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Trevor-Roper
Hugh Trevor-Roper: The Invention of Scotland: Myth and History
New Haven, London: Yale University Press, 2009. Taschenbuch, 282 Seiten – rezension Linksrezension Literatur
Der Engländer Hugh Trevor-Roper (1914–2003) betonte, dass er aus Northumberland nahe Schottland stammt. Er war Historiker und ausgesprochener „Unionist“, das heißt gegen Abtrennungsbestrebungen („devolution“) von Schottland. Posthum erschien dieses unvollendete Werk zur Geschichte Schottlands. Trevor-Roper zeigt, dass der Markenbegriff „Schottland“ auf tönernen Füßen steht. Das will er in drei Bereichen nachweisen: historisch, literarisch und kleidungsbezogen.
In allen Bereichen deckt er Schwindeleien auf, insbesondere durch den Historiker George Buchanan und dem Literaten James Macpherson, der den Ossian als schottischen Homer erfand. Auch Kilt und Tartan sind nur aufgesetzte Kleidungstraditionen.
Das ist recht witzig zu lesen, wenn auch manchmal für deutsche Leser zu detailliert. Auffallend ist, dass Trevor-Roper einige Begriffe veerwendet, die man normalerweise mit dem Dritten Reich in Deutschland verbindet: "Gleichshaltung" (sic! S. 8), "Herrenvolk" (S. 148, S. 191) und "Untermensch" (S. 148). Das ist erklärlich, da Trevor-Roper als Historiker viel zum Dritten Reich geforscht und veröffentlicht hat, andrerseits nicht angemessen, da dadurch falsche Assoziationen geweckt werden.
Die Langlebigkeit der Rituale und Mythen erklärt der Autor durch die Abgeschiedenheit Schottlands und der beharrenden Rückständigkeit der Highlanders. Das begann schon mit dem Bau des Limes durch die Römer im nördlichen England und setzte sich – so Trevor-Roper – durch die Jahrhunderte fort.
Mich persönlich freute, dass David Hume zwar anfänglich auf historische Fälschungen hereinfiel, aber schon setzte sich seine gesunde Skepsis durch. Er kommt als Schotte im geschichtlichen Krimi noch am besten weg.
“Indeed, I believe that the whole history of Scotland has been coloured by myth; and that myth, in Scotland, is never driven out by reality, or by reason, but lingers on until another myth has been discovered, or elaborated, to replace it.“ (S. xx)
Ein kurzweiliges Geschichtswerk. Für den Laien ist eine korrekte Einschätzung aller Thesen des Autors schwer. Seitdem der Historiker Trevor-Rope das Werk verfasste schritt die Forschung – so schreiben einige Kommentatoren – auch auf diesem Gebiet weiter, ohne dass der Autor noch zu einer Einarbeitung kam.
Links
Trevor-RoperTim Blanning: „The Invention of Scotland: Myth and History by Hugh Trevor-Roper“. The Sunday Times May 25, 2008
Trevor-RoperJohn Andreas Fuchs: „ Hugh Trevor-Roper: The Invention of Scotland“. Sehepunkte Rezensionsjournal für die Geschichtswissenschaften 9:5 (2009)
Trevor-RoperBrian Morton: „The Invention of Scotland: Myth and History by Hugh Trevor-Roper“. The Observer, 20 September 2009
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Literatur
Altmann, Gerhard (2009): „Hugh Trevor-Roper: The Invention of Scotland. Myth and History“. ZRGG Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte 61:2, S. 198-200.
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scotland Trevor-RoperHugh Trevor-Roper: The Invention of Scotland: Myth and History. New Haven, London: Yale University Press, 2009. Taschenbuch, 282 Seiten scotland
Hugh Trevor-Roper: The Invention of Scotland: Myth and History. New Haven, London: Yale University Press, 2008. Gebunden, 304 Seiten Trevor-Roper
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 8.11.2009