Email  zurück zur Homepage eine Stufe zurück

Mathias Beer:
Flucht und Vertreibung der Deutschen: Voraussetzungen, Verlauf, Folgen

München: Beck, 2011. Broschiert, 204 Seiten - rezension Linksrezension Literatur
Gemäß dem Untertitel gliedert der Tübinger Historiker Mathias Beer sein knappes Werk in
„Voraussetzungen“, „Verlauf“ und „Folgen“. Einleitend stehen drei vorbereitende Kapitel, die zu Krieg, Migration, Flucht und Vertreibung aufklären und die vorhandene Literatur sichten. Am Ende folgt noch ein Kapitel zur Erinnerungsgeschichte und ein hilfreicher Anhang.
Beer verdeutlicht gleich zu Beginn, dass das 20. Jhdt. von Flucht und Vertreibung geprägt war. Man denkt meist nur an die Vertreibungen nach der deutsche Kapitulation. Doch schon vor Kriegsbeginn und während des Krieges fanden starke Flucht- und Umsiedlungsbewegungen statt. Ja, seit Ende des 19. Jhdts. gehörten zwangsweise Aus– und Umsiedlungsaktionen zum Instrumentarium der Politik,
Nicht ganz eindeutig fand ich die von Beer veranschlagten Zahlen:
  • nach der Kapitulation: 25 Millionen (S. 9),
  • während des Kriegs: 15 Mio (S. 12), 12,5 Mio (S. 63)
  • nach 1945: weit über 20 Mio (S. 12)
  • letzte Phase des Kriegs und die ersten 5 Jahre danach: 12 Mio Deutsche (S. 13).
Die zahlreichen Kartenskizzen sind nur wenig hilfreich, da sie ein zu kleines Format haben.
Nicht eindeutig ist
  • die Bewegungen erfolgten mit dem Ziel, dass keine Rückkehr möglich ist (S. 12)
  • Behörden und Betroffene gingen von vorübergehenden Evakuierungen aus (S. 13-14)
Beer räumt mit zwei Thesen oder Meinungen auf, die noch immer verbreitet sind:
  • Die Flüchtlinge wurden in der Bundesrepublik gut aufgenommen
  • Es gab ein Tabu der Erinnerung
Es gab – wie inzwischen eigentlich bekannt sein müßte – starke Ressentiments gegenüber den Flüchtlingen bis zur offenen Ablehnung. Es gab (aus meiner Erfahrung) Fälle, dass Kinder enterbt oder zumindest geschnitten wurden, weil sie einen Flüchtling heirateten. Mildernd ist dazu zu vermerken, dass ganz Deutschland nach dem Krieg an Wohnungs– und Hungersnot litt (ganz anders als heute) und trotzdem im Endeffekt mehrere Millionen Vertriebene gut aufgenommen und integriert wurden. Die von einigen befürchtete destabilisierende Wirkung trat – trotz fehlender Obergrenze – nicht ein (S. 115).
„Die Geschichte der Bundesrepublik ist eine Integrationsgeschichte sondergleichen, die mit den Flüchtlingen und Vertriebenen beginnt.” (S. 135).

Sehr anschaulich stellt Beer den Verlauf der Debatten zum Thema nach dem Krieg dar.
Würde sich Beer nicht auf die Zeit bis nach dem 2. Weltkrieg und auf die Deutschen beschränken, müßte er konstatieren, dass das 21. Jhdt. noch stärker von Flucht und Vertreibung geprägt ist.
Trotz der kleineren festgestellten Mängel ist das Buch eine umfassende,  fundierte und sehr empfehlenswerte Darstellung zum Thema der Vertreibung der Deutschen im 20. Jhdt. Die Darstellung ist nüchtern und spricht – so weit ich es beurteilen kann – alle wesentlichen Aspekte an.
Links
Beer Micha Brumlik: Wer Sturm sät. Die Vertreibung der Deutschen
Beer Charta der deutschen Heimatvertriebenen
Beer DTN-Redaktion: Vom Münchner Diktat zur Nachkriegsordnung
Beer R. M. Douglas: »Ordnungsgemäße Überführung«. Die Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg
BeerSusanne Greiter: Rezension von: Mathias Beer: Flucht und Vertreibung der Deutschen. Voraussetzungen, Verlauf, Folgen, München: C.H.Beck 2011, in: sehepunkte 12 (2012), Nr. 1
BeerEva Hahn: Mathias Beer: Flucht und Vertreibung der Deutschen. Voraussetzungen, Verlauf, Folgen (rezensiert von Eva Hahn)
Beer Literatur zur Geschichte, Flucht, Vertreibung und Versöhnung der Sudetendeutschen
Beer Friedrich Prinz: Die Integration der Flüchtlinge und Vertriebenen in Bayern
BeerStephan Scholz: Rezension zu: Beer, Mathias: Flucht und Vertreibung der Deutschen. Voraussetzungen, Verlauf, Folgen. München 2011 , in: H-Soz-Kult, 08.08.2011
Beer"Vertreibungen sind und bleiben Unrecht, das aufgearbeitet und für immer geächtet werden muss."
BeerProf. Dr. Andreas Otto Weber: Flucht und Vertreibung vor und nach 1945. Flucht und Vertreibung der Deutschen im Kontext des Zweiten Weltkriegs und der europäischen Zwangsmigrationen vor und nach 1945
Literatur
Bei Amazon nachschauen  
Beer BeerMathias Beer: Flucht und Vertreibung der Deutschen: Voraussetzungen, Verlauf, Folgen. München: Beck, 2011. Broschiert, 204 Seiten
Beer Anfang


Email  zurück zur Homepage eine Stufe zurück
© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 17.3.2017