| Gernot Haupt: Antiziganismus und
Sozialarbeit. Elemente einer wissenschaftlichen Grundlegung, gezeigt an
Beispielen aus Europa mit dem Schwerpunkt Rumänien Berlin: Frank & Timme, 2006. Broschiert, 343 Seiten |
| Die Angst vor fremden Kulturen wird
immer wieder vor den politischen Karren gespannt. Durch die Jahrhunderte kann
man das konstant an den Juden zeigen. Doch viele andere Gruppen traf ein
ähnliches Schicksal; wenn nötig erzeugen die Politiker neue
Feindbilder. Autor Gernot Haupt analysiert die systematische Ausgrenzung, die Vernichtung im Nationalsozialismus, die Pogrome durch die Jahrhunderte, die Vertreibung und Abschiebung der Roma und Sinti. Das ist nicht das Hauptanliegen des Buchs, sondern die Vorarbeit. Haupt plädiert für einen Perspektivenwechsel. Die Bedürfnisse der Betroffenen sollen im Mittelpunkt stehen. Antiziganismus und Sozialarbeit vereint praktische und theoretische Erörterungen, gemäß dem beruflichen Hintergrund des Autors ( Der erste Teil dient der begrifflichen Abgrenzung. Dabei ist Präzision angebracht, doch manchmal erscheint mir Haupt PC-mässig überkorrekt, wenn er etwa statt "Minderheit" für "Wenigkeit" plädiert (S. 32). In den weiteren Teilen des Buchs wird der Antiziganismus und seine Mechanismen in der Geschichte und Gegenwart analysiert. Im vierten Teil schließlich zeigt Haupt die Felder auf, in denen Handlungsbedarf besteht. |
| Wer sich für den
Antiziganismus durch die Jahrhunderte und insbesondere für die Mechanismen
der Ausgrenzung interessiert, wird mit Antiziganismus und Sozialarbeit
reichlich fündig. Haupt zeigt zahlreiche Möglichkeiten auf, die
Situation mit Hilfe der Betroffenen zu verbessern. Manches davon geht in den
detaillierten und manchmal zu wissenschaftlichen Ausführungen unter. Die
Historie ist nicht immer von der gegenwärtigen Situation genügend
getrennt. Aufgrund der Arbeit des Autors steht die Lage in Rumänien im
Fokus der Arbeit. Brennend würde mich ein ähnliches Werk für
Deutschland interessieren. Die Lektüre von Antiziganismus und Sozialarbeit lohnt sich für die Diskussion um Ausgrenzung, Integration und Assimilierung. Vieles kann auf andere Gruppierungen in Deutschland übertragen werden. |
| Gernot Haupt, * 1955, studierte in Innsbruck, Wien, Paris und Klagenfurt Germanistik und Theologie, Politikwissenschaft und interkulturelle Pädagogik. Er ist Redaktionsmitglied der Zeitschrift Sozialarbeit in Kärnten und betreut über das "Institut für Sozialarbeit" seit vielen Jahren ein Roma-Projekt in Rumänien. |
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