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Martin Weteschnik: Chess Tactics from Scratch: Understanding Chess Tactics
2nd Edition. Glasgow: Quality Chess, 2012. Taschenbuch, 341 Seiten – Weteschnik LinksWeteschnik Literatur
Das Lehrbuch für Schachkombinationen Chess Tactics from Scratch: Understanding Chess Tactics gliedert sich in einen einführenden Teil, zwölf Kapiteln zu grundlegenden Kombinationsmotiven und einem Testteil mit 300 Testpositionen, ähnlich gegliedert wie die 12 Motiv-Kapiteln.
Die Absicht des Autors ist es, Kombinationen vom Anfang an zu lernen und anzutrainieren. Dabei wird hoher Wert auf die sehr wichtige (und oft vernachlässigte) Visualisierung gelegt. Mit kleinen Einschränkungen ist die Absicht hervorragend realisiert.
Man sollte nicht mit Einschränkungen beginnen, doch bereits das erste Diagramm (S. 7) zeigt mit einer Diagonalenversperrung, dass der Autor hohe Ansprüche stellt.
Fast alle Beispiele im Testteil sind aus dem 21. Jahrhundert. Im davorliegenden Teil des Buchs gibt es zwar auch viele Beispiele älteren Datums, aber bei wenigen sind die Figuren so abgegriffen, dass sie wie von selbst auf die richtigen Felder schlittern.
Neben den bekannten Kombinationsmotiven (Fesselung, Abzugsangriff usw.) bespricht der Autor auch (für mich) neue Blickwinkel, wie den Nachlader (”reloader”).
Der Fokus auf die Visualisierung wird ergäönzt durch wertvolle Hinweise auf die Einschätzung einer Stelung und die Zugfindung. Den Kandidatenzügen ist ein einleitendes Kapitel und ein Teil der Teststellungen gewidmet (davon mehr weiter unten).
Wichtige Merksprüche sind hervorgehoben. Eine der wichtigsten Merkregeln ist wohl:
„Start your analysis of a position by looking at the status of each piece” (S. 180).
Die Merkregeln im Kasten erscheinen jedoch manchmal banal, wie z.B. S. 40 links unten, oder S. 102. Der hervorgehobene Text in der Box auf S. 127 ist in einem Taktikbuch allenfalls eine Fussnote wert. Andrerseits wären genügend merkwürdige (im wörtlichen Sinne) Regelsprüche im Text, die als konkrete Handlungsanweisungen einen eigenen Rahmen verdient hätten, z.B. „Be on the lookout for squares ...” (S. 75 rechts unten).
Wenige Beispiele sind hochkomplex mit ungenügender Aufklärung (auch im Testteil). So wird die Kombination in Thorbergsson – Tal, 1964, (S. 212–213) gut erklärt, doch nach 3 ... Dh4 abgebrochen. Selbst wenn man diese Stellung in der Ausgangsstellung visualisiert hatte, ist nicht klar, wie Schwarz nach 4. Lc1 (wie in der Partie geschehen) fortsetzt. Nach 4. ... Dxe1 ist 5. De2 zu berücksichtigen, denn Dxc1 ermöglicht 6. De8† nebst 9. Dxc8. Schwarz steht immer noch auf Gewinn, aber es braucht schon Michail Tal um das in der Ausgangsstellung S. 213 zu sehen. In der Partie folgte 5. h3 Sh6 und Tal musste noch einige Züge genau spielen, um Thorbergsson zur Aufgabe zu zwingen.
Kandidatenzüge
Die Zugfindung ist ein extrem wichtiges Thema. Ein Unterthema dazu sind die Kadidatenzüge.
Die Diskussion dazu begann mit Alexander Kotow: Denke wie ein Großmeister (1970)
Martin Wetschnik widmet den Kandidatenzüge das 12. Kapitel (217–232) und einen Abschnitt in den Teststellungen. Zu Beginn dieses hervorragenden Kapitels bespricht er die Stellung Nikolov – Papin ausführlich.
