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Ehrenamt in Sonntagsreden und in der Praxis
Ehrenamt LinksEhrenamt Literatur
Das Ehrenamt wird in politischen  Sonntagsreden hochgehalten. Die Ehrenamtlichen leisten Millionen von Stunden für die öffentliche Gelder eingespart werden können. Diese stehen dann den Politikern für ihre Zwecke zur Verfügung, werden für die Verteidigung Deutschandlands am Hindukusch ausgegeben oder in gigantische Grossprojekte gesteckt.
Das Bundesinnenministerium (BMI) beschloss im Mai 2014 die Streichung der mickrigen Gelder (130.000 € pro Jahr) zur Förderung des Leistungssports. Das BMI unter Leitung von Minister Dr. Thomas de Maizière, CDU, begibt sich damit in die Fussstapfen der DDR, die seinerzeit auch den nichtolympischen Sportarten den Hahn zudrehte (siehe André Schulz: "DDRisierung des Sports" unter Ehrenamt Links).
Leider ist Schach kein olympischer Sport und damit nicht dem Gigantismus der Olympischen Spiele verpflichtet. Es gibt beim Schach wenig, wo sich Politiker zur Schau stellen können und Reisen an exotische Orte bringt der Schachsport für Politiker auch nicht.
Eine Voraussetzung zur „Nicht Olympische Sportförderung“ ist die Anerkennung als „förderungswürdig“ durch den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). Das heisst, es werden nur die Sportarten gefördert, die von einer nicht-politischen Organisation (DOSB) als förderungswürdig deklariert werden. Die Definitionskompetenz wurde von der Politik abgegeben.
Der DOSB hat Schach ausdrücklich als Förderungswürdig eingestuft.
Wegen fehlender „eigenmotorischer Aktivität“ wurden dem Schach die Förderungsgelder vom BMI gestrichen (warum dann nicht auch dem Reitsport? dem Schießsport? und und ?)
Spitzensport und Breitensport bedingen einander. Wer den Leistungssport nicht fördert sägt am Breitensport und den tausenden Ehrenamtlichen, die sich im Breitensport engagieren. Das BMI teilt also nicht die Ansicht – die in vielen politischen Sonntagsreden artikuliert wird –, das Ehrenamt sei „Kitt” in unserer Gesellschaft. Das BMI entzog mit der Streichung den vielen tausenden Schach-Ehrenamtlichen und den Tausenden von Eltern des Schachnachwuches den Boden und schwächte all diese Bürger. Die Streichung der Schachförderung raubt diesen Kindern und ihren Eltern die schachlichen Leitfiguren, die der Leistungssport bringen soll und Schach – wie alle Sportarten – sehr nötig hat.
Den Ehrenamtlichen wird täglich von der Politik der Knüppel in den Weg gelegt. Ein ganz harter kam im Mai 2014 hinzu.
Dabei wäre genau das Umgekehrte nötig. Nicht die Streichung, sondern die Vervielfachung der Förderung des Schachsports ist das Gebot der Zeit. Jeder in den Schachsport investierte Euro erspart unserer Gesellschaft hohe Kosten, denn
  • wer Schach spielt ist weitgehend immun gegen Drogen, rassistische und andere Hetzparolen. Migranten, Behinderte und körperlich Benachteiligte werden im Schachsport vorbildlich integriert.
Vielleicht ist aber genau das der Hintergrund der Streichung der Schachförderung.
Eberhard Gienger, Ex-Turnweltmeister und sportpolitischer Sprecher der CDU, billigte den Hieb gegen das sportliche Ehrenamt in einem Interview mit Norbert Wallet im Schachmagazin 6/2014, S. 50. Es fragt sich, ob er mit soviel Unverstand noch als  sportpolitischer Sprecher der CDU tragbar ist. Aber vielleicht ist sachliche Unkenntnis gerade Voraussetzung für so manchen politischen Posten.
Es gibt auch Politiker, zu deren Körper das Hirn gehört
  • Grünen-Politiker stellten eine parlamentarische Anfrage und reichten gegen die Kürzung eine Petition ein. Vorläufig mit Erfolg. Anfang Juni beschloss der Haushaltsausschuss des Bundestages, die Streichung der Mittel zurückzunehmen.
  • Der Bundestagsabgeordnete für Amberg-Sulzbach-Neumarkt, Alois Karl, CSU, schrieb einen Brief an Bundesinnenminister Thomas de Maizière, CDU. Er bat um eine Überprüfung der Entscheidung.
