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Deppe
Hans Werner Deppe: Wie wird es in der Hölle sein?
Oerlinghausen: Betanien, 2005. Broschiert, 93 Seiten
Hölle LinksHölle LiteraturHölle ergänzende Literatur

Vorab: ich bin nicht religiös gläubig und für die Existenz der Hölle sehe ich keine ausreichenden Belege oder Gründe.
Hans Werner Deppe (künftig: HWD) sieht das völlig anders: einerseits führt er für die Existenz der Hölle den bei vielen Völkern und in nahezu allen Religionen verbreiteten Glauben daran an, andrerseits die mannigfaltigen Textstellen darüber in der Bibel.
Dagegen spricht:
  • Der Volksglaube vertrat und vertritt zahlreiche Positionen, die wissenschaftlich nicht haltbar sind (z.B. „Eichen sollst du weichen, Buchen sollst du suchen”).
  • Die Bibel – das zeigt auch Deppes Buch und die Diskussion darüber im Web – ist ein ziemlich unzuverlässiger Indiziengeber. Nur weil in einem Buch der Weltuntergang für einen bestimmten Tag verkündet wird, richte ich mich nicht danach. So auch nicht nach mythischen Aussagen der Bibel über Himmel und Hölle.
Trotzdem las ich HWD: Wie wird es in der Hölle sein? mit Gewinn. Davon am Ende mehr.
Anmerkung
Wenn man feststellt, es gibt keine Hölle, stampfen Höllengläubige oft auf: „Es gibt keine eindeutigen Beweise dagegen” oder „Die Existenz der Hölle ist nicht widerlegt”. Beides trifft zu, allerdings auch auf UFOs, Osterhase und das Fliegende Spaghettimonster (Hölle Links). Existieren sie deshalb? Sicher nicht. Soll man deshalb an die Existenz von UFOs, Osterhase und das Fliegende Spaghettimonster glauben? Ich meine: Nein!
Autor HWD setzt voraus:
  1. Die gesamte Bibel ist das „Wort Gottes” (S. 7).
  2. Die biblischen Aussagen und Jesus Aussagen zur Hölle sind für bare Münze zu nehmen.
Nur aufgrund dieser Voraussetzungen ist HWD gerechtfertigt von der Tatsache und Wahrheit der Hölle zu schreiben (S. 8).
Doch (Gott-sei-Dank ?) trifft keine der beiden Voraussetzungen zu.
Ein Manko ist, dass HWD die von ihm verwendete Bibelübersetzung nicht nennt. Die zahlreichen Bibelübersetzungen stehen im Kreuzfeuer der Kritik. Die christliche Sekte A verwirft die Übersetzung X, die christliche Sekte B läßt kein gutes Haar an der Übersetzung Y und die  christliche Sekte C meint Übersetzung Z sei richtig, da X und Y die Bibel völlig verfälscht wiedergeben.
Nebenbemerkung
Für mich ist unerklärlich, warum Gott seine Botschaft nicht für jeden in seiner jeweiligen Sprache verständlich kundtun konnte/wollte.
Inhalt
  • Einleitendes Vorwort
  • Die verdrängte Wahrheit
  • Falsche Vorstellungen von der Hölle
  • Gericht und Hölle im Alten Testament
  • Wie wird es in der Hölle sein?
  • Wer wird in der Hölle sein?
  • Weitere Fragen zur Hölle
  • Erweiteter Bibelstellenverzeichnis
  • Quellenangaben
Meine Besprechung gliedert sich wie folgt:
Hauptaussagen – kurz kommentiert
Kernaussage des zu besprechenden Büchleins:
  • Die Verheißung der Hölle ist eine Kernaussage der Heilsbotschaft Jesus. Und: die Hölle wird viel schrecklicher sein als man es sich vorstellen kann. 
    Zur ersten Teilaussage ist zu ergänzen: eine unter vielen Verheißungen. Liebe und Hoffnung sind sicher weitere Kernaussagen.