Ziemlich am Anfang nach dem Partiezug 1. Dg3†? stellt der Autor fest „probably looking forward to 1. ... Dg6 2.Dxe5! and the combination of Tg1 and Sf6† would give White an entirely winning attack” (S. 218). Auf diese knappe Behauptung bezieht sich der Autor zwei Seiten weiter mit „when White has 3.Dxe5 with a completely winning position, as established earlier” (S. 220).
Das erscheint mir zu knapp, denn es wurde eben nicht vorher schon festgestellt. Deshalb ergänze ich hier nach 3.Dxe5: 3. ... Dxh6 4. Tg1†
4. ... Dg6
5.Txg6† hxg6
7.Sxd7 +–
4. ... Kf8
5.Dxh8†   
4. ... Kf7
5.Tf1† Kg8
6.Sf6† nebst Sg4† und Sxh6 +–
5. ... Kg6 6.Tf6
Es zeigt sich, dass es zu diesem wichtigen Thema noch vieles zu verdeutlichen gibt.  
Die Gedankenführung zur Stellung Nikolov – Papin  folgt zwar einem gut erkennbaren Faden aber keinem Schema, das auf jede Stellung anzuwenden ist. Zu den Kandidatenzügen äußert sich kurz aber instruktiv GM Jörg Hickl in Hickl 2009, S. 22.

Ein Lob den Lösungen, die häufig mit zusätzlichen Diagrammen durchsichtiger werden.
Jeder wird die Schwierigkeiten der Aufgaben anders einschätzen, im Allgemeinen treffen die Sterne, die die Schwierigkeiten der Aufgaben klassifizieren, jedoch zu.
Manchmal wünschte man sich auch Hinweise darauf, warum bestimmte Lösungen nicht funktionieren. So wäre bei #73 (S. 259) das sofortige 27. ... Ta1† ein schwerer Fehler. Nach 28. Lf1 Dh3 kann die weiße Dame auf d3 gehen und das Matt decken: Weiß gewinnt!
Weteschnik schreibt es zwar (wenn ich nichts Überlesen habe) nirgends explizit: wer am Zug ist soll gewinnen. Auch wenn es in den Beispielen in der Praxis nicht immer so war. Zur Aufgabe #242 setzte der Autor daher ausdrücklich ein =: Schwarz zieht und soll remis halten. Deshalb sucht man bei Aufgabe #290 (Schwarz am Zug; implizit: soll gewinnen) lange, bis man merkt, dass sich dort Schwarz am Zug ebenfalls ins Remis rettet (und keinesfalls gewinnt).
Das Layout des Buchs ist von hoher Qualität (Verlag Quality Chess). Einige Druckfehler fallen kaum auf. Einmal (S. 291) kippte der Sternetopf und klassifizierte die leichtesten Aufgaben der Rubrik „Opening and Closing Lines of Communication” #169 bis inklusive #174 mit 5 Sternen.
Chess Tactics from Scratch ist ein sehr gelungenes Kombinationsbuch. Anfänger ("from Scratch") wird es aber überfordern. Man sollte schon eine gewisse Spielstärke mitbringen um davon viel zu profitieren. Die intensive Lektüre schlägt sich dann auch in einer Steigerung der schachlichen Sehkraft und damit der Spielstärke nieder.
Links
WeteschnikChess Tactics from Scratch - 2nd Edition by Martin Weteschnik @Quality Chess
Besprechung: WeteschnikBook completed - Understanding Chess Tactics, 11 June 2012
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Literatur
Hickl, Jörg, Zude, Erik, & Schupp, Uwe (2009): Die Macht der Bauern: Strukturen, Pläne und Ideen für Vereinsspieler. Hünstetten: Schachreisen.
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Weteschnik WeteschnikMartin Weteschnik: Chess Tactics from Scratch: Understanding Chess Tactics. 2nd Edition. Glasgow: Quality Chess, 2014. Gebunden, 341 Seiten Weteschnik
Martin Weteschnik: Chess Tactics from Scratch: Understanding Chess Tactics. 2nd Edition. Glasgow: Quality Chess, 2012. Taschenbuch, 341 Seiten Weteschnik
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