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Arbeitsplätze
Marion Schweizer, Jonas Lanig: Ausländer nehmen uns die Arbeitsplätze weg. Rechtsradikale Propaganda und wie man sie widerlegt
Wilfried Stascheit, Hg. Mülheim an der Ruhr: An der Ruhr, 2003. Broschiert, 246 Seiten - Propaganda LinksPropaganda Literatur
Vierundvierzig Parolen der Rechten und extrem Rechten werden hier vorgestellt, diskutiert und durchweg überzeugend widerlegt. Den Autoren ist bewusst, dass sie damit bei weitem nicht alle Stammtischparolen abdecken, sie wollen jedoch das ganze Spektrum erfassen. Das ist voll gelungen.
Die vierundvierzig Parolen sind in diese 10 Abschnitte gegliedert:
  1. Bevölkerung
  2. Arbeit
  3. Wohnen
  4. Bildung
  5. Kriminalität
  6. Soziale
  7. Integration
  8. Frauen
  9. Vergangenheitsbewältigung
  10. Staatliche Ordnung
  • Oft muss bei der Gegenargumentation der Spieß umgedreht werden. Wenn man die Hürden für die Anerkennung auf Asyl sehr hoch hängt darf es niemand wundern, wenn die Quote der anerkannten Asylbewerber niedrig ist.
  • Oft muss man fragen, auf was in einer Parole Bezug genommen wird. In anderem Kontext hörte ich, dass der Libanon (10452 qkm, 4,5 Millionen Einwohner) offiziell 800.000 syrische Flüchtlingen aufgenommen hat, die Dunkelziffer ist unbekannt. Niederbayern ist ähnlich gross. Wer Deutschland als grosszügiges Aufnahmeland für syrische Flüchtlinge bezeichnet, macht sich nach dieser Überlegung mindestens lächerlich. Deutschland müsste – je nach Bezugsgröße – 20 Millionen Syrier aufnehmen um mit dem Libanon mithalten zu können.
  • In der Antwort auf Lüge Nr. 5 „Jede Rasse ist für einen bestimmten Lebensraum geschaffen. Deshalb kann es niemals gut gehen, Ausländer bei uns anzusiedeln” wird die Austauschbarkeit der Zielgruppe des Rassismus thematisiert. Gerade diejenigen, die auf nichts mehr stolz sein können, rechnen sich gerne einer Gruppe zu, mit der sie sich von anderen (vermeintlich) minderwertigen Gruppen abgrenzen können. Da die Rassenlehre Humbug ist, wird oft mit kultureller Abgrenzung argumentiert (S. 40, 45).
  • Manche Propagandaparolen werden durch die Wirklichkeit widerlegt, so beispielsweise Lüge Nr. 32 „Multikulti ist gescheitert”. Deutschland hat ein so reiches und vielfältiges Nebeneinander von Kulturen, dass von Scheitern keine Rede sein kann. In Deutschland wird die Opernkultur ebenso gepflegt wie die Kleinkunst oder Heavy Metal. Da gibt es Streetdancing, Marathonläufer und Schachspieler ... Keiner muss sich als gescheitert betrachten, auch wenn manche Kulturen wenig Zulauf haben oder von anderen abgelehnt werden.
In den Widerlegungen der rechtsradikalen Parolen findet man auch viele Anregungen dazu, wie man es besser machen kann. Zur Lüge Nr. 18 „In vielen Klassen stellen die Ausländer längst die Mehrheit. Wer kein Türkisch spricht, wird bald zum Außenseiter” liest man beispielsweise: „Es muss also verstärkt daran gearbeitet werden Bildungsbenachteiligungen ausländischer Schüler aus dem Weg zu räumen, ...” (S. 100).
Die Lügen sind manchmal recht krass formuliert, damit können sie leicht widerlegt werden. Die Ressentiments gegenüber Schwarzen oder Ausländern sind oft subtiler formuliert. Da verlangt der Fernsehmoderator Markus Lanz in einer „Wetten, dass..?“-Sendung im Dezember dass sich Leute mit „Kohle oder Schuhcreme“ schwarz anmalen sollen, damit sie Schwarze darstellen könnten. Da verlangen Politiker der C-Parteien ungeniert die Ausländer zu benachteiligen mit der „Maut nur für Ausländer” und erhalten Beifall. Diese offen diskriminierende und unterschwellig rassistische Parolen werden vom Buch nicht abgedeckt.
Manche Lügen, beispielsweise Lüge No. 42 „Die Westmächte und das jüdische Kapital wollen ein selbstbewusstes nationales Deutschland verhindern, weil man Angst vor dem militärischem Heldentum und der Arbeitsfähigkeit der Deutschen hat” sind so doof, dass man die Texte nur widerwillig liest.
Die Texte werden aufgelockert durch Fotos von Einzelpersonen (gegen die Pauschalierungen gerichtet) und Zitate Betroffener.
Im Vorwort wird artikuliert, dass man Rechtsradikale kaum überzeugen kann: vernünftigen Argumenten sind sie nicht zugänglich. Doch Stammtischparolen hört man auch von konservativen und liberal-kritischen Leuten. Diese und deren Zuhörer kann man mit den Zahlen, Argumenten und Belegen in diesem ausgezeichneten Buch den Teppich unter den Füßen wegziehen.
Links
RassismusVerlag an der Ruhr
RassismusLiane von Billerbeck: 44 rechtsradikale Lügen und wie man sie widerlegt, Zeit-Online, 13.3.2003
RassismusGerald Jörns: Ausländer nehmen uns die Arbeitsplätze weg Telepolis 30.03.2003
RassismusLiteratur zum Thema Rechtsextremismus und Argumentationshilfen
RassismusBedrohliche Zunahme: Die Zahl der rechtsextremen Straftaten steigt
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Schweizer Rassismus Marion Schweizer, Jonas Lanig: Ausländer nehmen uns die Arbeitsplätze weg. Rechtsradikale Propaganda und wie man sie widerlegt. Wilfried Stascheit, Hg. An der Ruhr, 2003. Broschiert, 246 Seiten
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 15.12.2013