Email  zurück zur Homepage eine Stufe zurück
Schirach
Richard von Schirach:
Die Nacht der Physiker: Heisenberg, Hahn, Weizsäcker und die deutsche Bombe

Berlin: Berenberg, 2012. Gebunden, 272 Seiten – Atombombe LinksAtombombe Literatur
Bis in die letzten Kriegstage des 2. Weltkriegs und bei manchem darüber hinaus geisterte die Idee der deutschen Wunderwaffe umher. So wie Wernher von Braun für Adolf Hitler skrupelfrei die V-2-Rakete entwickelte und baute, so forschten Wissenschaftler an der Entwicklung an der Atombombe.
Von Schirach stellt die Physiker Werner Heisenberg und Carl Friedrich von Weizsäcker und den Chemiker Otto Hahn in den Mittelpunkt, beschäftigt sich aber auch mit anderen Forschern aus diesem Umkreis (»Uranverein«).  
Nach bahnbrechenden Entdeckungen der Physik in den ersten Jahrzehnten des 20. Jhdts. rückte der Bau einer vernichtenden Atombombe in den Bereich der Möglichkeiten. Im September 1939 sagten führende Physiker im Heereswaffenamt ihre Mitwirkung bei deren Entwicklung zu. Die deutschen Forscher stürzten sich auf die Entwicklung eines Uranreaktors.
Der Autor deckt die Fehler auf, die verhinderten, dass Deutschland in den Besitz der Wunderwaffe Atombombe kam. Sie lagen teilweise bei den Forschern, zum grossen Teil aber bei der verblendeten NS-Führung. Ideologische Ausgrenzung und Vernichtung hatten höchste Priorität.
Das Denken vom überlegenen Deutschen zeigt sich auch bei den Wissenschaftlern: sie waren felsenfest der Ansicht, nur sie wären in der Lage solch eine Bombe zu bauen. Dass die Amerikaner sehr viel weiter waren merkten sie erst nach Kriegsende. Damit brach auch die Illusion zusammen, die Amerikaner würden sich um ihr Know-how und ihre Mitarbeit reißen.
Gelegentlich entsteht der Eindruck, dass (manche) deutsche Forscher darauf aus waren, die Entwicklung zu verzögern. Durch die zeitlichen Sprünge ist nicht immer klar, ob das ex posteriori geurteilt ist – zur eigenen Rechtfertigung und Reinwaschung –, so wenn Heisenberg bekennt: „Wir hatten nicht den moralischen Mut gehabt, im Frühjahr 1942 der Regierung vorzuschlagen, nur für den Aufbau 120 000 Mann einzustellen” (S. 194).
Der heute heiß diskutierte  Besuch von Heisenberg und Weizsäcker bei Niels Bohr  im Jahr 1941 wird leider nur kurz im Epilog erwähnt.
Bei mir entstand der Eindruck: die deutschen Forscher wollten und hofften bis ins Frühjahr 1945 den kriegswichtigen Erfolg zu erzielen.
Ähnlich wie den sowjetischen Zwangsarbeitern bei deren Rückkehr in die Sowjetunion ging es den deutschen Forschern bei ihrer Heimkehr ins Nachkriegsdeutschland. Sie wurden als Verräter diffamiert, das ging so weit, dass Hahns Nobelpreis 1945 als Judaslohn für den Geheimnisverrat angesehen wurde (S. 240-241).
Man merkt, dass Richard von Schirach tief in die verfügbaren Quellen eingestiegen ist und auch die Abhörprotokolle von Farm Hall ausgewertet hat.
Die häufigen zeitlichen Sprünge verwirren. Bei Romanen mag dies ein wesentliches Stilelement sein, hier scheint es mir unpassend.
Leser erfahren
  • Fundiertes über die Entwicklung der Atombombe in Deutschland und den USA
  • Einzelheiten zum Abwurf der Bomben auf Hiroshima und Nagasaki 
  • das Schicksal der beteiligten Forscher, auch nach Kriegsende
  • Wissenswertes aus der Wissenschaftsgeschichte in der ersten Häfte des 20. Jhdts.
Alle daran Interessierten werden den gut aufbereiteten romanartigen Bericht mit Gewinn lesen.
Links
Schirach@ Berenberg Verlag
SchirachUwe Stolzmann: Gewissenlose Gelehrte, DLF, 28.11.2012
SchirachBuch der Woche: Die Nacht der Physiker, Der Freitag, mit zahlreichen Videos
SchirachHeisenberg und die Atombombe – Richard von Schirach beschreibt die «Nacht der Physiker», NZZ, 30. Januar 2013
SchirachVorgeblättert: Richard von Schirach: Die Nacht der Physiker, Perlentaucher
SchirachOliver Pfohlmann: Letzte Selbsttäuschungen. Heisenberg und die Atombombe: Richard von Schirach erzählt von der „Nacht der Physiker“ im englischen Farm Hall, Literaturkritik
Literatur
Bei Amazon nachschauen   Bei Amazon nachschauen
Schirach SchirachRichard von Schirach: Die Nacht der Physiker: Heisenberg, Hahn, Weizsäcker und die deutsche Bombe. Berlin: Berenberg, 2012. Gebunden, 272 Seiten Mania
Hubert Mania: Kettenreaktion: Die Geschichte der Atombombe. Berlin: Rowohlt, 2010. Gebunden, 352 Seiten Schirach
Atombombe Anfang

Schirach
Email  zurück zur Homepage eine Stufe zurück
© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 30.7.2013