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Schwerdt
Otto Schwerdt, Mascha Schwerdt-Schneller: Als Gott und die Welt schliefen
Viechtach: Lichtung, 1998. Broschiert, 111 Seiten
Otto Schwerdt wurde 1923 in Braunschweig geboren. Zusammen mit seiner Tochter beschreibt er hier seine Lebensgeschichte bis zur Befreiung 1945.
Seine Familie entzieht sich der Judenfeindlichkeit in Deutschland durch die Flucht nach Polen. Die Eltern Ottos und seiner Geschwister Meta und Siegfried stammen dorther. Die Jahre bis zum Angriff der Deutschen auf Polen (aber auch noch danach) lassen begreifen, wie die allmähliche Einengung, einhergehend mit immer schärferen Verboten, die Juden in die Katastrophe schlittern läßt. Es gibt kaum einen Zeitpunkt, wo man sagen kann: Jetzt nichts wie weg! Sobald diese Devise auch für die durchschnittlichen jüdischen Bürger klar wird, ist es schon zu spät.
Die Familie Schwerdt gerät in verschiedene Ghettos. 1943 werden die Familenmitglieder ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Nach drei Monaten kommen Otto Schwerdt und sein Vater ins Arbeitslager Fünfteichen. Nur die beiden überleben die Jahre des Irrsinns. Die Mutter, die Schwester und der Bruder werden ermordet.
Trotzdem ich schon viele dokumentarische Bücher über diese Zeit gelesen habe, wurde Als Gott und die Welt schliefen besonders ab 1939 erneut eindringlich und erschütternd. Neben vielen anderen Aspekten dieser Zeit machte mir das Buch deutlich, wie die Verrohung und Abstumpfung bei den Tätern und Opfern sich wie eine Krankeit langsam ausbreitete (S. 75; vergleiche camus Albert Camus: Die Pest). Nicht beantworten konnte dieses Buch die Fragen der beiden Schwerdts zu den Peinigern:
"Was fühlen diese Menschen? Fühlen sie überhaupt etwas? Aber sie müssen doch träumen? Wenn sich nachts ihr Gewissen rührt schrecken sie dann auf und fühlen sich schuldig? Ich möchte es wissen." S. 81. Ja, man möchte es wissen. Eine Antwort kennen wohl – wenn überhaupt – nur Psychiater und Forensiker.
1954 kehrte Otto Schwerdt aus Israel nach Regensburg zurück.
Ein Detail fällt mir jetzt bei der Formulierung dieser Besprechung auf. Die Brüder Otto (geboren 3. Januar 1923) und Siegfried ("Sigi", geboren 31. Dezember) tragen wohl deutsche Namen schlechthin.
Horaz meinte in De arte poetica: "Manchmal schläft selbst Homer". horaz Zitate Horaz. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts schliefen allerdings viele Menschen recht tief, schlimmer: sie waren wach und schliefen trotzdem. Als Gott und die Welt schliefen ist zur Lektüre bestens zu empfehlen!
Zum Lesen ausserdem empfohlen: Schwerdt Thomas Toivi Blatt: Nur die Schatten bleiben
Siehe auch: Schwerdt Literatur zu Vernichtungskrieg und Völkermord
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schwerdt blablaOtto Schwerdt, Mascha Schwerdt-Schneller: Als Gott und die Welt schliefen. Viechtach: Lichtung, 1998. Broschiert, 111 Seiten

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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 18.12.2004