Weitere Hauptthesen
  • Die Höllenbotschaft Jesus wird verdrängt (Kap. 1), verharmlost oder ganz geleugnet.
  • Ein Ungläubiger kann (vermutlich) nur sündigen (S. 14).
  • Wenn man sich an Gottes Gebote hält, wird das nicht aufgerechnet gegen die Verstöße (S. 8).
  • Das Gottesbild im AT und NT ist gleich (S. 31). In beiden wird demnach Gott als zornig, nachtragend, rachsüchtig, mörderisch und gütig dargestellt. (Da widersprechen dem Autor zahlreiche gläubige Christen.)
  • Gott legt auf des Menschen Furcht vor ihm grossen Wert (S. 50).
Die erstaunlichsten (und zugleich absurdesten) Kernaussagen waren für mich diese:
  • „Es gibt nicht gute und böse Menschen, niemand entgeht aufgrund seines Charakters oder seiner Taten der Hölle” (S. 68).
    Der erste Teil der Aussage ist wohl bezüglich des folgenden Charakters so zu verstehen: „Es gibt keine von Geburt aus gute und böse Menschen”. Ansonsten wäre es noch absurder als die folgende Teilaussage, dass die Taten eines Menschen völlig egal sind.
  • Nur diejenigen Menschen, die an Jesus glauben, können ins ewige Leben eingehen (S. 72). Wie schon unter „Höllenvorstellung des Autors” hervorgehoben, schließt das – zum großen Teil extrem ungerecht – nahezu alle Menschen aus: Muslime, Ungläubige, Kinder, nie mit dem Christentum in Berührung Gekommene, alle vor Jesus Geburt, ....
  • „Wer hat die Hölle verdient? Jeder” (S. 77)
  • „Was kann man tun, um der Hölle zu entgehen? Nichts, es gibt absolut keine gute Tat und keine Summe von guten Werken, die auch nur eine Sünde aufwiegen oder begleichen oder ihre Vergebung erkaufen kann” (S. 77).
  • Ergänzend dazu: „Ob man bewusst unmoralisch lebt oder aus eigener Kraft sich zu bessern versucht, man wird in der Hölle enden” (S. 79).
    Für alle sündigen Menschen ist damit der Zug zur Hölle abgefahren! Das Gleichnis von Hawaii und Sibirien (S. 80) ist damit neben der Spur. Nach allem, was man vorher las, ist es höchst wahrscheinlich, dass – wenn man die alte Propellermaschine nach Hawaii wählt – bei der Ankunft Gott den Kopf schüttelt: „Du bist nicht in meiner Liste! Deine guten Taten zählen nicht! Ab nach Sibirien!” Dieses Risiko will ich nicht eingehen. Dann doch lieber das Lxusflugzeug nach Sibirien. Ich freue mich darauf dort HWD zu treffen und kennenzulernen.
Sachliche Nüchternheit
Im einleitenden Vorwort schreibt sich HWD eine „sachliche Nüchternheit” zu (S. 8), die er aber bereits hier vermissen läßt. Der schreckliche Gott seiner Vorstellung passt überhaupt nicht zum gnädigen Gott, ebenfalls aus seiner Vorstellung. Doch dieser Widerspruch in seinem Gottesbild entgeht der Nüchternheit des Autors.
HWD hat eine bestimmte, biblisch geprägte Weltanschauung (davon gibt es Tausende, teils widersprüchliche), aber er begründet nie, warum gerade seine die richtige sei. Die Bibel als alleinige Grundlage kann als Begründung nicht gelten, da sie völlig dem Übersetzungsgeschick und der Auslegung des Leser (der Klerikalen, der Theologen, der Wissenschaft, ...) unterliegt. Auch HWD übt in zahlreichen Passagen diese Auslegung. Doch es ist wie bei vielen Bibelgläubigen, mal rufen sie: „Keine Deutelei! Wörtlich nehmen!”, ein andermal: „Das ist bildhaft gemeint! Hier bedeutet das hebräische Wort etwas völlig anderes als die Übersetzung XY widergibt!” Je nach vorgefasster Weltanschauung.