Dazu brachte Alois Karl, CSU, ein schlagendes Argument.
  1. „Bis 2013 wurde Schach als Leistungssport durch das Bundesinnenministerium gefördert.“
  2. „Es hat sich in den vergangenen Jahren sowohl beim Schach als Leistungssport, als auch bei den Vorgaben für das Leistungssportprogramm des Bundesinnenministerium keine grundlegende Änderung ergeben.“
  3. „Daher kann ich nicht erkennen, warum Schach mit der Begründung des Fehlens der erforderlichen eigenmotorische Aktivität durch das Bundesinnenministerium nicht mehr als förderfähiger Leistungssport für 2014-2017 anerkannt wird.“
Er schickte diesem ausgezeichneten Argument ein weiteres nach:
  • Schach ist eine der ganz wenigen Sportarten ist, bei denen seit vielen Jahren Inklusion von körperlich gehandicapten Spielern vorbildlich funktioniere. Hier müssten keine gesonderten Leitungsklassen gebildet werden, sondern der Sport werde gemeinsam betrieben.
Richtig, alle reden von Inklusion und dort wo es seit Jahrzehnten realisiert ist soll es torpediert werden!?
Am 5. Juni 2014 wurde die Entscheidung des BMI vom Haushaltsausschuss des Bundestages unter Leitung von Norbert Barthle, CDU, zurückgenommen.
Allerdings sollen auch im Jahr 2014 nur 4% der Sportfördergelder für die nichtolympischen Sportverbände zur Verfügung gestellt werden. Die olympische Vorrangstellung, der olympische Gigantismus geht weiter.

Klaus-Norbert Münch, Präsident des bayerischen Schachbundes: „In den nächsten zwei Jahren wird es uns treffen. Nur in olympische Sportarten wird reingebuttert.”
Kompetenz-Wirr-Warr in der Großen Koalition aus CDU, CSU, SPD
Wie von der Großen Koalition aus CDU, CSU, SPD gewohnt ist auf Aussagen irgendwelcher Politiker(innen) keinesfalls Verlaß. Bekanntlich wurde das von Angela Merkel, CDU, sogar zu ihrer Richtschnur gemacht. Sie bekannte: auf Aussagen der Politiker(innen) verlassen sich nur ganz naive Bürger.
  • Das BMI pfeift auf den Beschluss des Haushaltsausschusses (siehe oben)
  • Das BMI bleibt entgegen dem einstimmigen Beschlusses der Mitgliederversammlung des DOSB (Deutscher Olympischer Sportbund) bei seiner abweichenden Sportdefinition und Auslegung dieser Definition.
Nicht die Bundestagsabgeordneten bestimmen die Richtlinien der Politik, sondern die sachunkundigen Bürokraten im BMI. – SportförderungTreffen des DSB mit dem BMI, DSB, 30.6.2014
Sportdefinition
Die Definition des Sports ist schwierig. Man sollte sie aber nicht dem DOSB überlassen. Eine gängige Erklärung ist: Sport ist Körperertüchtigung.
Wenn Sport Körperertüchtigung ist und Schach das Hirn ertüchtigt, dann ist Schach auch Sport.
Wer hirnlos Schach spielt oder bei wem das Hirn nicht Teil des Körpers ist, der kann zu einer anderen Folgerung kommen.
Links
Ehrenamt Aufmarsch der Massen – kollektiver Gefühlsrausch
EhrenamtDSB: Förderung des Schachsports
EhrenamtHaushaltsausschuss sichert „Jugend trainiert für Olympia“ und fördert Schachsport, PM 6.6.2014
Ehrenamt Hybris der (gescheiterten) Grossprojekte in Bayern
Ehrenamt Großmeister Hübner: „Schach ist kein Sport“, FAZ 23.10.2008
EhrenamtAlois Karl macht sich für Schach stark Bundestagsabgeordneter äußert Bedenken und fordert Überprüfung der Förderfähigkeit, nordbayern.de 10.06.2014
EhrenamtJürgen Kaube: Schachproblem - Denkathleten am Brett, FAZ 9.6.2014
 Johannes Graf: Schach sieht sich als Bauernopfer, Augsburger Allgemeine
EhrenamtAndré Schulz: "DDRisierung des Sports"
Ehrenamt Sonntagsreden
EhrenamtSport braucht Dein Ehrenamt
Ehrenamt Sport!? Schach ist Sport!
Ehrenamt Verschwendung von Steuergeldern
Ehrenamt Anfang


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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 19.11.2014