| Nico Rost: Goethe in Dachau. Ein
Tagebuch München: List, 2001. Broschiert, 440 Seiten. Hg. Wilfried F. Schoeller. Aus dem Niederländischen von Edith Rost-Blumberg Links Literatur Friedrich Reck-Malleczewen Zitate Nico Rost Franz Grillparzer zu Johann Gottfried Seume |
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Tagebücher lese ich nicht gerne.
Entweder es sind echte, dann sind sie privat und ihre Veröffentlichung
eigentlich ein Vertrauensbruch, oder sie wurden schon mit Blick auf
Veröffentlichung geschrieben, dann suggerieren sie nur falsche Privatheit.
Nico Rosts tagebuchartigen Aufzeichnungen im KZ Dachau auf alle
greifbaren Papiere festgehalten sind dokumentarisch und damit anders zu
bewerten. Ihr Untertitel (in meiner Ausgabe durch "Ein Tagebuch" ersetzt; kein
Sakrileg, aber nur weil Rosts Untertitel jemand zu sperrig war (S. 417)?)
"Literatur und Wirklichkeit" erläutert die im Titel "Goethe und Dachau"
zusammengeführten Bereiche. Wilfried F.
Schoellers Essay "Leben und Taten des Enthusiasten Nico Rost" (S.
403-441) wiederholt zwar vieles, was der Leser schon weiß, bringt aber
einiges auf den Punkt, wie diese Zusammenfassung des Buches:
Diese Aufzeichnungen beschreiben die Verhältnisse im KZ Dachau: jämmerliche Nahrung und hygienische Bedingungen, unzureichende medizinische Versorgung, Experimente der Mediziner am lebenden "Material", Unterdrückungssystem durch SS, Deutsche und Mithäftlinge. Da sich hier anscheinend besonders Polen auszeichnen, kommt es nach der Veröffentlichung in der DDR zu einer Kontroverse, die im Anhang gut dokumentiert ist. Rosts Aufzeichnungen beleuchten drei Aspekte:
Goethe, Herder, Schlegel, Grillparzer, Hölderlin, Stendhal, Racine, Jean Paul und Novalis lassen Rost überleben. Goethes "Feiger Gedanken" ( Auch wer schon viel zum Thema "Deutschland = Lagerland" ( |
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| Die besprochene
Ausgabe erhält einige offene Briefe und Materialien zur Aufnahme des Werks
in der DDR. Nico Rost wurde 1951 erneut von einem deutschen Staat verhaftet
(nein, nicht BRD, es war die DDR) und diesmal ausgewiesen. 1955 besichtigte er
das ehemalige KZ Dachau und war entsetzt. Der Essay "Ich war wieder in Dachau"
(S. 354-392) öffnet die Augen für einen verfehlten Umgang mit der
Geschichte im Nachkriegsdeutschland. Liest man diesen Aufsatz isoliert
mögen Rosts Einwände vielleicht überzogen sein, unmittelbar nach
der Lektüre des Tagebuchs wird man aber dem Ex-Häftling voll
zustimmen. "Doch die Autoritäten nicht nur der Stadt Dachau, nicht nur des Landes Bayern, sondern auch in Bonn verleugnen ja die Widerstandskämpfer aus den KZs, wollen ja nicht, daß deren Mut und Standhaftigkeit zum Vorbild werde im Kampf gegen die neue Aktivität der alten, verhängnisvollen faschistischen Elemente." S. 389. Dies gilt bis heute, 2005. Siehe |
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| Friedrich Reck-Malleczewen Merkwürdig ist Rost Begegnung mit Friedrich Reck-Malleczewen im KZ Dachau am 15. April 1945 (S. 279). Dieser stellt sich als "Friedrich" vor, kann also wohl nicht ein Verwandter des Schriftstellers sein. Nico Rost kommen zwar Bedenken gegen die Identität mit dem Schriftsteller (S. 281), doch daß es einen zweiten Friedrich diesen Namens gibt, der zudem ebenfalls, wie der Schriftsteller, im KZ Dachau ermordet wurde, ist unwahrscheinlich. Nach allen anderen Quellen wurde der Schriftsteller Friedrich Reck-Malleczewen am 9. Januar 1945 ins KZ Dachau gebracht und starb dort am 16. Februar 1945 am Fleckfieber. Siehe Hans Sarkowicz, Alf Mentzer: Literatur in Nazi- Deutschland. Ein biografisches Lexikon. S. 334-336, Der Schriftsteller Friedrich Reck-Malleczewen lebte ab 1913 in München, war recht erfolgreich und hatte bei Poing im Landkreis Ebersberg einen Gutsbesitz. Das passt zu dem, was er Nico Rost über sein großes Gut in der Nähe von Dachau erzählte (S. 280). |
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| Nico Rost: Goethe in Dachau.
Volk und Welt 2002, Gebunden, 464 Seiten. Hg. Wilfried F. Schoeller. Aus dem
Niederländischen von Edith Rost-Blumberg |
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