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Kmoch
Hans Kmoch:
Die Kunst der Bauernführung. Ein Beitrag zur Schachstrategie

Berlin: Siegfried Engelhardt, 1956. Zweite verbesserte und erweiterte Aufl. 1967. 292 Seiten

 – Kmoch LinksKmoch Literatur

30. August 2020: Die Herkulesarbeit ist beendet.
Wohl hatte ich in Kmoch: Die Kunst der Bauernführung schon vor Jahrzehnten hineingelesen, aber erst 2020 durchgearbeitet.
Hans Kmoch  (* 25. Juli 1894 in Wien; † 14. Februar 1973 in New York City) ein in die USA vertriebener österreichischer Schachspieler und Schachjournalist.
Hans Kmoch wollte mit dem hier besprochenen Werk nicht nur die Bauernführung thematisieren, sondern auch das Zusammenspiel der Figuren bei gegebener oder zu verändernder Bauernformation und er wollte zeigen, wie man besondere Bauernstrukturen behandelt.
Diese Mammutaufgabe gelingt ihm mit Einschränkungen.
Schon der Untertitel "Ein Beitrag zur Schachstrategie" läßt erkennen, dass es sich um ein Buch zum Mittelspiel handelt. Die Kunst der Bauernführung im Endspiel muss man aus anderen Quellen erlernen.
Kmoch gliedert das erstmal 1956 erschienene Werk in drei Hauptabschnitte:

A) Elemente der Bauernführung
B) Bauern und Figuren
C) Die Bauernführung in der Partie

Diesen drei Abschnitten schließen sich ein (unvollständiges) Verzeichnis der Fachausdrücke des Verfassers und ein Verzeichnis der Partien an.
Schon nach kurzer Lektüre fällt auf, und viele Leser hat es im Laufe der Zeit von der Lektüre abgehalten, dass Kmoch sehr viele neue ungebräuchliche Ausdrücke verwendet.
Viele davon bleiben bedeutungslos und man hat sie zurecht bald vergessen, wie z.B. der Mittelschnapp (S. 30-31).
Einige davon – wie der Hinker für den rückständigen Bauern ("um die Verbauerung der Ausdrucksweise einzuschränken" (S. 23) – sind aber hilfreich.
Großen Wert legt Hans Kmoch auf die Beweglichkeit der Bauern (Hebelbildung) und die Fähigkeit, ein Spitzenduo zu bilden. Für die originelle Bezeichnung und die hilfreiche Erklärung stehe die "Feldfeger-Kombination", die eben einprägsamer ist als die Räumung eines Feldes (was sie bezeichnet). Genauer erläutert das Kmoch auf S. 120 – 121.
Im Text – leider nicht immer deutlich hervorgehoben – bringt Kmoch wertvolle Ratschläge, die mir nur teilweise von der Erstlektüre her präsent waren, beispielsweise: "Kandidat voran!"
Sicher stammen einige dieser Ratschläge von älteren Autoren, so aus Nimzowitsch: Mein System.

Auswahl von Kmochs Ratschlägen und Merksätzen
"Vordermann voran"
S. 21
Zum Tausch: "es ist nicht so wichtig, was verschwindet, sondern was bleibt"
S. 35
"Der Springer ist der Erzfeind des schlechten Läufers"
S. 39
"Wirken ungleiche Läufer oft verödend, ..."
S. 59
"Widder sind dem Springer willkommen, feindliche Einzelgänger und Hinker noch mehr. ..."
S. 62
"Der gegen g7 und h6 wirkende Sf5 bildet oft die Grundlage eines Angriffs gegen die kurze Rochade."
(Bekannt ist heute: "With a knight on f5 the game often wins itself")
S. 65
...
...

Bei den Bauernstrukturen musste Kmoch notgedrungen eine Auswahl treffen. Nicht immer (ich sagte es oben schon) sind seine Ausdrücke (wie z.B. Jürgensturm für den Bauernangriff auf die Drachenformation) heute noch geläufig. Oder es haben sich andere Bezeichnungen durchgesetzt, z.B. Botwinnikaufbau oder Botwinnikdreieck, das Kmoch unter "Britenwall" führt.
Für die meisten, der von Kmoch beahndelten Strukturen gibt er wertvolle Behandlungstipps.
Im Teil C) geht Kmoch mochmals auf einige der Bauernstrukturen ein und unterlegt sie mit Partiebeispielen. Naturgemäß sind alle Partien von dem Erst-Erscheinungsjahr 1956. Manche Partie könnte ausführlicher kommentiert sein. Sehr beeindruckt haben mich Ausführungen und Partien zur Rudi-Formation, eine rudimentäre Benoni-Formation (Diagramm 182, S. 111) mit Partien ab S. 232.
Kmoch: Die Kunst der Bauernführung könnte eine Modernisierung oder Erweiterung vertragen; vielleicht liegt die aber in einem der zahlreichen, später erschienenen Werke zur Bauernführung schon vor.
Kmoch: Die Kunst der Bauernführung wird oft genannt, wenn es um die einflussreichsten Strategiebücher geht.
Fernand Gobet, University of Nottingham, und Peter J. Jansen, Carnegie Mellon University, empfehlen in „Training in chess: A scientific approach”
  • Max Euwe: Urteil und Plan im Schach
  • Hans Kmoch: Die Kunst der Bauernführung
  • Aaron Nimzowitsch: Mein System
  • „with the addition of a more recent textbook”
Siehe unter Kmoch Literatur.
Ich empfehle vor der Lektüre der Bauernführung den Klassiker Mein System von Nimzowitsch zu bearbeiten. Die Kunst der Bauernführung wird dann jedem ab 1700 DWZ oder Elo sehr viel bringen. An den vielen nicht gebräuchlichen Fachausdrücken sollte man sich nicht stören.
Die Lektüre lohnt sich auf alle Fälle. Sehr zu empfehlen!
Allerdings ist die Fülle an Informationen (für mich) nur schwer merkbar. Für eventuelles Nachschlagen habe ich das Verzeichnis der Fachausdrücke (S. 288-289) erweitert.
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Hans Kmoch: Die Kunst der Bauernführung. Ein Beitrag zur Schachstrategie. Berlin: Siegfried Engelhardt, 1956. Zweite verbesserte und erweiterte Aufl. 1967.
Derzeit (August 2020) nicht lieferbar, nur die englische Ausgabe
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Kmoch KmochHans Kmoch: Pawn Power in Chess. Dover Chess 1990. Taschenbuch, 320 Seiten


Zusätzliche Buchempfehlung von Fernand Gobet, University of Nottingham, und Peter J. Jansen, Carnegie Mellon University:
Euwe Kmoch Max Euwe: Urteil und Plan im Schach. Joachim Beyer, 2015. Taschenbuch, 182 Seiten
Nimzowitsch
Kmoch Jens-Erik Rudolph, Hg., Aaron Nimzowitsch: Mein System. