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Samuel Salzborn:
Angriff der Antidemokraten: Die völkische Rebellion der Neuen Rechten

Weinheim: Beltz Juventa, 2017. Taschenbuch, 223 Seiten - Salzborn LinksSalzborn Literatur
In Angriff der Antidemokraten: Die völkische Rebellion der Neuen Rechten untersucht der Sozialwissenschaftler Samuel Salzborn die Bewegung der Neuen Rechten, die seit Jahren in Deutschland Furore macht. Ähnliche Bewegungen in anderen europäischen Ländern werden nicht einbezogen.
Die komplexe Thematik gliedert der Autor in folgende Kapitel;
Zur besten Sendezeit hetzen? Die Verrohung der Öffentlichkeit. Einleitung.
1 Von der Konservativen Revolution zur Neuen Rechten: Die Volkisierung des Politischen und die Rebellion gegen die Demokratie
2 Die Neue Rechte in der Bundesrepublik
3 Kronzeuge der Neuen Rechten im Kampf gegen die Demokratie: Carl Schmitt
4 Gegen die Aufklärung, für den Irrationalismus:  Die Neue Rechte und die Religion
5 Ist das Antisemitismus?
6 Virtuelle Verschwörungswelten, realer Verschwörungswahn: Die identitäre Mobilisierung von Affekten
7 Männlich, halbgebildet, situiert, egoistisch: Der soziale Bodensatz der Antidemokraten
8 Faszination Russland: Aleksandr Dugin und die neurechte Utopie der heilig-heilen Welt
9 Hass auf Gleichheit, Hass auf Gleichberechtigung: Der parteipolitische Arm der völkischen Rebellion
10 Was tun? Strategien gegen die Feinde der Demokratie

Was ist und was will die Neue Rechte?
Die Bewegung der Neuen Rechten tritt unter verschiedenen Deckmäntel auf: Pegida, konservative Revolution, AfD, ,,,
Der Begriff „konservative Revolution” geht auf Armin Mohler zurück. Mohler gilt als Apologet der „Konservativen Revolution“ sowie als einer der Vordenker der Neuen Rechten. Er veröffentlichte 1950 Die Konservative Revolution in Deutschland 1918–1932. Ein Handbuch. Grundriß ihrer Weltanschauung, siehe Salzborn Literatur.
Die Sammlungsbewegung der  Konservative Revolution begann in der Weimarer Republik und dauert bis heute an. In der  Nachkriegszeit klang „konservativ” deutlich anschlussfähiger als pränazistisch (S. 23). Zuletzt hat Alexander Dobrindt, CSU, eine Konservative Revolution  gefordert.
Die Denkströmungen der Konservativen Revolution zeichnen sich durch  antiliberale, antidemokratische und antiegalitäre Züge aus.

