| Klaus Kienzler: Der religiöse
Fundamentalismus: Christentum, Judentum, Islam München: C.H.Beck, 2007. Taschenbuch, 119 Seiten |
| Nach einer kurzen Einführung bringt der katholische Universitätstheologe grundsätzliche Erwägungen zum religiösen Fundamentalismus. Dann folgen die Abschnitte: Fundamentalisten in den USA, protestantischer Fundamentalismus in Europa, katholische Variante, Fundamentalismus um Islam und im Judentum. |
| Die knappe Ausarbeitung ist eine knappe Einführung in die Thematik, sozusagen eine Zustandsbeschreibung. Tiefgreifende Erläuterungen darf sich auf wenig mehr als hundert Seiten nicht erwarten. Einen Blick in die Zukunft vermisste ich. Zwar erschien die erste Auflage dieses Werks in 1996, es wurde aber in der Folge etwas überarbeitet; aber doch zu wenig um den aktuellen Stand widerzugeben. |
| Manchmal fragt man sich, ob hier ein
christlicher Theologe schreibt; doch, so ist es. Wie um die Bedenken zu
zerstreuen, flechtet Kienzler immer mal ein: "Es ist ganz deutlich zu sagen,
daß weder der Islam als solcher noch das Judentum oder Christentum
insgesamt fundamentalistisch sind" (S. 16). Die Begründung dafür geht
auf dem Büchlein nicht hervor. Im Gegenteil: der Autor bedauert die Kehre rückwärts unter Joseph Ratzinger, dabei ist dessen Papstwerdung noch nicht berücksichtigt, folglich auch nicht dessen Rehabilitierung der Nachfolger von Marcel Lefebvre ( eine Komponente der Fundamentalisten ist das unbedingte Vertrauen auf die jeweilige Schrift und/oder einem Mufti, Guru, Stellvertreter Gottes etc. Hier sind die drei grossen Religionen mit im Boot, ja sogar am Steuer. Der Unterschied zu den Fundamentalisten wird nicht artikuliert. Die verschwommenen Grenzen sieht der Autor wohl: die Gefahr des Fundamentalismus begleitet die Religionen, da fast alle in Gefahr sind ihre Antworten verabsolutieren (S. 21). Inwieweit die drei Grossreligionen dies nicht tun, verrät der Autor nicht. Eine Komponente freilich machte ich als Leser aus, die das Christentum vor Fundamentalistmus schützt: die theologische Forschung. Hier spricht der Autor pro domo. Die Machthaber in den Religionen sollten ständig der moderen theologischen Auseinandersetzung gewärtig sein. Wie oben erwähnt, hatte ich manchmal den Eindruck: wenn der Autor gemäß seinen Überzeugungen handelte, müßte er sofort aus der katholischen Kirche austreten. Beispielshaft führe ich sein vernichtendes Urteil über die Familien- und Sexualmoral des Vatikans an: "Ehe und Familie, vor allem die Sexualmoral, ist in Rom offensichtlich vermimtes Gebiet, das fundamentalistisch bewacht wird" (S. 71). |
| Als Einführung in den religiösen Fundamentalismus ist Der religiöse Fundamentalismus empfehlenswert. Man sollte im Auge behalten: der Autor bewegt sich in Abgrenzung zu den drei im Titel genannten Religionen, er nimmt eine akademische Lehrposition ein. Zu Islam und Judentum gibt er zwar viele Hinweise, sie erscheinen aber weniger fundiert als sein eigenes Terrain: der Katholizismus. |
| Links |
| Christoph Bochinger
(2008): Religiöser Fundamentalismus Religionswissenschaftliche und
religionssoziologische Überlegungen
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