Verdrängung der Hölle
HWD stellt fest und hat damit wohl recht: die grossen christlichen Religionen verdrängen die Hölle oft. Die Glaubensinformation der Katholischen Kirche (Hölle Literatur) schreibt beispielsweise nur andeutend: „Hölle ist im Grunde also nichts anderes als die Auswirkung der Ablehnung Gottes. Diese Ablehnung wird endgültig und ewig sein.” Das Feuer der Hölle wird in Apostrophe gesetzt. Immerhin kann die Hölle „auch mit körperlichem Schmerz verbunden sein” (Kap. 22, S. 11). Der Schmerz und die Qualen sind bei HWD die zentralen Attribute in des Höllendaseins.
Im 2. Kapitel skizziert HWD die Höllenvorstellungen in anderen Religionen. Kurzerhand bezeichnet er all diese als „Fantasie, Fabeln oder flaschen Eingebungen” (S. 17). Eine Begründung dazu fehlt (wie so oft).
Höllenvorstellung des Autors
Die Höllenvorstellung von HWD ist reichlich anthropomorph. Nahezu alle Religionen sind ja von einem starken Anthropomorphismus (Hölle Links) geprägt. Um seine anthropomorphe Vorstellung der Hölle – körperliche Schmerzen, echtes ewiges Feuer, Klagen der Insassen, usw. –  sicherzustellen vertritt der Autor die körperliche Auferstehung (S. 21, siehe Hölle nächsten Abschnitt). Er vermengt damit das irdisch Zeitliche mit dem geistig seelisch Ewigem. Es ist bezeichnend, dass HWD diese Vermischung bei Joachim Meisner (Ex-Kardinal) ausdrücklich tadelt (S. 20).
Eine genauere Spezifizierung folgt auf S. 23:
  • keine Gnade und Güte Gottes mehr
  • keine Annehmlichkeiten
  • keine Blume (!)
  • keine Schmerzfreiheit.
Die anthropomorphe Höllenvorstellung des Autors wird freilich durch seine wörtliche Bibelauffassung gestützt. Gibt es dort doch sogar „Tag und Nacht” (S. 29). HWD beruft sich dabei auf „Der Rauch von ihrer Peinigung steigt auf in alle Ewigkeit und alle [...] werden bei Tag und Nacht keine Ruhe haben” (Offenbarung 14,11). Kreist dann die Erde immer noch um die Sonne?
Erstaunlich fand ich die Feststellung des Autors, dass sich die Gräuel der Hölle im zeitlichen Verlauf steigern („immer weiter bergab”, S. 52). Im Anhang spricht er sich auch für unterschiedliche Härtegrade der Qualen innerhalb der Hölle aus (S. 87-88). Freilich wird die diachrone Steigerung – wie so vieles – nicht begründet. Eine ewige Steigerung ist nur schwer vorstellbar; die recht diesseitige Kategorie „Zeit” scheint für die Ewigkeit auch unangebracht.
Eine ähnlich diachrone Absurdität ist der ewige Zersetzungsprozess in der Hölle (S. 63).
Für HWD brennt in der Hölle ein buchstäbliches Feuer (S. 53, S. 64, S. 66).
Da freilich verläßt den Autor seine Bibelkenntnis, wenn er resignierend feststellt, wir wüßten nicht, wie heiß das Höllenfeuer sein wird (S. 55). Dabei ist das Höllenfeuer doch „der See von brennendem Schwefel” (Offenbarung 21,8). Diese Bibelstelle zitiert HWD mehrfach ohne den  Schluss zu ziehen: Bei 444,6 Grad Celsius geht Schwefel vom flüssigen in den gasförmigen Zustand über. Das höllische Fuer muss also unter 444,6 Grad liegen. Im Himmel ist es heißer, vergleiche "Temperaturanalyse von Himmel und Hölle", Hölle Links.
