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Christopher de Bellaigue: Im Rosengarten der Märtyrer. Ein Portrait des Iran
[In the Rose Garden of the Martyrs: A Memoir of Iran] München: Beck, 2006. 340 Seiten. Sigrid Langhaeuser , Übs.
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Christopher de Bellaigue reiht einige Berichte zu einem eindrucksvollen Portrait des Irans. Er selbst lebte lange im Iran und ist mit einer Iranerin verheiratet.
Seine Berichte sind detailreich. Der Kenner des Irans wird vieles dazulernen. Der Blick des Westeuropäers (der Autor ist Brite) ist durchaus vorteilhaft, sieht er doch im Iraner das von uns Abweichende.
"... die Autos schoben sich vorwärts, bis sie Stoßstange an Stoßstange standen. Irgend jemand würde zurücksetzen müssen. Iranische Autofahrer hassen es, rückwärts zu fahren." (S. 24)
Oft fragt man sich, was die Bewohner in Diktaturen bewegt, die Unterdrücker in Paraden oder gar TV-Reportagen zu bejubeln. Irgendwo stellt sich dann die Haltung ein: sie wollen es ja so. Falsch. Sie sind ähnlich oder noch stärker der Spielball der Propaganda wie wir selbst.
"Je entsetzlicher die Umstände des Todes eines Mannes und je sinnloser er war, um so größer war die Wandfläche an einem Wohnblock, die seinem Andenken gewidmet wurde." (S. 169)
Die Allmacht des Geheimdienstes unter dem Schah Reza Pahlavi wird durch die islamische Moralpolizei unter Chomeini (und später) ersetzt.
Umso erstaunlicher und unverständlicher ist es, dass wir in Deutschland (mit langer unseliger Geheimdiensttradition) diesen Organisationen freiwillig immer mehr Spielraum geben (von den Geheimdiensten Deutschlands).
Von jedem politischen Wechsel versprechen sich die Bewohner Lockerung und werden enttäuscht. Andrerseits wird deutlich, wie religiöse Zwänge (die kaum als solche empfunden werden) das Leben und die Aktionen bestimmen. Im Extrem ist es dann eine Ehre, als Märtyrer sein irdisches Leben zu opfern. Kaum glaublich ist die Zivilcourage, der Widerstand und die Aufrichtigkeit der Opposition. Über Dariush Foruhar und seine Ehefrau Parvaneh Foruhar wird ausführlich berichtet. Dariush Foruhar war 16 Jahre in den Bunkern des Schahs, ein weiteres Jahr im Gefängnis der Islamischen Republik. Von seinen Peinigern wurde er gezwungen 48 Stunden lang zu stehen. Dann wurde er aufgefordert, sich zu setzen und antwortete: "Ich ziehe es vor, zu stehen" (S. 263-264).
Manches im Verhältnis des Irans zu seinen Nachbarn und den Weltmächten wird von de Bellaigue herausgearbeitet, so die breite Unterstützung des Iraks (und damit Saddam Hussein) im Konflikt der 80-iger Jahre durch den Westen.
Für den Laien ergeben sich einige Probleme: die grosse geschichtliche Linie ist schwieriger auszumachen, als etwa in der Biografie von Shirin Ebadi (siehe rezension Literatur). Dieser Umstand wird verstärkt, da de Bellaigue zeitlich ziemlich umherspringt.
Im Rosengarten der Märtyrer wird das Iran-Bild des Lesers reichhaltig erweitern und nachhaltig beeinflussen. Die fruchtbarste Lektüre ergibt sich für den, der über die Geschichte des Irans der letzten 50 Jahre schon einiges weiß. Als Iran-Einsteiger-Lektüre ist es wohl zu ausführlich und auf einzelne Personen dieser Zeit bezogen.
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Links
bellaigueKatajun Amirpur: Blick auf die iranische Volksseele. Reportagen des britischen Journalisten Christopher de Bellaigue. DLF 19.06.2006
bellaigueBarbara Frischmuth: "Christopher de Bellaigue: Der Arzt hinterm Vorhang"
bellaigueMatthias Küntzel: "Christopher de Bellaigue porträtiert den Iran". literaturkritik.de Nr. 7, Juli 2006
bellaigueHarper Collins: In the Rose Garden of the Martyrs: A Memoir of Iran
Literatur
bellaigue Ebadi, Shirin, Azadeh Moaveni: Mein Iran. Ein Leben zwischen Revolution und Hoffnung. Die Autobiografie der Friedensnobelpreisträgerin [Iran Awakening. A Memoir of Revolution and Hope]. München: Pendo 2006. Ursula Pesch, Übs. 294 Seiten
bellaigue Lilli Gruber: Tschador. Im geteilten Herzen des Iran. [Chador. Nel cuore diviso dell'Iran] Friederike Hausmann, Übs. München: Blessing, 2006. 351 Seiten
bellaigue Azar Nafisi: Reading Lolita in Tehran. A Memoir in Books [Lolita lesen in Teheran. Maja Ueberle-Pfaff, Übs.] London: Fourth Estate, 2004. 347 Seiten
Zolghadr Tirdad Zolghadr: Softcore
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Bellaigue bellaigueChristopher de Bellaigue: Im Rosengarten der Märtyrer. Ein Portrait des Iran. München: Beck, 2006. 340 Seiten. Sigrid Langhaeuser, Übs. Bellaigue
Christopher de Bellaigue: In the Rose Garden of the Martyrs: A Memoir of Iran. Harper Perennial 2006. Taschenbuch, 283 Seiten bellaigue
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 7.10.2010