| Peter Godman. Die geheime Inquisition.
Aus den verbotenen Archiven des Vatikan Aus dem Englischen von Monika Noll und Ulrich Enderwitz. München: List, 2001. 399 Seiten |
| Die Archive des Heiligen Offiziums, das euphemistische Synonym
für die Römische Inquisition,
waren bis 1998 weitgehend geheim. Dem Professor für lateinisches
Mittelalter und Renaissance an der Universität Tübingen Peter Godman gewährte man bereits 1996 Einblick
in die Akten von Indexkongregation und
Römischer Inquisition. Godman untersucht in dem daraus entstandenen Werk
Die geheime Inquisition. Aus den verbotenen Archiven des Vatikan die
Prozesse und Zensurmaßnahmen gegen Denker wie In seiner Entschuldigungstaktik für die, ach so menschlichen Schwächen der Inquisitoren geht Godman allerdings zu weit. Wer schon einiges über diese schlimmen Verfahren weiß, wird die Verbrechen nicht überlesen und Godmans zahlreiche Relativierungsversuche erkennen. Nach Meinung der Inquisitoren gewährt man den Ketzern und Häretikern mit der Hinrichtung einen Gefallen, da man sie hindert, weitere Ketzereien zu begehen; begrenztes Leiden auf dem Scheiterhaufen erspart endloses Leid in der Hölle (S. 32). Ebenso bewahrte man die Katholiken vor Irrtümern, indem man verbot, die Bibel in der Landessprache zu lesen. Nur im für das Volk unverständlichen Latein war die Bibellektüre erlaubt. Zu Lebzeiten des später heilig gesprochenen Robert Bellarmin kam die italienische Bibelübersetzung auf den Index der verbotenen Bücher. Die Verharmlosung der Folter und der Morde webt Godman geschickt in den Text ein, indem er beispielsweise betont es gehe "nicht darum, den Einsatz der physischen Folter zu relativieren. ... Die Römische Inquisition hat sie eingesetzt, aber nur unter bestimmten Umständen und nicht in jedem Fall" (S. 62-63). Alles halb so schlimm, es wurde ja nicht jeder gefoltert, nicht jeder verbrannt. Darüber gab es Regeln, die im Handbuch für Inquisitoren festgelegt waren; es erschien über Jahrhunderte in vielen Ausgaben. Eine Regel verhinderte die Folter von schwangeren Frauen und Kindern unter 14 Jahren (S. 73). Wenn man es richtig liest, so besagt dies, das Fünfzehnjährige gefoltert wurden. Schon damals gab es für die katholische Hierarchie keine gleichberechtigten Meinungen. "Die Wahrheit war einzig, unteilbar und von der Kirche festgelegt" (S. 132). Das gilt auch heute noch: Viele Entschuldigungsgründen entlasten die Folterbosse:
Das höchste Amt der Kirche vertrat oft haarsträubende Ideen:
Die geheime Inquisition ist romanartig geschrieben; Fußnoten oder Belegstellen fehlen. Der Text folgt nur in etwa den Zeitläuften, oft erfolgen Rückbezüge (die teils erhellend sind, teils aber ablenken). So handelt das 3. Kapitel "Vor dem Obersten Glaubenstribunal" ebenso von der Zensur wie das 2. "Die Hand des Zensors". |
| "Im Herbst 2002 hat er [Peter Godman] einen Ruf an die Sapienza in Rom angenommen. Man tritt ihm wahrscheinlich nicht zu nahe, wenn man ihn als Vertrauensmann der Glaubenskongregation. also der Nachfolgerin der von Pius III. gegründeten Behörde, bezeichnet." Willi Winkler zur Fernsehdokumentation "Die geheime Inquisition" nach dem Buch von Peter Godman, SZ, 11.1.2003, S.18 |
| Als Ergänzung zu bestehendem
Grundwissen über die Inquisition und Verfolgung ist Peter Godmans Buch zu
empfehlen. Zur Einführung in die Thematik gibt es objektivere Bücher,
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| Peter Godman. Die geheime Inquisition. Aus den
verbotenen Archiven des Vatikan. München: List, 2001. Gebunden, 399
Seiten
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