| Micha Brumlik: Wer Sturm sät.
Die Vertreibung der Deutschen Berlin: Aufbau, 2005. Taschenbuch, 300 Seiten |
| Ausnahmsweise gibt einmal der Text auf der Rückseite des Buches den Inhalt besser wider als der Titel. Die Überschrift lautet dort: "Eine Streitschrift für eine verantwortungsvolle Erinnerungskultur". |
| Micha Brumlik fügt
einigermaßen unterschiedliche Themen in sechs Kapitel zusammen.
Das erste untersucht Flucht und Vertreibung am Ende des Zweiten Weltkriegs Bemerkenswert darin ist Brumliks Antwort auf die Frage: Gan es eine Alternative zur Vertreibung der Sudetendeutschen? (S. 67ff) Sie lautet: wohl kaum. Die »Charta der deutschen Heimatvertriebenen« von Stuttgart 1950 wird untersucht und die dort angelegten ungeheuerlichen Entgleisungen (Heimatvertriebene sind die "vom Leid dieser Zeit am schwersten Betroffenen") bloßgelegt. Das zweite Kapitel nimmt die Verbände der Heimatvertriebenen ins Visier, ihre Fähigkeit zur Trauer, ihre Wortwahl, ... Dem folgt ein kurzes drittes Kapitel mit einem Blick in die Literatur: Das vierte Kapitel widmet sich dem 20. Jahrhundert als jahrhundert von Völkermord und Vertreibung. es wird auch eine Abgrenzung der Begriffe, Genozid, Vertreibung, ethnische Säuberung usw. versucht; siehe dazu besonders Norman M. Naimark: Fires of Hatred. Ethnic Cleansing in Twentieth-Century Europe ( Im fünften Kapitel wird Brumlik dann wieder originell, da er das Thema des Zentrums gegen Vertreibungen behandelt. Wenn man bisher den offiziellen deutschen Verlautbarungen dazu Vertrauen schenkte, wird man hier für die Unter-und Hintertöne hellhörig gemacht. Brumlik plädiert dafür es keinesfalls in Berlin zu errichten, sondern in Lausanne. Meine gut begründeten Vorschläge sind, wenn schon in Deutschland, dann in München oder Zirndorf ( Das sechste Kapitel geht von der Frage aus: Wer war Siegfried Zoglmann? (S. 249; siehe |
| Eine Hauptthese des Werks: sicher, die
Vertreibung aus den deutschen Ostgebieten war eine harte Vergeltungsaktion, das
Völkerrecht wurde dabei vielfach verletzt, doch die eigentlichen Ursachen
war die NS-Politik, der von den Deutschen entfesselte Vernichtungskrieg und die
Illoyalität der Sudeten in der Tschechoslowakei. Die Vertreibung wurde
nicht von Polen, Russland und der Tschechoslowakei im Alleingang beschlossen,
sondern mit England und den USA. Das subtile revisionistische Verhalten vieler Verbandsfunktionäre, der Verbände selbst und zahlreicher deutscher Politiker wird aufgedeckt. Wenn seiten dieser Ansprüche gestellt werden (z.B. Aufhebung der Benes-Dekrete), dann muss weiter in die Geschichte zurückgegangen werden (z.B. Potsdamer und Münchner Abkommen) und die Ansprüche müssen sich die Bundesrepublik Deutschland richten, sowie auch Großbritannien, Rußland und die USA. |
| Gerade wenn man seit Jahrzehnten der einseitigen Darstellung des Vertriebenenproblems nach dem zweiten Weltkrieg ausgesetzt war, ist dieses Buch sehr erhellend und rückt einige historische Bezüge zurecht. Sehr empfehlenswert. |
| Links |
| Wer Sturm
sät:
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| Literatur |
| Bundeszentrale für politische Bildung, Hg. (2002): Tschechien. Informationen zur politischen Bildung 276. 50 Seiten |
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