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Pro-Bewegung
Michael Lausberg: Die Pro-Bewegung: Geschichte, Inhalte, Strategien der »Bürgerbewegung Pro Köln« und der »Bürgerbewegung Pro NRW«
Unrast, 2010. Broschiert, 165 Seiten – pro Linkspro Literatur
Die rechtspopulistischen Strömungen zeigen sich in vielen Gesichtern und Organisationen, sie tauschen sich in Parolen und Personen ständig aus. Zeitweise sind die Bürgerbewegungen, beispielsweise „Bürgerbewegung Duisburg“ oder  „Bürgerbewegung pro
NRW“, recht aktiv. Ähnlich wie NPD und DVU geben sie sich als Anwalt der kleinen Bürger.
Michael Lausberg bietet eine Geschichte zweier sog. Bürgerbewegungen: „Bürgerbewegung Pro Köln“ und „Bürgerbewegung Pro NRW“. Anhand des Personals dieser Gruppierungen erkennt man als Leser: vielfältige Verbindungen mit der offen rechtsextremen Szene. Dies gilt freilich – wenn man genauer hinschaut – auch für die Inhalte.
In den letzten Jahrzehnten – besonders nach dem 11. Sept. 2001 – trat an die Stelle alter Feindbilder der Islam. Muslime fallen unter den Generalverdacht das Christentum, die westliche Zivilisation und bei uns besonders das völkische Deutschtum auslöschen zu wollen. Es geht also bei den Pro-Bewegungen um die Verteidigung des Konstrukts der weißen, christlichen, abendländischen Gesellschaft. Damit ist schon von vornherein der Anspruch der Pro-Bewegung „für alle Bürger einzutreten” gescheitert. Ein Drittel der Bevölkerung Deutschlands ist nicht christlich.
Nach der Einleitung gliedert sich das Werk in vier Abschnitte:
  • Der Begriff des Populismus
  • „Bürgerbewegung Pro Köln“
  • Die „Bürgerbewegung Pro NRW“ (Pro NRW)
  • Fazit
Warum für die beiden Hauptabschnitte unterschiedliche Formen der Überschrift gewählt wurden ist nicht ersichtlich, läßt aber eine gewisse Nachlässigkeit erkennen.
Populismus
Die Populismusdefinition scheint mir etwas zu stumpf. Nach ihr wäre die Revolutionärin Rosa Luxemburg auch eine Populistin (War sie vielleicht wirklich eine?). Es wird auch nicht überzeugend klargestellt, worin nun die Gefahr des Populismus liegt. Benachteiligungen weiter Bevölkerungskreise und Machtgier und Ignoranz der Regierenden sind keine Vorurteile, die durch den Populisten instrumentalisiert werden, sondern liegen nachweislich vor.
Mir scheinen an der Populismusdefinition besonders hervorhebenswert
  • monokausale Strukturen werden unterstellt
  • ausgeprägtes Feindbild und Überlegenheitsgefühl von weiß & christlich & deutsch
  • schwarz-weiß Denken
  • Fixierung auf Symbole, wie Fahne, Tatoos, Hymnen
  • charismatische Führungsfigur(en).
Zumindest an letzterem mangelt es der Pro-Bewegung.
Das Erstarken eines Populismus ist meist auch eine Krise der Repräsentation und Legitimation. Einen weitere Bedingung (bei Lausberg nicht genannt) ist die Orwellsche Sprachverdrehung durch die Repräsentanten, so wenn sie –  wie im Januar 2013 – die Videoüberwachung in Unternehmen unverfroren ausweiten und legalisieren, vor den Medien aber von einem Verbot sprechen.
Hier versäumt es Lausberg herauszuarbeiten, ob Populismus verwerflich ist und wenn ja – was er zu unterstellen scheint – , was genau daran zu tadeln ist.
In den beiden Hauptkapiteln liegt ein Schwerpunkt auf Geschichte und personelle Verbindungen zwischen den verschiedenen populistischen, rechtsextremen und rechtsextremistischen Gruppierungen. Inhalte werden auch diskutiert, aber sie kommen meines Erachtens zu kurz.
Hier ein gängiges Argument aus der Pro-Bewegung, das anscheinend vom Kölner Kardinal Joachim Meissner stammt, aber auch von vielen Politikern der C-Parteien verwendet wird:
„Solange in der Türkei Christen diskriminiert und die Religionsfreiheit außer Kraft gesetzt wird, sollten bei uns keine weitere Großmoscheen mehr gebaut werden”.
Das Argument wird kunstgerecht widerlegt (S. 66).
Die Inhalte der Pro-Bewegung kreisen um
  • Islamphobie
  • Lippenbekenntnis zum Christentum
  • gegen Ausländer, Asylsuchende und Flüchtlinge allgemein
  • Antiziganismus
  • gegen Schwule und Lesben
  • pro Law und Order (wenn es in den Kram passt)
  • Schul- und Bildungspolitik
Ein Hauptkritikpunkt Lausbergs an den Inhalten und Argumenten ist, dass sie völlig pauschalierend angewendet werden: jeder Türke ist ein Muslim, jeder Muslim gewaltbereit, alle Andersfarbigen kriminell, Migranten verweigern die Integration, usw. Vielleicht ist mein obiger Inhaltsvorbehalt ungerecht: gegen solche kruden Pauschalierung läßt sich kaum mehr argumentieren: ein freiwilliges soziales Jahr für alle Populisten wäre angebracht.
Michael Lausberg: Die Pro-Bewegung  hat einige handwerkliche Fehler, so ist „Häusler” im Literaturverzeichnis falsch sortiert, das „Pro” wird mal groß, mal klein geschrieben. Das ändert aber nichts am folgenden Lob.
Schon an der Wortwahl „Bewegung” verraten sich deren Anhänger: die war der Ursprung der Völkische BewegungNSDAP. Das "Pro" im Namen erweist sich grossenteils als "Contra", beispielsweise contra Islam, contra Fremde, contra Toleranz, contra Gerechtigkeit für alle.
Michael Lausberg: Die Pro-Bewegung untermauert anhand von Geschichte und Verflechtung die völkische Grundierung (um es vorsichtig auszudrücken) dieser Gruppierungen. Die Pro-Bewegung erweist sich als Angriff auf die Demokratie, die Menschen- und Bürgerechte und die Bürger, sofern sie nicht ins Raster passen.
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