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Loewy Sarkowicz Mentzer
Ernst Loewy: Literatur unterm Hakenkreuz. Das Dritte Reich und seine Dichtung. Eine Dokumentation. Frankfurt am Main: Europäische Verlagsanstalt, 1966. Gebunden, 365 Seiten
Hans Sarkowicz, Alf Mentzer: Literatur in Nazi- Deutschland. Ein biografisches Lexikon
Hamburg: Europa, 2002. Gebunden, 439 Seiten
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Die zwei ganz verschiedenen Werke eignen sich trotzdem für eine gemeinsame Rezension. Es wird sich zeigen, daß beide Werke ihre Vorzüge haben; das biografische Lexikon von Sarkowicz und Mentzer nicht zuletzt den, daß es im Handel verfügbar ist.
Zwanzig Jahre ("schon" nach heutiger Sicht; "erst" von 1966 aus gesehen) nach Kriegsende brachte Ernst Loewy seine Dokumentation zur Literatur im Dritten Reich heraus. Sie will verdeutlichen, daß der Nationalsozialismus keineswegs ein peinlicher Unfall der deutschen Geschichte war. "Der Ungeist wurde weder mit der »Machtübernahme« der Nationalsozialisten geboren, noch verschwand er mit dem unseligen Ende des »Tausendjährigen Reiches«" (Loewy S. 12). Dazu zeigt Loewy, daß es bereits lange vor 1933 deutsche, nationalsozialistische Literatur gab und er zeigt auch, daß nach 1945 einige Nazi-Literaten ungehindert weiter publizierten. Den Begriff Nazi-Schrifttum legt er nicht eng aus. Krude Blut- und Bodenliteratur erkennt jeder, schwieriger ist es, verborgene Tendenzen wahrzunehmen. "Aus dem Besitz oder Nichtbesitz des Parteiabzeichens allein lassen sich keine Schlüsse ziehen", meint der Autor (Loewy S. 15). Im einleitenden Essay beleuchtet Loewy den Begriff der "Inneren Emigration", der von vielen, in Deutschland verbliebenen Autoren in Anspruch genommen wurde. Wenn damit Protest verbunden sein sollte, so war er bestenfalls wirkungslos. Selbst wenn man einigen dieser Autoren die innere Emigration abnimmt, bleibt die Frage, wem sie damit den größeren Dienst erwiesen haben: ihrem Gewissen oder der Tyrannerei. Dieser Einleitung folgen im ersten Hauptteil Textauszüge der Autoren und im zweiten Haupttteil Biografien. Loewy nahm nur Autoren auf, die auch nach 1945 noch in die gängigen Literaturgeschichten aufgenommen wurden.
Um es vorweg zu nehmen: Das Lexikon von Sarkowicz und Mentzer ist eine gute Ergänzung, ja mehr, wenn man nur ein Werk durcharbeiten will, ist es vorzuziehen.
Wie der Titel sagt, ist es ein biografisches Lexikon; Textauszüge, wie bei Loewy, fehlen. Ähnlich wie Loewy plädieren auch Sarkowicz und Mentzer in der Einleitung für ein differenziertes Bild. Ein konservativer Schriftsteller der Weimarer Republik, der vielleicht sogar noch Hitlers Erfolg begrüßt hat, ist nicht automatisch als Nazi-Literat einzuordnen. Man muß Fehleinschätzungen zubilligen, wenn sie denn rechtzeitig erkannt werden. Eine weitere Stufe ist die nicht rechtzeitige Einsicht, wenn sie denn überhaupt geschah. Doch viele Autoren verniedlichten ihre Parteilichkeit oder verweigerten die Korrektur. Die "Innere Emigration" wird in diesem Band ebenfalls beleuchtet. Zugebilligt wird sie auf alle Fälle den Daheimgebliebenen Werner Bergengruen, Ricarda Huch, Elisabeth Langgässer, Oskar Loerke und Erich Kästner (Sarkowicz S. 6). Wie Loewy suche auch hier die Autoren eine Antwort auf die Frage, welchen Beitrag die sogenannte unpolitische Literatur zur Akzeptanz der Nazi-Herrschaft leisteten. Jeder Schriftsteller muß daher individuell eingeordnet werden. Der Mythos der Stunde Null, den mir schon die Lektüre von Hans Dieter Schäfer: Das gespaltene Bewußtsein (loewy Rezension) ausgeredet hatte, wird auch hier demontiert. Den literarischen Kanon bis hinein in die Schullektüre bestimmten die Autoren, die als Vertreter der Inneren Emigration angesehen wurden: Werner Bergengruen, Hans Carossa, Kasimir Edschmid, Rudolf Alexander Schröder, Elisabeth Langgässer und Ina Seidel. Demgegenüber wurden die Emigranten (Thomas Mann, Bertolt Brecht, Lion Feuchtwanger) nach 1945 vernachlässigt.