Die Neue Rechte
  • will den Nationalsozialismus entsorgen oder bagatellisieren, damit man dessen Begriffe und Konzepte in der Gegenwart wieder verwenden kann. Die Volksgemeinschaft wird ausgerufen und soll zum totalitären Zwangs- und Unterdrückungsinstrument werden.
  • will „Volk” als Gegenbegriff  zur westlichen „Nation” einsetzen. Der Wille der einzelnen Subjekte wird durch das Kollektiv der suggerierten gemeinsamen Abstammung ersetzt. Der offenen und pluralen Gesellschaft wird die Zwangsgemeinschft gegenübergestellt (S. 30).  Der Pluralismus der Interessen wird zum Monismus der Identität (S. 31). Wer aus Sicht der Neuen Rechten nicht zur völkischen Gemeinschaft gehört, dem wird die Zugehörigkeit zum Kollektiv verweigert (S. 33).
  • kämpft gegen das Subjekt und um denVorzug des Kollektivs vor dem Individuum.
  •  „Ethnische Identität fungiert dabei im rechtsextremen Denken nicht als individuelles Identitätsangebot, sondern als kollektiver Identitätszwang” (S. 21).
  • einerseits die Political Correctness abschaffen, andrerseits beruft sie sich selbst darauf (Ähnliches gilt für die Presse– und Meinungsfreiheit). Der Begriff „Political Correctness” stammt von der Neuen Rechten und unterstellt, dass es Menschen oder Gruppen gibt, die Macht haben zu definieren, was politisch korrekt sei und was nicht und demzufolge, was geäußert werden darf oder nicht (S. 18).
Wie geht die Neue Rechte dabei vor?
Die Antwort dieser Frage bringt der Autor auf zwei Schlagworte:
  1. die Intellektualisierung des Rechtsextremismus (raus aus der Schmuddelecke)
    Durch äußerliche terminologische Anpassung an die jeweilige politische und mediale Umgebung sollen die eigenen Ziele zu verschleiert werden. Man verspricht sich mehr Wirkung in der Mitte der Gesellschaft (S. 38).
  2. Aufbau einer (rechten) „kulturellen Hegemonie” (S. 35)
    Wesentlich an dieser Strategie ist es, die öffentliche Sagbarkeitsgrenze zu verschieben. (S. 12)
Diese beiden Punkte erscheinen mir zu wenig und bei der Lektüre des Buchs kommen auch sehr viel mehr Vorgehensweisen der Neuen Rechte zur Sprache.
Brückenspektrum
Eine weitere Vorgehensweise ist die Unterstützung eines Brückenspektrums (von dem man sich gegebenenfalls leichter distanzieren kann). Durch personelle, gesinnungsmäßige und organisatorische Überschneidung baut diese Spekturm Brücken zwischen Konservatismus und Rechtsextremismus (S. 43).
Dazu gehören ganz oder teilweise
  • Vertriebenenverbände
  • Burschenschaften
  • Neue Institutionen. Institut für Staatspolitik (IfS)
  • Bibliothek des Konservatismus
  • Zeitungsprojekte: Sezession - Blaue Narzisse
  • Identitäre Bewegung
  • PEGIDA
Auf einige Thematiken geht der Autor in eigenen Kapiteln ein:
  • Carl Schmitt
  • Religion
    Hier befasst sich der Autor hauptsächlich mit Aufsätzen zur Religion in der Zeitschrift Sezession, einem intellektuellen Sprachrohr der Neuen Rechten. Daraus ergibt sich kein eindeutiges Bild, sondern viele sich zum Teil widersprechende Positionen zu den diversen Religionen.
  • Antisemitismus
    dabei ist mir das Fragezeichen beim Kapitel „Ist das Antisemitismus?” unklar
  • Russland
  • Verschwörungswahn
Was ist zu tun?
Auf diese Frage erhofft man sich schon alleine aufgrund des Klappentextes eine Antwort. Die wird auch gegeben, wenn auch sehr unspezifisch.
Schon in der Einleitung klingt an, was Salzborn später noch vertieft.
  • Den Demokratiefeinden soll keine Bühne für ihre Parolen gegeben werden. Zeitweise gab es kaum eine Talkshow im Deutschen Fernsehen ohne AfD-Beteiligung.
  • Rassismus und völkischer Nationalismus sind keine Meinungen, die gleichberechtigt neben anderen medial wirksam diskutiert werden sollten. (S. 9)
  • Wenn man das befolgen würde, wäre der dritte Handlungsvorschlag überflüssig: Gegen die Antidemokraten argumentiere man konsequent für Vernunft und Verstand.
Die richtige Grenze zwischen öffentlichem Podium und Ignorieren ist nicht leicht zu finden und dazu gibt auch dieses Buch nichts Konkretes her.
Wer die geschichtliche Einbettung, die Hintergründe und die Vorgehensweise er Neuen Rechten kennen lernen will ist mit diesem Buch gut bedient. Die Antwort auf „Was ist tun?” hätte ich mir konkreter gewünscht.
Insgesamt eine starke Leseempfehlung für alle Demokraten.
Links
SalzbornKonservative Revolution
SalzbornArmin Mohler
SalzbornSamuel Salzborn
Salzborn Literatur zum Rassismus, Rechtspopulismus und Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit
Literatur
Alex Rühle: "Macht und Ohnmacht. Der Berliner Antisemitismusforscher Samule Salzborn erklärt, warum Verschwörungstheorien fast immer Judenhass enthalten". SZ, 2.3.2018, S. 9
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Salzborn SalzbornSamuel Salzborn: Angriff der Antidemokraten: Die völkische Rebellion der Neuen Rechten. Weinheim: Beltz Juventa, 2017. Taschenbuch, 223 Seiten  Salzborn
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  Armin Mohler, Karlheinz Weissmann: Die Konservative Revolution in Deutschland 1918–1932. Ein Handbuch. 6. völlig überarbeitete und erweiterte Auflage. Ares, 2005. Taschenbuch, 643 Seiten Salzborn Salzborn
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