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Bönsch-Kauke
Marion Bönsch-Kauke: Nervenkrieg – von Aura bis Zweikampf: Angewandte Psychologie für Trainer, Schachlehrer und Spieler. Ein Lehrbuch in elf Modulen
Berlin: Frank & Timme, 2009. Broschiert, 317 Seiten – Schachpsychologie LinksSchachpsychologie Literatur
Alle sind sich einig: entgegen dem Anschein (klare Regeln, alles liegt offen vor beiden Spielern) spielt die Psychologie beim Schachspiel und besonders beim wettkampfmäßigen Schach eine grosse Rolle. Trotzdem wurde die Psychologie in der Forschung und Literatur vernachlässigt. Bisher liegen nur Werke zu Teilaspekten (Psychologie auf den 64 Feldern des Schachbretts) oder ältere Werke vor. Die auf Schach spezialisierte Sozialpsychologin Marion Bönsch-Kauke versucht mit Nervenkrieg – von Aura bis Zweikampf die Lücke zu schließen.
Das Werk gliedert sich wie folgt:
Einleitung
Elf Kapitel, "Module" genannt:
  1. Was kann Psychologie [...| beitragen?
  2. Führungsvermögen: Qualitätsmanagement – Sozialkompetenz
  3. Wer lehrt, ausbildet und führt, lernt!
  4. Die bestmögliche Form: Fit für den Erfolg!
  5. Vorbereitung auf den Gegner
  6. Fairplay-Verhalten im Schach
  7. Balancieren von Emotionen
  8. Schachblindheit, Trugbilder und Aussetzer
  9. Der kreative Trainer ...
  10. Erzeugen Kreative Konflikte?
  11. Humor hat, wer lachend trotzt!
Glossar
Abkürzungen
Literaturverzeichnis
Personenverzeichnis
Die Modulüberschriften zeigen, dass Nervenkrieg ein gewaltiges Pensum abarbeitet. Es breitet das geballte Wissen und die langjährige Erfahrung der Autorin aus. Die Zielgruppe sind Schachlehrer, Trainer und Spieler, also nahezu alle, die mit Schach zu tun haben. Und sie alle können von der Lektüre profitieren. Es gibt zahlreiche Anregungen und konkrete Hinweise, wie man Training und Wettkampfvorbereitung verbessern kann. Dazu kommen historische Exkurse über beispielsweise Emanuel Lasker und Robert J. Fischer.
Dass die Autorin vieles in ihr Werk hineinpackt hat den Vorteil, dass man zahlreiche Checklisten und Verweise auf andere Arbeiten zum Thema erhält. Andrerseits kann sie dann nur – wenn überhaupt – auf wenige Punkte detailliert eingehen. Eine umfangreiche Liste bringt sie beispielsweise zu Psychotricks rund um die Partie (S. 135-136). Allerdings muss man an anderer Stelle herausfinden, ob und wann man solche Tricks anwenden soll und darf.
Ein Beispiel aus meiner Praxis: In Bayern gab es starke Spieler, die bewusst die beiden ersten Tricks anwandten. Als es nach den Turnierregeln noch zulässig war erschienen sie zwar zum Partiebeginn am Turnierort, doch erst nach 59 Minuten am Brett. Gegen Patzer wie mich konnten sie auch mit den verbliebenen 61 Minuten Bedenkzeit gewinnen. Irgendwo im Buch (ich weiß nicht mehr, wo) fand ich den Gegentrick, den auch ich einst erfolgreich anwandte: diesen Gegner während der verbliebenen Zeit unverwandt anglotzen und auf Fragen oder Vorwürfen nicht zu antworten.
Das zeigt, das ein Sachindex vermisst wird, zumal die Modulüberschriften nicht immer den Inhalt treffen. Die Fülle des Materials hätte besser strukturiert werden können.
Die Vorbereitung auf den Gegner mit Schachdatenbankprogrammen spielt heute schon auf unterer Turnierebene eine wichtige Rolle. Sie gehört sicher teilweise ins Fachspezifische, doch spielt dabei das Psychologische ebenfalls eine wichtige Rolle. Daher ist es schade, dass dies nur kurz erwähnt wird (S. 143).
Dabei will die Autorin keinen Aspekt der Schachpsychologie auslassen, alles wird zumindest angerissen. Sogar die brennende Frage, wie man die Popularität des Schachspiels in Deutschland verbessern kann beantwortet die Autorin überzeugend (S. 108-110).
Nicht immer ist der Text allgemeinverständlich. Dazu ein Beispiel aus einem Absatz über Entwicklungspsychologie:
„In der qualitativen Kindheitsforschung wurde erkannt, dass [...] sich primär Beziehungen statt Individuen in der Grundeinheit von Dyaden als Ego und Alter entwickeln, ...” (S. 67).
Nervenkrieg gibt einen umfangreichen Blick in den Kosmos der Sportpsychologie. Die Autorin bringt viele konkrete Tipps, die sofort umgesetzt werden können. Nur ein Beispiel für die Gruppe: der Störenfried wird zum Assistenztrainer gemacht (S. 217). Wie bei Schachbüchern allgemein kann man Nervenkrieg aber nicht einfach lesen und davon profitieren, sondern muss es sorgfältig durcharbeiten und immer wieder zur Hand nehmen. Dann bereichert es die Arbeit der Schachlehrer und Trainer und ist auch für Schachspieler gewinnbringend.
Links
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Popularität Popularität des Schachs in Deutschland und anderswo
Literatur
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Bönsch-Kauke Bönsch-KaukeMarion Bönsch-Kauke: Nervenkrieg – von Aura bis Zweikampf: Angewandte Psychologie für Trainer, Schachlehrer und Spieler. Ein Lehrbuch in elf Modulen. Berlin: Frank & Timme, 2009. Broschiert, 317 Seiten

Ältere Werke zur Thematik
Benko, Pal, Burt Hochberg (1991): Winning With Chess Psychology. New York: David McKay. 264 Seiten
Utterberg, Cary (1994): Dynamics of Chess Psychology. Dallas: Chess Digest. 219 Seiten
– Es geht weniger um Schachpsychologie als um die Spielstile im Laufe der Schachgeschichte
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Krogius PsychologieNikolai Krogius: Psychologie im Schach. Ullstein, 1997. Broschiert, 227 Seiten Pachman
Ludek Pachman: Wie überliste ich meinen Gegner? Psychologie und Tricks im Schach. München: Heyne, 1989. Broschiert Psychologie
Munzert PsychologieReinhard Munzert: Schachpsychologie. Hollfeld: Beyer, 2007. Taschenbuch, 390 Seiten Munzert
Reinhard Munzert: Schachpsychologie. Hollfeld: Beyer, 1993. Taschenbuch, 335 Seiten Psychologie
Gulko PsychologieBoris Gulko, Joel R. Sneed: Lessons with a Grandmaster: Enhance Your Chess Strategy and Psychology. Everyman Chess, 2011. Taschenbuch, 298 Seiten Hartston
W. R. Hartston, P. C. Wason: The Psychology of  Chess. Facts on File, 1984. Gebunden Psychologie
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