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Lexikon moderner Mythen
Stephanie Wodianka, Juliane Ebert, Hg.:
Metzler Lexikon moderner Mythen: Figuren, Konzepte, Ereignisse

Stuttgart: Metzler, 2014. Gebunden, 398 Seiten – Mythos LinksMythos Literatur
Wenn man etwas darüber nachdenkt merkt man, dass wir von vielen Mythen umgeben sind. Doch „Mythos” ist ein vieldeutiger Begriff. Die Herausgeberinnen erklären deshalb im Vorwort, wie sie ihn verstehen wollen: Personen, Figuren, Ereignisse, Orte, Ideen oder Konzepte, die im kollektiven Gedächtnis (vornehmlich Europas) gespeichert sind.
Zunächst denkt man an mythische Erzählungen, Orte oder Ereignisse der Antike oder noch weiter zurück: Schöpfungsmythos, Atlantis oder die Irrfahtren des Odysseus. Mit der Verwissenschaftlichung unseres Weltbildes sollte eigentlich kein Platz mehr für Mythen sein. Weit gefehlt: wie man mit der Lektüre des Sammelbands feststellt: sie sind omnipräsent.
Die annähernd hundert Autoren greifen 123 moderne Mythen heraus. Sie beschreiben Entstehung und beleuchten ihre Wirkung. Die Leser staunen ob ihrer Vielfalt und bei der Lektüre fallen ständig neue ein. Vollständigkeit wurde mit diesem Band aber nicht angestrebt. Entgegen der fortwährenden Aufklärung vermehren sich die Mythen in Form neuer Verschwörungstheorien in unseren Tagen unübersehbar.
Die Bandbreite des Sammelbands ist gewaltig. Von den UFOs als nicht mehr ganz so moderner Mythos geht es bis zu Lady Diana und Madonna. Manche Einträge gehen geschichtlich weiter zurück wie beispielsweise König Artur und die Ritter der Tafelrunde.
Die Autoren bewältigen die Herkulesaufgabe bravourös. Die Artikel sind klar strukturiert und auch für Laien gut lesbar. Die Mythen, die ich selbst meine gut beurteilen zu können – wie über Elvis Presley – sind stimmig und erhellend dargestellt. Man lernt verborgene Funktionweisen kennen.
Das Internet ist angemessen vertreten: als eigener Eintrag (unter Computer/Internet) und durch Mythen, die erst „dank” des Internets und TV weit verbreitet wurden: Mondlandung, 9/11, Klimawandel.
Was gewinnen die Leser und Nutzer?
Vieles in Gesellschaft und Politik vollzieht sich vor dem Hintergrund zahlreicher moderner Mythen. In der Literatur wird auf zahlreiche, auch moderne Mythen Bezug genommen. Der Sammelband kann als Nachschlagewerk zur Klärung von Entstehung und Wirkungsweise beitragen.  Manchmal muss man etwas aufmerksam sein und z.B. den derzeit überall kursierenden Mythos der Islamisierung unter „Kampf der Kulturen” nachlesen.
Viele Zusammenhänge der Mythen untereinander erschließen sich dem Leser bei der Lektüre. Hans Pfeiffer aus der Feuerzangenbowle ruft im Leser (oder Filmbetrachter), es mag bewusst werden oder nicht, den Mythos vom Kind im Manne hervor.
So wie die Mythen sprießen, so vergehen sie teilweise auch wieder. Den in den Fünfzigern starken Mythos um James Dean kennt man heute kaum noch. Man liest einen knappen Hinweis unter „Hollywood”.
Manches Detail vermisste ich. Im UFO-Abschnitt (unter „Außerirdische”) fehlte mir eine Jahreszahl zur Entstehung. Das habe ich dann woanders nachgelesen.
Man staunt über die Fülle an Mythen, die uns – nach über 200 Jahren Aufklärung – umgeben. Auf die wir hereinfallen?
Ein einführender Artikel über Wirkungsweise, Nutzen, Nachteile oder gar Schaden der Mythen wäre willkommen gewesen.
Wie die Herausgeberinnen betonen ist Vollständigkeit weder möglich noch angestrebt. Mir scheinen zwei Bereiche völlig zu fehlen: religiöse Mythen und Mythen aus Ernährung und Medizin. Der erste Bereich ist vielleicht auf einer ganz anderen Schiene einzuordnen oder würde den Rahmen sprengen. oder vielleicht sogar Fanatiker auf den Plan rufen. Doch der zweite Bereich über Ernährung, Körperertüchtigung und Medizin hätte einige Einträge verdient. Der Artikel „Psychoanalyse” streift das Thema nur.
Erst mit dem Erscheinen des Lexikons merkte ich wie sehr es bislang fehlte.
Keineswegs nur für Studierende sondern hilfreich für alle, die Alltag, Gesellschaft, Politik und die Geistesströmungen unserer Zeit besser verstehen wollen.
Anläßlich des Erscheinens des Lexikons wurde im Oktober 2014 eine Fachtagung „Mythen der Moderne: Inflation, Vernetzung, Kanon” im Internationalen Begegnungszentrum der Universität Rostock abgehalten. MythosFachtagungMythosProgramm (pdf)
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Links
MythosInhaltsverzeichnis (pdf)
MythosLeseprobe (pdf)
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