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Columbo
Columbo: Schach dem Mörder [The most dangerous match]
Regie: Edward M. (Ed) Abroms. USA 1973 – Film LinksFilm Literatur
Schach dem Mörder [The most dangerous match]
Regie: Edward M. (Ed) Abroms. USA 1973. 70 Min.
Inspektor Columbo Peter Falk
Emmet Clayton Laurence Harvey
Tomlin Dudek Jack Kruschen
Linda Robinson Heidi Brühl
Mazoor Berozski Lloyd Bochner
Erstaufführung: USA: 4. März 1973 – ARD: 29. Januar 1976 (gekürzt) 
Der Weltmeistertiel des US-amerikanischen Schachgrossmeister Emmett Clayton ist in Gefahr: der sowjetische Grossmeister Tomlin Dudek hat ihn herausgefordert. Das Match soll in Los Angeles stattfinden. Am Vortag setzt die Columbo-Folge "Schach dem Mörder" [The most dangerous match] ein.
Clayton folgt Dudek in ein französisches Lokal. Dort fangen sie mit Pfefferstreuer und anderem Figurenersatz eine Partie an. Sie wird in Claytons Hotel-Appartment fortgesetzt (oder analysiert). Dudek gewinnt und Clayton ist geschockt. Er sieht seinen Titel äußerst gefährdet, dass er zum äußersten Gegenmittel greift: er schafft seinen Herausforderer beiseite.
Als Schachspieler (und wie die meisten Täter bei Columbo) unternimmt er dies sehr geschickt, aber nicht geschickt genug für Columbo. Seine Schwerhörigkeit spielt Clayton dabei übel mit.
Bewertung
Diese Columbo-Folge erschien etwa ein halbes Jahr nach dem Match des Jahrhunderts zwischen Robert F. Fischer und Boris Spassky in Reykjavík, Island (11. Juli 1972 – 1. September 1972). Durch den Titelgewinn von Fischer waren die USA in einem Schachboom. Auf politischer Ebene dauerte der kalte Krieg zwischen den beiden Supermächten an.
Die charakterliche Darstellung der beiden Kontrahenten ist für den Russen sehr vorteilhaft. Er ist der französischen Küche aufgeschlossen, hat Verständnis für die (vermeintlichen) Amouren des Amerikaners und wird von Jack Kruschen sympathisch gespielt (siehe auch das Film Zitat).
Der Anschlag auf Dudek und seine Folgen sind einleuchtend und folgerichtig. Columbos Ermittlungen wie immer zielführend und überzeugend. Peter Falk ist in seinem Element.
Schachliche Bewertung
Die schachliche Bewertung fällt nicht so gut aus.
  • Unglaubwürdig ist das hohe Alter des Weltmeisters und vor allem seines Herausforderers Dudek. Ein halbes Jahr vor dem Film war Spassky 35 Jahre, Fischer 29 Jahre alt.
  • Unglaubwürdig ist auch der (vermutete) grosse Spielstärkeunterschied. Auf dieser schachlichen Ebene kennen sich die Spieler aus zahlreichen Partien. Eine Partie im Restaurant sagt nichts.
  • Vor allem wird ein Schachweltmeister nicht wegen einer Herausforderung zum Mörder. Entweder er entzieht sich den Kämpfen (wie es Fischer praktizierte) oder stellt sich dem Match. Als Weltmeister muss er keinen Gegner fürchten.
  • Dass die beiden im Restaurant mit allen möglichen Geräten aus Figurersatz spielen ist pures Hollywood. Wenn schon keiner der beiden Figuren dabei hat, dann spielen sie eben blind, d.h. ohne Figuren.
  • Als Vorlage für die Schachpartie diente .J. Wolthuis – C. H. O. D. Alexander,
    Maastricht, 1946 (siehe Film Partie). Allerdings bin ich verunsichert, ob die Analyse im Hotelzimmer die Partie betraf, denn diese war ein Damengambit, das Schwarz im 41. Zug aufgab: Dudek hat sie in seinem Hotelzimmer noch aufgeschrieben. Das ist ein wichtiges Indiz, da Clayton gegenüber Columbo behauptet, er hätte gewonnen, der Restaurantbetreiber aber richtigerweise Dudek die weißen Steine zusprach.
    Die der Analyse zugrundeliegende Partie ist aber Nimzoindisch und endet im 25. Zug mit Aufgabe von Schwarz.
  • Nach dem wegen Dudeks Fehlen ausgefallenen Match gibt Clayton eine Simultanvorstellung, während der er von Columbo köstlich befragt wird. Allerdings sind Bretter und Figuren, die benutzt werden nicht profimässig. Auch das Sprechens des Simultangebers mit seinen Gegnern ist zumindest ungewöhnlich.
  • Das alles wäre noch zu verschmerzen, doch Clayton befindet sich bei einigen im fortgeschrittenen Partiestadium, von einem Simultangegner wird Clayton (Weiß) aber  im 2. Zug matt gesetzt. Schon alleine diese Zugdiskrepanz ist merkwürdig und kann vielleicht noch damit erklärt werden, dass Schwarz hier später (für einen Verlierer) ans Brett kam. Das Narrenmatt, mit dem der Weltmeister in zwei Zügen matt gesetzt wird, unterläuft nicht mal dem blutigsten Anfänger. Für einen Weltmeister ist es ein kaum zu überbietender Witz.
Partie
J. Wolthuis – Conel Hugh O’Donel Alexander
Maastricht, 1946 Nimzo-Indisch

1 d4 Sf6 2 c4 e6 3 Sc3 Lb4 4 Dc2 Sc6 5 Sf3 d6 6 a3 Lxc3 7 Dxc3 O-O 8 g3 Se4 9 Dc2 f5 10 Lg2 Df6 11 e3 Ld7 12 b4 a5 13 b5 Se7 14 Lb2 c6 15 a4 Tfc8 16 bxc6 Sxc6 17 O-O Sb4 18 Db3 d5 19 cxd5 exd5 20 Tfc1 Txc1+ 21 Txc1 b5 22 axb5 Lxb5 23 Se5 De6 24 Ta1 Sd2 
siehe Diagramm
25 Dxb4 Schwarz gibt auf

Irving Chernev, Fred Reinfeld: Winning Chess. New York, 1948, S. 168-169
Wolthuis
Stellung nach 24. ... Sd2
Zitat
Emmett Clayton: „Well, chess is the ultimate test of the human mind, isn't it?”
Tomlin Dudek: „You think so? I always thought it was women.”
Serienheld Peter Falk
war ein Schachliebhaber, der Unterricht nahm und Schachturniere als Gast besuchte.
Links
Schach dem Mörder (The most dangerous match):
FilmColumbo HomepageFilmTVspielfilmFilmColumbo Forum
FilmColumbo – Wikipedia
FilmPeter Falk – death of a chess player / Yasser Seirawan: Falk and chess
FilmEdward Winter: Chess and Hollywood
FilmEdward Winter: Chess and Television 
Film Schach in der Literatur
Literatur
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Columbo FilmColumbo - Die komplette zweite Staffel [4 DVDs] Universal/DVD, 2005. In den Hauptrolle Peter Falk, Suzanne Pleshette und Ida Lupino. Produktionsjahr: 1973 - Spieldauer: 613 Minuten
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