von der Buchankündigung irgendwelche Erhellung meiner eigenen Erfahrung (z.B. vor den Toren Wasserburg gab es auch ein D.P. Lager; siehe dp "Displaced Persons"), doch nachdem ich das Buch in Händen hatte und darin blätterte, wurde ich dahingehend zunächst eher enttäuscht.
Dreizehn Juden erzählen ihre Geschichte mit Schwerpunkt der Nachkriegszeit in München. Je mehr ich las, desto griffiger wurde das Bild. Ganz verschieden waren die Schicksalsschläge und die Motive für das Hierbleiben der Überlebenden. Allmählich vermisste ich den Wasserburger Ortsbezug nicht mehr, da ich viel über das Leben im Lager Föhrenwald (bei Wolfratshausen) und der Mitwirkung der Juden am Wiederaufbau in Bayern erfuhr. Die kurzen meist einleitenden Sätze zu den Biografien zeichnen das jüdische Leben in Deutschland und im Osten vor 1945. Das Unbegreifliche wird noch unbegreiflicher.
Viele, viele traurige Episoden werden von ein paar witzigen aufgelockert. Zelig Rosenblum, seit 1945 in München kommt noch spät in die USA und als GI zurück in die Oberpfalz. Von kleinem Wuchs hört er in seinem Rücken in einem Oberpfälzer Dorf eine vorwitzige Bubenstimme: "Jo, schaug amoj, der kloane Ami mit seiner Maschinenpistoln. Wenn's drauf okimmt, geh i hi, gib eam a Watschn und nimm eam sei Pistoln." Zelig grinst und dreht sich mit grimmigen Gesicht um: "Jo, do geh her, kimm nur, wennst an Schneit host, da sigst scho, wos passiert" (S. 59). Rosenblum kickte übrigens kurzzeitig bei München 1860.
Weniger angenehm war die Situation für viele jüdische Familien, die in die Warngauer Straße, Giesing, einquartiert wurden, "Tür an Tür mit der Bereitschaftspolizei, in der bekanntermaßen ehemalige Nazis jetzt Uniformen der Polizei trugen". Ja, das hatte ich schon öfters gelesen, daß manch ein Jude nach 1945 wieder vor einem seiner KZ-Peiniger in neuer Uniform stand.
Wer sich für die Nachkriegsgeschichte in Oberbayern und speziell München interessiert, wird bei diesen 13 Porträts noch einiges dazulernen.
Roman Haller * 1944 im Wald von Tarnopol, Polen
langjähriger Unternehmer und Vorsitzender verschiedener internationaler gemeinnütziger Organisationen; lebt in München.
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Roman Haller Roman Haller: Davidstern und Lederhose. Eine Kindheit in der Nachkriegszeit
JudenJuden und Bayern von Robert Schlickewitz
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Roman Haller   Roman HallerRoman Haller: ... und bleiben wollte keiner. Jüdische Lebensgeschichten im Nachkriegsbayern. München: Dölling & Galitz, 2004. Broschiert, 170 Seiten Roman Haller
Roman Haller: '. . . und bleiben wollte keiner' Gespräche mit Münchner Juden. München, Dölling & Galitz, 2004. Audio-CD Zusammengestellt und kommentiert von Rainer Volk.Roman Haller
Befreit und vergessen. Das Schicksal der "Displaced Persons" im Nachkriegsdeutschland
Feature von Joachim Weiner, Deutschlandfunk, 6.5.2005
"Displaced Persons" (DPs) wurden Millionen Heimatloser aus ganz Europa, die sich am Ende des Zweiten Weltkrieges im ehemaligen deutschen Reich aufhielten, genannt. Es waren Verschleppte, Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter, Kollaborateure, Befreite aus den Konzentrationslagern und Überlebende der Todesmärsche. Sie wurden notdürftig in "Displaced Persons Camps" untergebracht, in denen anfangs die Versorgungslage schlecht war. Viele der unterernährten und geschwächten "Displaced Persons" starben. Ende 1946 lebte noch etwa eine Million DPs in den Camps, darunter rund 250000 Juden. Viele von ihnen wollten in die USA oder nach Palästina ausreisen. Die letzten Lager wurden erst 1962 aufgelöst.
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Roman Haller
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 19.11.2010