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Accelerated Dragon
Peter Lalic: Play the Accelerated Dragon
London: Everyman Chess, 2014. Broschiert, 176 Seiten – Lalic LinksLalic Literatur
Die Präsentation von Peter Lalic in den Videos im Web überzeugten mich nicht ganz: lehrreich, aber etwas zu nüchtern. Ganz anders sein erstes Buch über den beschleunigten Drachen. Es ist hoch informativ, witzig, reich an Ratschlägen und spielbaren Varianten, enthusiastisch (aber nicht überzogen) und gut gegliedert.
Der Drache der Sizilianischen Verteidigung wird auf höchstem schachlichen Niveau kaum mehr gespielt (Bent Larsen und Tigran Petrosian sind außer Gefecht): Najdorf– und Sveshnikov-Variante sind seit Jahren dominant, umso stärker wird der Drache auf der Vereinsebene gepflegt.
Die beiderseitigen Strategien werden in einigen Spezialwerken gut beschrieben und Robert Fischers Bemerkung zum Drachen: „I'd won dozens of skittles games in analogous positions and had it down to a science: pry open the h-file, sac, sac... mate!” (Robert Fischer: My 60 Memorable Games, zur Partie Robert James Fischer – Bent Larsen, Portoroz 1958) hat ihren Schrecken verloren.
Im Beschleunigten Drachen verzichtet Schwarz (vorerst) auf den Sicherungszug d7-d6, weil er d7-d5 in einem Zug durchsetzen will. Viele Weißspieler auf Vereinsebene merken den Unterschied nicht und spielen ihren standardisierten Jugoslawischen Angriff und werden unsanft aus ihrem dogmatischen Schlummer geholt: „such naive yet common moves as 7 f3 and 7 Dd2 are practically refuted by a speedy ...d5” (Lalic S. 8). Widerlegt ist vielleicht zu stark, doch bedrängt werden die Weißspieler mit d7-d5 schon.
Bessere (und schwächere, die davon gehört haben) Spieler weichen in den trockenharten Maroczy-Aufbau aus. Er kommt in Werken über den Beschleunigten Drachen manchmal zu kurz weg. Nicht so bei Lalic.
Er gliedert seine Haupttextteil wie folgt:
  • Einleitung
  • 1. Hauptabspiel: Versuche mit dem Jugoslawischen Angriff
  • 2. Hauptabspiel; 7 Lc4
  • 3. Hauptabspiel: die Klassische Variante
  • 4. Weiße Abweichungen
  • 5. Maroczy-Aufbau: strategische Pläne
  • 6. Maroczy-Aufbau: Gurgenidze-Variante
Der Beschleunigte Drache entsteht mit
1. e4 c5 2. Sf3 Sc6 3. d4 cxd4 4. Sxd4 g6.
Dem gegenüber kommt der Klassiche Drache so aufs Brett:
1. e4 c5 2. Sf3 d6 3. d4 cxd4 4. Sxd4 Sf6 5. Sc3 g6
Er verhindert vor allem den Maroczy-Aufbau.
Peter Lalic geht nicht auf die modischen Abspiele nach 3. Lb5 ein (Rossolimo-Variante) : sie beanspruchen eigene Werke. Die 2. ... d6-Spieler müssen mit der ähnlichen Moskauer Variante 3. Lb5† rechnen.
Lalic geht auch nicht auf den Hyper-beschleunigten Drachen mit 1. e4 c5 2. Sf3 g6 ein (im Englischen oft The Sniper genannt, ECO B27), der die Varianten mit 3. Lb5 vermeiden. Doch auf weniger als 200 Seiten darf man nicht alles erwarten.
  • Im 1. Kapitel behandelt Lalic die seiner Meinung nach (und sie trifft wohl zu) schwächeren Züge 7. f3 und 7. Dd2. 
  • Im 2. Kapitel kommt dann 7. Lc4, was derzeit als stärkste weiße Fortsetzung angesehen wird.
  • Im 3. Kapitel untersucht Lalic 7. Le2 und 7. Sb3. 
  • Das 4. Kapitel widmet der Autor Abweichungen von Weiß im 5. Zug: 5. Sc3, 5. Sxc6, 5. Le2, 5. Lc4, 5. c3 und 5. g3
  • Eine Stärke der Abhandlung ist, dass der Maroczy-Aufbau nicht nur nebenbei behandelt wird (oder gleich ganz ausgeklammert wird), sondern in zwei Kapiteln gleichwertig besprochen wird. Im Kapitel 5 werden die dem Schwarzen zur Verfügung stehenden Pläne besporchen, die den Maroczy-Aufbau aufbrechen sollen.
  • Im 6. Kapitel empfiehlt Lalic konkret die Gurgenidze-Variante. Entgegen der Auffassung nicht zu früh auf d4 zu tauschen, schließt sich Lalic der Ansicht der US-amerikanischen GMs Roman Dzindzichashvili und Ron Henley an: „It is imperative to force the queen on to this vulnerable square, whence it will soon have to waste a tempo retreating” (S. 137).
