Wenige waren es, die Hitler die
Gefolgschaft verweigerten. Der Allgäuer Bauernsohn Michael Lerpscher war einer von ihnen. Er starb
für seine Kriegsdienstverweigerung am 5. September 1940 im Zuchthaus
Brandenburg-Görden unterm Fallbeil des Henkers. Das kleine Büchlein
der Allgäuer Friedensfreunde Mader und Knab zeichnet sein kurzes Leben
unaufgeregt nach. Unaufgeregt, damit meine ich beispielsweise:
- "Wenn wir jene ehren, so möchten wir nicht diejenigen
verurteilen, die den grauen Soldatenrock trugen" (S. 10); wer es dennoch tut,
der lese bevor er urteilt:
Josef
Kurz: "Aber Du warst doch Soldat!" War ich nicht auch ein Christ?
- da wird ohne Seitenhiebe anerkannt, daß Lerpscher mit
lauter Zeugen Jehovas in der Zelle sitzt. Ihre Kirche hält sich ans
Fünfte Gebot und deren Mitglieder ebenfalls.
Siehe dazu
Todesurteile für
Verweigerer im Dritten Reich
- der religiöse Fanatismus Lerpschers wird geschildert; er
führte zu seiner konsequenten Haltung, ist aber dafür keine
notwendige Bedingung, wie man an
Franz
Jägerstätter sieht.
- Die nazi-treue Haltung der katholischen Kirche wird nicht
beschönigt. Bei Wehrkraftzersetzung (der Vorwurf, der zu Michael
Lerpschers Hinrichtung führte) begnadigte Hitler niemand; die
Kirchenführung unterstützte solche Gnadengesuche "auch auf
inständiges Drängen hin nie" (S. 62).
Die Einsicht Lerpschers bei allem religiösen
Fanatismus war: "Wer den Frieden will, muß die Ursache aller
Kriege schon im Allerkleinsten bekämpfen: Das Haben-Wollen" (S. 49).
Wie stand die katholische Kirche zur Kriegsdienstverweigerung?
- Bischöfe und Priester befürworteten den
Kriegsdienst (S. 54).
- Ein Pfarrer predigte: "Christus ist unsere Religion
Hitler unsere Politik" (S. 58).
- Der päpstliche Nuntius Cesare
Orsenigo nahm jahrelang am Neujahrsempfang Adolf Hitlers teil und wünschte ihm ein langes
Leben (S. 54).
- Cesare Orsenigo zu im KZ gefangene Priester: "Märtyrer
ihrer eigenen Dummheit" (S. 54).
- Die zweifelhafte Haltung des Erzbischofs Michael Faulhaber ist bekannt, siehe
Michael Faulhaber und der
Nationalsozialismus
Reichhold, Anselm: Kardinal Faulhaber
- Dr. Ferdinand Pawlikowski, Fürstbischof von Graz-Seckau
wies jeglische Kritik am Militär zurück (S. 54)
Am Ende stellen die Autoren fest: die meisten in Deutschland
verachten Leute, "die neben der Nation hertrotten, ohne deren Ruhm mit der
Waffe in der Hand zu vergrößern" (S. 73). Während in der DDR
des Widerständler Lerpscher ehrend gedacht wurde, stehen dem in der
Bundesrepublik die vielen C-Abgeordneten entgegen, die in solcher Ehrung immer
noch eine Diffamierung der kämpfenden Truppe sehen. |