Zur Höllenvorstellung des Autors gehört auch die wichtige Frage: Wer kommt in die Hölle? Sie behandelt HWD im letzten, dem 5. Kapitel.
Dazu werden noch erstaunlichere Thesen aufgestellt, als zur Frage, wie es in der Hölle sein wird.
Schon wer zum anderen „Du Narr” sagt, ist der Hölle verfallen (Mt 5,22). Das erscheint jedem als völlig ungerecht. Doch Gottes Taten müssen uns ja nicht einsichtig sein. Wer will ihm vorschreiben, was zu tun ist? Es kommt noch schlimmer.
Wer nie den richtigen Glauben an Jesus hatte, kommt nicht ins Reich Gottes (S. 59). Daran fällt auf, dass nicht entscheidend ist (wie ich noch im katholischen Religionsunterricht lernte), wie der Glaubens– und Sündenzustand zum Todeszeitpunkt ist. Das ist eine schlechte Nachricht für alle verstorbenen Föten, für alle Kinder, für alle fern von der Zivilisation: sie alle sind des Teufels, im wörtlichen Sinne.
An vielen Stellen betont HWD, dass es zur Antwort auf die Frage, ob man ewig Hosianna singt oder auf ewig im Schwefelsee schmort, nicht auf die guten Taten ankommt (z.B. S. 68). An mehreren Stellen wird das Gegenteil behauptet: (nur?) wer Buße tut, hat gute Chancen für den Himmel (S. 64). Das ist einer der zahlreichen Widersprüche im Werk (siehe Widersprüche).
Körperliche Auferstehung
Die körperliche Auferstehung passt in die  anthropomorphe Vorstellungwelt des Autors. Schon Xenophanes von Kolophon (Hölle Links) spottete über die  anthropomorphe Gottesvorstellung der Griechen. Dabei begibt sich die naive Vorstellung der  körperlichen Auferstehung gleich mehrfach aufs Glatteis:
Welcher meiner Millionen verschiedener Körper wird dabei verwendet? Und warum gerade dieser? Da viele Moleküle im Laufe der Menschheitsgeschichte in unterschiedlichen Körpern Verwendung finden ist die körperliche Auferstehung wohl eher reine anthropomorphe Fiktion.
Oder erhält gar jeder einen völlig neuen Körper? All diese Fragen kümmern den Autor nicht.
Im eigenen Weltbild gefangen
Durch sein Weltbild sind HWD enge Grenzen gesetzt über die er nicht hinaus kann. Sachliche Nüchternheit wird vermisst. Seit Jahrhunderten wird über die korrekte Bibelauslegung diskutiert, die durch verschiedene Originalsprachen und schlechte Quellenlage erschwert wird. Über die richtige Glaubensausübung wird noch länger gestritten, oft bis zum Krieg und Vernichtung der Andersdenkenden. Da ist es geradezu lächerlich, wenn HWD meint, das NT gibt „restlose Klarheit” und ihre Aussagen seien „über jeden Zweifel erhaben” (S. 47). Beides ist gründlich falsch.
Kaum ausreichende Begründungen
Vieles im Text bleibt unbegründet.
  • Angesichts der Höllenverheißung ist HWDs These: „In jeder Sekunde gibt es Myriaden von Gründen dankbar zu sein für das, was wir von ihm unverdient empfangen” (S. 23) begründungsbedürftig. Oh wenn er nur einen der Myriaden Gründe nennen würde. Nach allem was ich bei HWD las, ist das Leben ein Tauschgeschäft. Gott gab es und knüpfte daran zahlreiche Erwartungen, z.B. Gottesfurcht. Dem freilich widerspricht These, „Was kann man tun, um der Hölle zu entgehen? Nichts” (S. 77). Siehe den folgenden Abschnitt:
    Hölle Widersprüche zuhauf.
  • Bemerkenswert ist dabei eine im Christentum durchgehende Haltung: für Gutes, ja schon allein fürs Leben, mag es noch so leidvoll und bitter sein, hat man Gott dankbar zu sein (es ist unverdient), für diesseitige und jenseitige Qualen ist man selbst verantwortlich.
  • Die Höllenstrafe ist absolut gerecht (S. 29). Dabei hat niemand darum gebeten ins Leben geworfen zu werden. Was an der ewiger Höllenqual für eine Augenblicksverfehlung gerecht sein soll, erklärt der Autor nicht.
  • Adam war mit dem perfekten Sprachverständnis geschaffen (S. 32). Das habe ich noch in keiner Bibelübersetzung gelesen. In welcher Sprache unterhielt er sich mit wem?
  • Der Zornes–, Rache– und Mördergott des AT (der nach HWD auch im NT nicht anders ist) verdient es verabscheut, keinesfalls aber geliebt zu werden. Der Autor konstatiert das Gegenteil ohne jede Begründung (S. 75).
  • Wann immer in der Bibel vom ewigen Feuer die Rede ist (z.B. Mt 25,41) bezieht es HWD auf die Hölle. Dabei vergisst er völlig: „Gott ist ein verzehrendes Feuer” (Hebräer 12,29), das er selsbt auf S. 84 zitiert.
Flugs wird zusammenfasst, was der Text nicht hergibt.
  • Die anderen Höllenvorstellungen („außer– und unbiblischen und mittelalterlichen Phantasien”) sind falsch.
  • Die modernen theologischen Interpretationen sind falsch (S. 30).
  • Warum genau seine Lesart richtig ist begründet HWD nicht. All die verworfenen Vorstellungen berufen sich meist auf dieselben Bibeltexte.
Widersprüche zuhauf
HWD beruft sich gerne allein auf die Bibel ohne deren Widersprüchlichkeiten (wenn vielleicht auch nur aufgrund HWDs Interpretation) zu merken oder sie geflissentlich überlesend.
  • Adam sollte an dem Tag (!) an dem er von der verbotenen Frucht isst, sterben (S. 32). Er isst, stirbt aber nicht an jenem Tag:  Kain, Abel und Set all ihre Nachkommen hätte es nie gegeben. HWD widerspricht dem selbst, denn Adam wurde laut seinem Text von einem Tag auf den anderen zum Vagabunden (S. 33). Daran deutelt HWD freilich herum, denn bezüglich Adam präzisiert er, was er hier unter „Tod” versteht: „dauerhafte Verbannung von Gott” (S. 35). Doch selbst diese trat nicht ein, wie wir aus der nachfolgenden Geschichte um Kain und Abel wissen.
  • Sich auf die Bibel berufend (Offenbarung 14,11) gibt es in HWD anthropomorpher Höllenvorstellung in der Hölle „Tag und Nacht” (S. 29). Andrerseits zitiert er 1 Johannes 1,5, nach dem in der Hölle ewige Nacht sein wird (S. 60). Zugegeben, zwischen den beiden, sich widersprechenden Behauptungen Deppes liegen über 30 Seiten. Da kann schon mal was vergessen.
  • „Gott fällt nicht mit der Tür ins Haus, sondern baut die Erkenntnis über die Konsequenz der Sünde systematisch Stück für Stück auf” (S. 45). Da musste ich schnell das zuvor Gelesene über Adam und Eva (S. 32) vergessen. Schon kurz nach ihrer Erschaffung kam Gott mit dem Verbot: „vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse darfst du nicht essen; denn sobald du davon isst, wirst du sterben.” 1 Genesis 2,17.
  • Nebenbemerkung: Völlig unklar – um nicht zu sagen absurd – ist es hier, dass Adam und Eva noch keine  Erkenntnis von Gut und Böse hatten, aber zwischen Gut (Gebot einhalten) und Böse (Verbot beachten) unterscheiden mussten. Gott verlangte Unmögliches!
  • Widersprüche, die nicht in HWDs Weltbild passen übergeht er. So beruft er sich darauf, dass Gott kein Gott von Toten, sondern von Lebenden ist; denn für ihn sind alle lebendig (Lk 20,38; S. 37).
