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Mader Knab
Mader, Ernst T.; Knab, Jakob: Das Lächeln des Esels
Das Leben und die Hinrichtung des Allgäuer Bauernsohnes Michael Lerpscher (1905 - 1940). Blöcktach: Verlag an der Säge, 1987. 96 Seiten. Mit einer Einleitung von Gordon C. Zahn und einem Nachwort von Inge Aicher-Scholl
mader Linksmader Literatur
Wenige waren es, die Hitler die Gefolgschaft verweigerten. Der Allgäuer Bauernsohn Michael Lerpscher war einer von ihnen. Er starb für seine Kriegsdienstverweigerung am 5. September 1940 im Zuchthaus Brandenburg-Görden unterm Fallbeil des Henkers. Das kleine Büchlein der Allgäuer Friedensfreunde Mader und Knab zeichnet sein kurzes Leben unaufgeregt nach.
Unaufgeregt, damit meine ich beispielsweise:
  • "Wenn wir jene ehren, so möchten wir nicht diejenigen verurteilen, die den grauen Soldatenrock trugen" (S. 10); wer es dennoch tut, der lese bevor er urteilt: kurz Josef Kurz: "Aber Du warst doch Soldat!" War ich nicht auch ein Christ?
  • da wird ohne Seitenhiebe anerkannt, daß Lerpscher mit lauter Zeugen Jehovas in der Zelle sitzt. Ihre Kirche hält sich ans Fünfte Gebot und deren Mitglieder ebenfalls.
    Siehe dazu todesurteile Todesurteile für Verweigerer im Dritten Reich
  • der religiöse Fanatismus Lerpschers wird geschildert; er führte zu seiner konsequenten Haltung, ist aber dafür keine notwendige Bedingung, wie man an mader Franz Jägerstätter sieht.
  • Die nazi-treue Haltung der katholischen Kirche wird nicht beschönigt. Bei Wehrkraftzersetzung (der Vorwurf, der zu Michael Lerpschers Hinrichtung führte) begnadigte Hitler niemand; die Kirchenführung unterstützte solche Gnadengesuche "auch auf inständiges Drängen hin nie" (S. 62).
Die Einsicht Lerpschers – bei allem religiösen Fanatismus – war: "Wer den Frieden will, muß die Ursache aller Kriege schon im Allerkleinsten bekämpfen: Das Haben-Wollen" (S. 49).
Wie stand die katholische Kirche zur Kriegsdienstverweigerung?
  • Bischöfe und Priester befürworteten den Kriegsdienst (S. 54).
  • Ein Pfarrer predigte: "Christus ist unsere Religion – Hitler unsere Politik" (S. 58).
  • Der päpstliche Nuntius Cesare Orsenigo nahm jahrelang am Neujahrsempfang Adolf Hitlers teil und wünschte ihm ein langes Leben (S. 54).
  • Cesare Orsenigo zu im KZ gefangene Priester: "Märtyrer ihrer eigenen Dummheit" (S. 54).
  • Die zweifelhafte Haltung des Erzbischofs Michael Faulhaber ist bekannt, siehe
    faulhaber Michael Faulhaber und der Nationalsozialismuswiderstand Reichhold, Anselm: Kardinal Faulhaber
  • Dr. Ferdinand Pawlikowski, Fürstbischof von Graz-Seckau wies jeglische Kritik am Militär zurück (S. 54)
Am Ende stellen die Autoren fest: die meisten in Deutschland verachten Leute, "die neben der Nation hertrotten, ohne deren Ruhm mit der Waffe in der Hand zu vergrößern" (S. 73). Während in der DDR des Widerständler Lerpscher ehrend gedacht wurde, stehen dem in der Bundesrepublik die vielen C-Abgeordneten entgegen, die in solcher Ehrung immer noch eine Diffamierung der kämpfenden Truppe sehen.
Links
LerpscherGestorben unter dem Fallbeil der Nazi-Henker
Rezension: widerstand Inge Scholl: Die Weiße Rose
widerstand Widerstand im Dritten Reich
Literatur
maderMader, Ernst T.: "Der einsame Weg". Die Zeit, 24.05.2006
derzeit (8/2004) vergriffen:
Mader, Ernst T.; Knab, Jakob: Das Lächeln des Esels. Das Leben und die Hinrichtung des Allgäuer Bauernsohnes Michael Lerpscher (1905 - 1940). Blöcktach (Verlag an der Säge) 1987. 96 Seiten
Knab, Jakob: "Katholische Kriegsdienstverweigerer unter Hitler. Unbequeme Märtyrer". Publik-Forum 22, 1986, S. 37-40
Zahn, Gordon Charles: Die deutschen Katholiken und Hitlers Kriege. Styria, 1965. 299 Seiten. Elisabeth Schmitz, Übs.

Mader Knab
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 25.5.2006