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Displaced Persons
Angelika Königseder, Juliane Wetzel:
Lebensmut im Wartesaal. Die jüdischen DPs (Displaced Persons) im Nachkriegsdeutschland

Frankfurt am Main: Fischer, 2004. Taschenbuch, 277 Seiten – DPs LinksDPs Literatur
Der Sammelbegriff der Displaced Persons (kurz: DPs) „umfasste all jene Personen, die infolge des Zweiten Weltkriegs aus ihrer Heimat durch Kriegseinwirkungen und deren Folgen vertrieben, geflohen oder verschleppt worden waren” (S. 7). Dazu zählten Zwangsarbeiter, KZ-Häftlinge, Kriegsgefangene und Osteuropäer.
Die Situation der DPs wird in Lebensmut im Wartesaal beschrieben. Wartesaal deshalb, weil die allermeisten DPs von Deutschland wegkommen wollten.
Nicht unter den Begriff DPs fielen die Millionen deutsche Flüchtlinge und Vertriebene. Nicht zum Thema des Buchs gehören auch die überlebenden deutschen Juden und neu entstandenen jüdischen Gemeinden.
Ein Ziel des Buchs ist es zu zeigen, dass die Leiden der überlebenden Juden nach der Befreiung keine Ende gefunden haben (S. 11). Dieses Ziel wird voll erreicht.  Die jüdischen DPs wurden gemeinsam mit den nicht-jüdischen DPs in Lager gesteckt. Da der Antisemitismus im Mai 1945 nicht abrupt aufhörte, wurden die jüdischen DPs erneut Opfer. Ein krasses Beispiel: ein polnisch-jüdisches Paar hatte in einer Partisanengruppe überlebt und kehrte in ihre Heimatstadt zurück. Dort stellten sie fest, dass von 1600 jüdischen Familien ganze sechs noch in der Stadt lebten. In einer Nacht wurden auch diese Juden vom Mob ermordet, das polnisch-jüdische Paar mit einem Zehnjährigen ausgenommen. Die Drei flohen nach Österreich und trafen dort im DP-Lager ihre polnischen Nachbarn (S. 20). Ähnliche Vorgänge passierten auch in Deutschland zuhauf.
Nach der Befreiung folgte die Strukturierung des Nachkriegschaos. Zu den 1945 in Deutschland befindlichen DPs kamen 1946 zahlreiche Juden aus Osteuropa, die vorwiegend aus Polen nach Österreich und Deutschland kamen. Die Judenverfolgung setzte sich nach Kriesende in Osteuropa fort und zwang so die Juden zur Flucht. Eindrucksvoll schildert das Werk die westliche Hilfe, die Selbstverwaltung der DP-Lager und schließlich die Übergabe der Aufsicht an deutsche Behörden und die Auflösung der DP-Lager. Exemplarisch werden für die ganze Entwicklung die Lager in Föhrenwald und Belsen in eigenen Kapiteln behandelt.
Besonders prekär war das Verhältnis der Lagerinsassen zur nicht-jüdischen Bevölkerung und zur wieder institutionaliserten deutschen Verwaltung. Beeindruckend war, wie innerhalb der DP-Lager neues jüdisches Leben entstand, mit religiösem Brauchtum, Schulen, Krankenhäusern, eigener Lagerpolizei, Gerichten, Rabbinerausbildung, Kultur und Sport. Beim Sport stand der Fussball im Vordergrund: es wurden Meisterschaften zwischen den Lagern ausgetragen. Doch auch das bei Juden beliebte Schachspiel wurde gepflegt.
„Das DP- Lager Landsberg war wiederum Austragungsort der ersten Schach-Olympiade der Sche’erit Hapleta ["Rest der Geretteten"] vom 1. bis 15. September 1946. Der Schach-Meister der britischen Zone, Finkelstein, erreichte Platz 4 der Gesamtwertung, und ein weiterer Spieler aus Belsen kam auf Platz 8. Das Turnier, an dem insgesamt 16 Spieler aus ganz Deutschland teilnahmen, gewann derSchach-Meister der amerikanischen Zone, Aleksandrow, aus dem jüdischen DP-Krankenhaus St. Ottilien bei Landsberg.” (S. 202).

Im Anhang findet sich eine hilfreiche, nahezu 20-seitige Aufstellung der Lager.
Über die Situation fühlt man sich durch die Lektüre des Buchs kenntnisreich informiert. Trotz aller Widrigkeiten gewann ich als Leser den Eindruck, dass die Behandlung der DPs bis zur Auflösung des letzten Lagers einigermaßen human ablief. Die ungeheuren Schwierigkeiten wurden von den Allierten und später von den deutschen Behörden einigermaßen gemeistert.
Links
DPs Ausreiselager – Ausreisezentrum – Abschiebelager – Internierungslager
KönigsederDisplaced Persons (DPs)
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DPs Schach und Juden
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Literatur
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Jim Tobias, Nicole Grom: Gabersee und Attel. Wartesäle zur Emigration: Die jüdischen Displaced Persons Camps in Wasserburg 1946-50. Mit einem Beitrag von Matthias Haupt
DPs Rezension
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Königseder blablaAngelika Königseder, Juliane Wetzel: Lebensmut im Wartesaal: Die jüdischen DPs (Displaced Persons) im Nachkriegsdeutschland. Frankfurt: Fischer, 2004. Taschenbuch, 277 Seiten
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