| Werkstatt für Gewaltfreie Aktion, Hg.:
Gewaltfrei gegen Hitler? Gewaltloser Widerstand gegen den Nationalsozialismus und seine Bedeutung für heute Karlsruhe: Eigenverlag, 2007 |
| Mit Beiträgen György Konrad, Christoph Besemer, Theodor Ebert, Andreas Buro, Arno Klöne, Dietmar Böhm, Jacques Sémelin, Thomas Seiterich, Renate Wanie |
| Wer noch einmal ein Gewehr in die
Hand nimmt, dem soll die Hand abfaulen! oder so ähnlich forderte
angeblich Franz Josef Strauß kurz
nach dem 2. Weltkrieg ( Im Gegensatz dazu wird die Bundeswehr seit Jahrzehnten stetig zur überall einsetzbaren Kriegsarmee umgebaut. Wir sind wieder wer und zeigen es durch vielfältige weltweite Kriegsbeteiligung ( Als Kriegsgegner hat man es schwer gegen die anscheinend notwendige militärische Befreiung vom Nationalsozialismus, Diktatur und Terror. Der vorliegende Band zeigt, dass
|
| Nachfolgend greife ich einige wenige, mir wichtig erscheinende Erkenntnisse der einzelnen Beiträge heraus. Das gibt man sollte dies beachten nur ausgewählte Aspekte der insgesamt gehaltvollen, teilweise explosiven Beiträge wider. |
| György Konrad |
| Falle: wenn man sich in den Dunstkries
judenfeindlicher Gemeinplätze begibt, gerät man eventuell "unter die
aktiven Befürworter oder nachträglichen Apologeten der
Endlösung" (S. 9). Siehe Martin Hohmann, unter
|
| Wenn man die Mehrheit vor einer
Minderheit schützen will, werden manche politische Phantasten zu einer
"Endlösung" kommen. "Wer sich einbildet, ohne die Existenz einer andderen
Gemeinschaft glücklicher zu sein, der beweisst seine geistig-seelische
Verwandtschaft mit den Kinderverbrennern" (S. 9). Thema:
Ausländer in Deutschland, siehe |
| Theodor Ebert |
| Nach der Wiedergabe seiner
Übersetzung des Essays von M. Gandhi: "How to Combat Hitlerism" wehrt sich
Ebert gegen das weit verbreitete Vorurteil: "Es ist nicht möglich, den 8.
Mai 1945 für einen tag der Befreiung zu halten, und gleichzeitig Pazifist
zu sein" (S. 19). Eberts Beitrag "Bonhoeffer und Gandhi", siehe unter |
| Andreas Buro, Arno Klönne |
| Die Autoren weisen darauf hin, dass die
Kriegsbefürworter immer aus einer bestimmten Situation heraus den krieg
für unausweichlich halten. Die Vorgeschichte wird ausgeblendet (S. 36).
Das ist richtig beobachtet, entkräftet jedoch nicht die Frage der
Kriegsbefürworter, was zu tun sei, wenn nun mal das Kind in den Brunnen
gefallen ist? Deutliche Worte finden sie gegen die christliche (augustinische) "Erfindung" des gerechten Kriegs (siehe Bellum Justum, |
| Ihr Fazit:
"Pazifisten meinen: Eines Tages werden Menschen nicht mehr verstehen, wieso ihre Vorfahren so töricht waren, sich in Kriegen gegenseitig umzubringen und global die Lebensgrundlagen zu zerstören" (S. 51) |
| Jacques Sémelin, Christoph Besemer |
| Die beiden Autoren Jacques Sémelin und Christoph Besemer zeigen in vielen Beispielen aus zahlreichen, von den Deutschen besetzten Ländern, wie Widerstand und Sand im Getriebe möglich war. Insbesondere beeindruckte mich, dass die Kirchen in anderen Ländern (Skandinavien, Belgien, Bulgarien) heftig protestierten und sich teilweise damit durchsetzten. In Deutschland waren sie dagegen von wenigen Ausnahmen abgesehen (Beseitigung von Behinderte, Abschaffung des Schulgebets) meist willfährige Helfer. |
| Ihr Fazit: Die These, dass ohne Waffen gegen Hitler nichts auszurichten war, ist haltlos (S. 81). |
| Dietmar Böhm |
| Dietmar Böhm greift das obige Fazit auf und fragt nach den Ursachen des Versagens aller relevanten gesellschaftlichen Kreise im damaligen Deutschland (S. 90). Hitler fürchtete anfangs den Widerstand der Kirchen, doch das Gegenteil war der Fall: der Vatikan schloß ein noch heute etwas verändert gültiges Konkordat. Die vereinzelten Widerständler werden als Märtyrer überhöht um das eigene Versagen herunter zu spielen. |
| Renate Wanie |
| Renate Wanie erklärt den Unterschied zwischen zivilem Ungehorsam und Zivilcourage (S. 112). Die Politiker fordern Zivilcourage immer wieder ein, doch die sie zeigen, sind oft die Dummen; siehe Zivilcourage in Bayern unter Links. Schon in der Schule wird das Gegenteil gelehrt: "Konformismus, Wegducken und Stillhalten" (S. 113). |
| Fazit Ein sehr gelungener Sammelband, der aufrüttelt, die Augen für neue Sichtweisen öffnet, eine Überfülle an konkreten Vorschlägen bringt und wahrscheinlich kaum gelesen wird. |
| Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg! |
| Nie wieder Faschismus! Nie wieder
Krieg! wird als "Buchenwald-Schwur" bezeichnet (S. 4). Der Slogan kommt
allerdings im
Inzwischen wurde der Kampfruf durch die Wortverdrehungen der Politiker (siehe Ein paar törichte Politikersprüche in die völlig falsche Richtung: Ich habe nicht nur gelernt: Nie wieder Krieg. Ich habe auch gelernt: Nie wieder Auschwitz. Joschka Fischer, Grüne, als Außenminister, 7. April 1999. Fischer benutzte diese Aussage als Rechtfertigung des Krieges in Ex-Jugoslawien. "Der Pazifismus der 30er Jahre, der sich in seiner gesinnungsethischen Begründung nur wenig von dem heutigen unterscheidet, was wir in der Begründung des heutigen Pazifismus zur Kenntnis zu nehmen haben, dieser Pazifismus der 30er Jahre hat Auschwitz erst möglich gemacht". Heiner Geißler, CDU, Bundestagsdebatte zum NATO-Doppelbeschluss am 15. Juni 1983 |
| Links |
| Weitere Besprechungen thematisch passender Bücher |
| Ergänzende Informationen |
| Zitate |
| Literatur |
| Wigbert Benz: "Alternativen zum Krieg. Ein Plädoyer für den unterschätzten zivilen Widerstand". Süddeutsche Zeitung, 8. April 2008 |
![]() |
Bestellung übers Internet |