  • Nach Daniel 12,2 werden viele (!) aufwachen, entweder zum ewigen Leben oder zur ewigen Schmach. Was ist mit den anderen, die nicht unter den Vielen sind?
  • Eine häufige These HWDs ist, dass es für Gott keine Aufrechnung von guten und bösen Taten des Menschen gibt. Dem widerspricht: „Denn Gott wird jedes Tun vor das Gericht bringen, das über alles Verborgene urteilt, es sei gut oder böse” (Prediger = Ecclesiastes 12, 14), das HWD selbst zitiert (S. 40). Die „sachliche Nüchternheit” (S. 8) des Autors schlief da gerade.
  • So weit ich sehe hat der Autor nirgends berücksichtigt: „Denn wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde.” Römer 6,7 und das Folgende „Denn der Lohn der Sünde ist der Tod” (Römer 6,23). Diese zu vielem in HWDs Werk widersprüchliche Aussagen fehlen auch im angehängten Bibelstellenverzeichnis.
  • Mehrfach betont HWD, dass man sich nicht durch guten Taten den Himmel verdienen kann (S. 68, S. 72). Dem widerspricht, dass die Toten nach ihren Werken gerichtet werden (Offenbarung, 20,12; S. 73). Dazu passt auch nicht, dass die Taten völlig objektiv und wahrheitsgetreu in den Büchern aufgeschrieben sind, und dass Gericht gehalten wird über diese Taten (S. 75). Und: jeder wird gemäßt seinen Taten gerichtet (S. 76). Wieder versagte Deppes sachliche Nüchternheit. Er registrierte die Widersprüche nicht. Oder zählen nur die bösen Taten? Dann ist für nahezu alle Menschen eh schon alles zu spät.
Was HWD tadelt, bringt er oft selbst:
  • Er tadelt Theologen, weil sie den Höllentod als Trennung von Gott bezeichnen (S. 20; das ist ihm offensichtlich zu harmlos und verdrängend) und konstatiert später dasselbe, eine „dauerhafte Verbannung von Gott” (S. 35).
  • Unter Hölle Höllenvorstellung des Autors gab ich schon eine weiteres Beispiel dazu bezüglich Ex-Kardinal Joachim Meisner.
Trotz der umfassenden Kritik las ich HWD: Wie wird es in der Hölle sein? aus mehreren Gründen mit Gewinn.
  • Es verdeutlicht, dass es immer noch Menschen gibt, die Aussagen in einem uralten zusammengestöpselten Sammelband für bare Münze nehmen, ihr Leben danach ausrichten und auch andere davon überzeugen wollen. (Manche gehen noch weiter und ermorden sich, weil sie die Apokalypse nahe wähnen.)
  • HWD zeigt zurecht, dass viele Christen die harten Stellen und Prophezeihungen der Bibel gerne verharmlosen oder überlesen. Er stellt sie ausdrücklich als wörtlich zutreffend dar und entwirft daraus ein schreckliches Gottesbild. Ob es stimmig ist, mögen andere entscheiden.
  • Das führt zum 3. Punkt: In den Web-Diskussionen zerfleischten sich die jeweiligen Bibelausleger und kritisierten das Büchlein als „unbiblisch, widersprüchlich, einseitig”, „völliger Quatsch”. Sie begründeten das mit zahlreichen zu Deppes Bibelzitaten widersprüchlichen Bibelstellen. Damit werden aber Deppes Zitate nicht aufgehoben oder falsch. Sie stammen aus demselben Buch. Das alles zeigt nur: die Bibel ist ein widersprüchlicher Steinbruch, aus dem man nahezu alles entnehmen kann.
Von der Existenz der Hölle überzeugte mich HWD keineswegs. Der biblische Gott wird in Deppes Auslegung vielleicht konformer mit der Bibel (als im gegenwärtigen Gottesbild in der christlichen Öffentlichkeit), aber keinesfalls ansprechend.