Der biografische Teil ist pro Autor erfreulich ausführlich. Die verlangte Analyse jeden Schriftstellers muß der Leser selbst leisten, da hier ein breites biografische Spektrum abgedeckt wird. Dazu geben Sarkowicz und Mentzer zu jedem Autor Primär- und Sekundärliteratur an; außerdem Literaturhinweise am Ende des Lexikonteils und einen Personenindex. Trotzdem gibt es bei Loewy Autoren, die hier nicht erwähnt sind. Deshalb mein Rat: am besten beide Werke konsultieren. Wenn man sich für eines entscheiden muß, dann sollte es Literatur in Nazi- Deutschland sein.
Autoren
Ernst Loewy;1920 Krefeld – 17.9.2002 Frankfurt am Main; Literaturwissenschaftler, Medienhistoriker, Exilforscher
Alf Mentzer; Moderator beim Hessischen Rundfunk
Hans Sarkowicz; * 1955, Leiter des Bereichs Kultur und Wissenschaft beim Hessischen Rundfunk
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Links
JöstErhard Jöst: Schreiben in schwierigen Zeiten. Hans Sarkowicz und Alf Mentzer stellen Schriftsteller im Nationalsozialismus vor, Literaturkritik, 13.07.2011
Literatur
Derzeit (11/2004) nur antiquarisch):
Ernst Loewy: Literatur unterm Hakenkreuz. Das Dritte Reich und seine Dichtung. Eine Dokumentation. Beltz Athenäum, 1990. Broschiert, 330 Seiten
Ernst Loewy: Literatur unterm Hakenkreuz. Das Dritte Reich und seine Dichtung. Eine Dokumentation. Frankfurt am Main: Fischer, 1989. Broschiert, 3. Aufl.
Ernst Loewy: Literatur unterm Hakenkreuz. Das Dritte Reich und seine Dichtung. Eine Dokumentation. Frankfurt am Main: Europäische Verlagsanstalt, 1966. Gebunden, 365 Seiten
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Sarkowicz SarkowiczHans Sarkowicz, Alf Mentzer: Literatur in Nazi- Deutschland. Ein biografisches Lexikon. Hamburg: Europa, 2002. Taschenbuch, 381 Seiten. Erweiterte und überarbeitete Neuausgabe. Sarkowicz
Hans Sarkowicz, Alf Mentzer: Literatur in Nazi- Deutschland. Ein biografisches Lexikon. Hamburg: Europa, 2002. Gebunden, 439 Seiten. Erweiterte und überarbeitete Neuausgabe. Mentzer
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sarkowicz Schäfer, Hans Dieter: Das gespaltene Bewußtsein. Über deutsche Kultur und Lebenswirklichkeit 1933 bis 1945. München: Hanser, 1981. 254 Seiten
schäfer Wall, Renate: Verbrannt, verboten, vergessen. Kleines Lexikon deutschsprachiger Schriftstellerinnen 1933 bis 1945. Köln: Pahl-Rugenstein, 1988. 232 Seiten
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