| Wilfried Stroh: Latein ist tot, es lebe
Latein! Kleine Geschichte einer grossen Sprache Berlin: List, 2007. 414 Seiten |
![]() Autor Prof. Dr. Wilfried Stroh © Ullstein Berlin, mit freundlicher Genehmigung |
Der Untertitel "Kleine Geschichte einer
grossen Sprache" beginnt mit einer Untertreibung. Cicero hätte gesagt: Bene facta in luce
se conlocari volunt (Tusculanae disputationes
2,64). Latein ist tot, es lebe Latein! ist eine großartige Geschichte der lateinischen Sprache und zugleich eine Geschichte des europäischen Bildungswesen, eine Bibelgeschichte und ein Beitrag zur Wissenschaftsgeschichte und eine kleine (jetzt stimmt's) Literaturgeschichte ... |
| Mit der Ausbreitung der römischen Herrschaft vollzieht sich auch der Siegeszug des Latein. Die gute Verzahnung von Geschichte, Literatur und Sprache ist einer der Vorzüge des Werks. Man merkt nicht, wie schnell man zu Cicero, Vergil und Horaz und der Blütezeit der lateinischen Sprache gelangt. Dabei gebührt neben diesen Heroen der Dank auch dem Verfasser, der kurzweilig erzählt ohne oberflächlich zu werden. Schon beginnt die Erstarrung des Lateins: "Christus wird geboren, Latein stirbt" (ohne direkten kausalen Zusammenhang). Nach dem Linguisten Paolo Poccetti kann man kein Todesdatum angeben, daher auch nicht vom Tod des Lateinischen sprechen. Aber Stroh weist dies selbstbewußt zurück: "Latein hat solche Tricks nicht nötig" (S. 103). Aus jeder Zeile spürt man, dass der Verfasser Latein liebt und das springt auf den Leser über. Nebenbei lernt man vieles für den eigenen Sprachbegrauch, beispielsweise woher "Humanitas" kommt. Allein schon aus dem Umstand, dass man inzwischen erst cirka auf Seite 100 ist und noch 200 Textseiten folgen, ermißt man die Bedeutung des Lateinischen für die weiteren 2000 Jahre. Unterwegs liest man viel zur deutschen un deuropäischen Geschichte und immer natürlich wieder vorzügliche lateinischen Schmankerl, die exzellent erklärt werden. Zum Schluß bleibt die Feststellung: "Latein ist seit zweitausend Jahren »tot« und wurde dennoch zu allen Zeiten wie eine lebendige Sprache gepflegt" (S. 306). Der Leser wird alle Barbaren verabscheuen, die Latein weiterhin in den Schulen stiefmütterlich behandeln und sonntags ihre Reden mit lateinischen Sprüchen aufmotzen. |
| Für alle, die etwas Freude an unserer Geschichte und dem Latein mitbringen, ist dieses Buch ein Gewinn. Ich war begeistert. Mit etwas Lateinkenntnissen kann man Strohs Übersetzungshinweise besser würdigen. Zuletzt: man stellt das gelesene Buch in den Schrank, hat sich aber geistige Eselsohren erworben, die es einen oft wieder hervorholen lassen. Beste und dringende Leseempfehlung. |
| Anmerkung |
| S. 218: Livinus Brechtus: "Der Euripus", vergleiche
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| Ein aktuelles
Beispiel für die Präsenz des Lateinischen Der Bund Naturschutz fragt in einem Gewinnspiel: "Welchen Ursprung hat das deutsche Wort »Allee«?" (BUNDmagazin 2/2007, S. B24). Vielleicht will er den französischen Ursprung als Lösung, vielleicht aber die eigentliche, die lateinische Wurzel: »ambulare«. |
| Ein winziger
Wermutstropfen: Ich wünschte mir eine Literaturempfehlung für
denjenigen, der 40 Jahre nach dem Latinum sein Rest-Latein auffrischen will
(ich
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| Links |
| Literatur |
| Dietz-Rüdiger Moser: "Der
Zauber des Lateinischen. Wilfried Stroh schrieb die fulminante Geschichte einer
großen Sprache". Literatur in Bayern 88/89 (2007),
S. 77 Albert von Schirnding: "Vivat Valahfridus. Wilfried Strohs begeisternde Geschichte des Lateinischen". Süddeutsche Zeitung, 21. Mai 2007, S. 14 |
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