Wer sich möglichst schnell vom Christentum abwenden will, dem empfehle ich die aufmerksame Lektüre der Bibel oder – bedeutend einfacher und schneller – von Wie wird es in der Hölle sein?
Links
Hölle Aberglaube auch heute noch weit verbreitet
HölleMercy Aiken: „Die Hölle unter Anklage“ 
HölleGary Amirault: „Bible Translations That Do Not Teach Eternal Torment”
HölleAnthropomorphismus
Hölle Gerhard Czermak: Problemfall Religion. Ein Kompendium der Religions- und Kirchenkritik
Hölle Gerhard Czermak: Religion und Weltanschauung in Gesellschaft und Recht. Ein Lexikon für Praxis und Wissenschaft
HölleSamuel G. Dawson: „Jesus‘ Teaching on Hell“
HölleAuszug: Hans-Werner Deppe Wie wird es in der Hölle sein? (pdf)
Hölle Das Fliegende Spaghettimonster
HölleHölle
Hölle Timothy Keller: The Reason for God: Belief in an Age of Skepticism
Hölle Literatur zu Religiöser Glaube und Vernunft 
HölleScheol
HölleTemperaturanalyse von Himmel und Hölle
HölleXenophanes von Kolophon (um 570 v. Chr. in Kolophon – um 470 v. Chr.) 
Literatur
Katholische Glaubensinformation, Hg.: Glaubensinformation. Ein Briefkurs über den katholischen Glauben. Frankfurt: Katholische Glaubensinformation, o.J.   Hölleonline
Seymour, Charles (1997): „On Choosing Hell”. Religious Studies 33, S. 249-266.
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Deppe HölleHans Werner Deppe: Wie wird es in der Hölle sein? Oerlinghausen: Betanien, 2005. Broschiert, 93 Seiten Deppe
Hans Werner Deppe, Peter Heinrich (Sprecher): Wie wird es in der Hölle sein? Betanien, 2009. MP3-CD (Laufzeit ca. 3:30 h) Hölle
Ergänzende Literatur
Czermak HölleGerhard Czermak: Problemfall Religion. Ein Kompendium der Religions- und Kirchenkritik. Marburg: Tectum, 2014. Gebunden, 476 Seiten Czermak
Gerhard Czermak: Religion und Weltanschauung in Gesellschaft und Recht. Ein Lexikon für Praxis und Wissenschaft. Aschaffenburg: Alibri, 2009. Gebunden, 400 Seiten Hölle
Hölle HölleDavid Hilborn, Hg.: Heißes Eisen Hölle: Biblische Leitlinien zu einem verdrängten Thema. Beate & Chris Maier, Übs. Gießen: Brunnen, 2011. Broschiert, 192 Seiten Hölle
David Hilborn, Hg.: Die Wirklichkeit der Hölle. Biblische Leitlinien zu einem verdrängten Thema. Gießen: Brunnen, 2004. Broschiert: 192 Seiten Hölle
Hölle HölleBernhard Lang: Himmel und Hölle: Jenseitsglaube von der Antike bis heute. München: C.H.Beck, 2009. Taschenbuch, 128 Seiten Hölle
Carsten Schmelzer: Hölle: Der Blick in den Abgrund. Brockhaus, 2012. Gebunden, 256 Seiten Hölle
Hölle Hölle Jörg Schneider: So komme ich in die Hölle: Ein Streifzug durch den Irrsinn der Religion. Ubooks/U-Line, 2013. Broschiert, 220 Seiten Hölle

Friedhelm Schneidewind:  Das Lexikon von Himmel und Hölle. Schwarzkopf & Schwarzkopf, 2000. Hölle
Hölle Hölle Herbert Vorgrimler: Geschichte der Hölle. München: Fink, 1994. Gebunden,  472 Seiten Hölle

A. Wayne: Hell and Eternity - It's all Greek to me. CreateSpace, 2012. Taschenbuch, 244 Seiten Hölle
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