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Brumlik
Micha Brumlik: Wer Sturm sät. Die Vertreibung der Deutschen
Berlin: Aufbau, 2005. Taschenbuch, 300 Seiten brumlik Linksbrumlik Literatur
Ausnahmsweise gibt einmal der Text auf der Rückseite des Buches den Inhalt besser wider als der Titel. Die Überschrift lautet dort: "Eine Streitschrift für eine verantwortungsvolle Erinnerungskultur".
Micha Brumlik fügt einigermaßen unterschiedliche Themen in sechs Kapitel zusammen.
• Das erste untersucht Flucht und Vertreibung am Ende des Zweiten Weltkriegs
Bemerkenswert darin ist Brumliks Antwort auf die Frage: Gan es eine Alternative zur Vertreibung der Sudetendeutschen? (S. 67ff) Sie lautet: wohl kaum.
Die »Charta der deutschen Heimatvertriebenen« von Stuttgart 1950 wird untersucht und die dort angelegten ungeheuerlichen Entgleisungen (Heimatvertriebene sind die "vom Leid dieser Zeit am schwersten Betroffenen") bloßgelegt.
• Das zweite Kapitel nimmt die Verbände der Heimatvertriebenen ins Visier, ihre Fähigkeit zur Trauer, ihre Wortwahl, ...
• Dem folgt ein kurzes drittes Kapitel mit einem Blick in die Literatur: brumlik Günter Grass: Im Krebsgang; William von Simpson: Die Barrings (es fehlt das empfehlenswerte: brumlik Siegfried von Vegesack: Die Baltische Tragödie); Hans Graf Lehndorff: Ostpreußisches Tagebuch – Aufzeichnungen eines Arztes aus den Jahren 1945-1947; Stefan Wackwitz: Ein unsichtbares Land; Uwe Timm: Am Beispiel meines Bruders; brumlik Christoph Hein: Landnahme; Hans Scholz: Am grünen Strand der Spree; Arno Schmidt: Die Umsiedler.
• Das vierte Kapitel widmet sich dem 20. Jahrhundert als jahrhundert von Völkermord und Vertreibung. es wird auch eine Abgrenzung der Begriffe, Genozid, Vertreibung, ethnische Säuberung usw. versucht; siehe dazu besonders Norman M. Naimark: Fires of Hatred. Ethnic Cleansing in Twentieth-Century Europe (brumlik Links).
• Im fünften Kapitel wird Brumlik dann wieder originell, da er das Thema des Zentrums gegen Vertreibungen behandelt. Wenn man bisher den offiziellen deutschen Verlautbarungen dazu Vertrauen schenkte, wird man hier für die Unter-und Hintertöne hellhörig gemacht. Brumlik plädiert dafür es keinesfalls in Berlin zu errichten, sondern in Lausanne. Meine gut begründeten Vorschläge sind, wenn schon in Deutschland, dann in München oder Zirndorf (brumlik Links).
• Das sechste Kapitel geht von der Frage aus: Wer war Siegfried Zoglmann? (S. 249; siehe brumlik Links). Dann wird vor allem die Politik um Israel und Palästina behandelt und mir war zunächst nicht ganz der Zusammenhang klar. Doch Brumlik gibt einen erhellenden Vergleich der vielen Ursachen für die dortige Siedlungs- und Vertreibungspolitik mit den Vertreibungen der Nazis und am Ende des Zweiten Weltkriegs. Da wird vieles allzu schnell in einen Topf geworfen.
Eine Hauptthese des Werks: sicher, die Vertreibung aus den deutschen Ostgebieten war eine harte Vergeltungsaktion, das Völkerrecht wurde dabei vielfach verletzt, doch die eigentlichen Ursachen war die NS-Politik, der von den Deutschen entfesselte Vernichtungskrieg und die Illoyalität der Sudeten in der Tschechoslowakei. Die Vertreibung wurde nicht von Polen, Russland und der Tschechoslowakei im Alleingang beschlossen, sondern mit England und den USA.
Das subtile revisionistische Verhalten vieler Verbandsfunktionäre, der Verbände selbst und zahlreicher deutscher Politiker wird aufgedeckt. Wenn seiten dieser Ansprüche gestellt werden (z.B. Aufhebung der Benes-Dekrete), dann muss weiter in die Geschichte zurückgegangen werden (z.B. Potsdamer und Münchner Abkommen) und die Ansprüche müssen sich die Bundesrepublik Deutschland richten, sowie auch Großbritannien, Rußland und die USA.
Gerade wenn man seit Jahrzehnten der einseitigen Darstellung des Vertriebenenproblems nach dem zweiten Weltkrieg ausgesetzt war, ist dieses Buch sehr erhellend und rückt einige historische Bezüge zurecht. Sehr empfehlenswert.
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Links
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Literatur
Bundeszentrale für politische Bildung, Hg. (2002): Tschechien. Informationen zur politischen Bildung 276. 50 Seiten
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