Neben klaren Ansagen, übersichtlicher Darstellung (an die Kapiteleinteilung muss man sich gewöhnen) und kämpferischen Duktus, der beim Leser Vertrauen in die Abspiele herstellt, pflegt Peter Lalic drei spezifische didaktische Methoden:
  1. Zahlreiche (klar vom Text abgegrenzte) eingestreute Zitate und Merksätze sind teils nur lustig, teils nachdenkenswert („In such open positions, piece play is more influential than pawn structure”, S. 25), teils Gemeinplätze („Keep an open mind, and you can spot surprising refutations”, S. 31), oft sehr hilfreich („Remember the manoeuvre ... Qb8 to unravel the back rank for ... Rc8”, S. 51). Oft sind die Tipps auch im Text versteckt, wie „We always castle on the seventh move, in order to achieve full harmony before landing the first punch” (S. 71).
  2. An Verzweigungen der Abspiele zitiert Lalic gerne die Statistik der verschiedenen Möglichkeiten aus der ChessBase Mega-Datenbank. Das gibt – ohne dass man selbst ständig in ChessBase nachschauen müßte – eine gute Einschätzung der zur Auswahl stehenden Züge.
  3. Zur Auflockerung schmückt Lalic seine Bemerkungen mit Zitaten aus oder Bezügen auf Filme, Literatur und Popmusik. Das erinnert mich daran, dass ich für die Wasserburger Vereinszeitung in den 80-er Jahren zur Kommentierung einer Partie einmal nur Zitate aus Opern von Richard Wagner verwendete.  Lalics Vorgehen und damit der beabsichtigte Witz blieb mir meist verschlossen, weil ich die Quellen – von wenigen Ausnahmen abgesehen – nicht mal dem Namen nach kannte. Dieses Manko liegt aber mehr in meiner weitgehenden Ignoranz der Popkultur nach 1970.
Wichtig ist zu erwähnen, dass Lalic 50 typische Partien ausgewählt hat und gut kommentiert an die Leser bringt.
Die in manchen Produktbeschreibungen genannten 256 Seiten sind weit übertrieben, mein Buch hat 174 Seiten, aber die haben es in sich.
Play the Accelerated Dragon ist ein durch und durch gelungenes Werk. Ich will es niemand empfehlen, damit ich selbst noch möglichst viele Punkte mit den vorgeschlagenen Abspielen hole.
Es ist ein Eröffnungsbuch von dem man sich eine gebundene Ausgabe wünscht. Das Dilemma: vor dem Kauf weiß man selten, ob sich das teurere Hardcover (so es eines gibt) lohnt.
Ich warte schon auf Lalics nächsten Wurf auf den Schach-Buchmarkt.
Nachtrag
Auf chesspub.com entwickelte sich eine heiße und aufschlussreiche Diskussion um das hier besprochene Buch. Daran nahmen sowohl der Autor Peter Lalic als auch der Autor eines Vorgängerwerks zum selben Thema teil: Andrew Greet (2007): Starting Out: The Accelerated Dragon: Fundamental Coverage Of A Dynamic Sicilian.
Ein vielleicht typisches Zitat aus der Diskussion:
„I imagine it may be a good book for Amateurs but I don't imagine it's very useful for a 2000+ who have studied the Accelerated Dragon with other sources. Amateurs may wonder what his book has more to begin compared as a book like Greet's one.”
John Donaldson kommt in seiner Besprechung zu einem ähnlichen Schluss: „Play the Accelerated Dragon is a good introductory work on the subject for players up to about 2200, but definitely not more.”
Carsten Hansen kommt zu einem etwas harscheren Resümee: „Overall, I find this book a disappointment. There is very little substance. Starting Out: The Accelerated Dragon by Andrew Greet is many times better.” Seine Kritikpunkte (hier nicht genannt) kann ich nachvollziehen. Eine Hauptkritik Hansens ist Lalics Aufteilung des Maroczy-Aufbaus in zwei Kapitel. Sie ist reichlich seltsam. Ich stimme zu, doch für mich überwiegten die positiven Seiten der Lalic-Einführung in den beschleunigten Drachen.
Da ich ein 1800+ Spieler bin, der nach 15-jähriger Pause (davor Französisch / Caro-Kann auf 1. e4) auf Sizilianisch umsattelte war Peter Lalics Buch für mich sehr hilfreich.
Links
LalicPeter Lalic: You Tube Channel
LalicP.L. Chess Endgame Course
LalicSicilian Defence, Accelerated Dragon
LalicThe Accelerated Dragon Variation
LalicUwe Bekemann: play the accelerated dragon
LalicReviewed by John Donaldson
LalicCarsten Hansen: Play the Accelerated Dragon by Peter Lalic
LalicSean Marsh: Chess Reviews: 246
LalicBeschleunigte Drachenvariante
LalicSizilianisch: Beschleunigte Drachenvariante, Moderne Lc4-Variante
Lalic98_B35-B39(+B27)_(Hyper-)Accelerated Dragon
LalicUnderstanding The Accelerated Sicilian Dragon B36
LalicJoemar aka chessmagic5: My Chess Pet the Sicilian Dragon
LalicJonathan Hilton : How Wojo Won: The Accelerated Dragon, January 10, 2008
Diskussion: LalicChessPub Forum › ... › Lalic 2014. Play the Accelerated Dragon
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Lalic Anfang

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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 5.9.2014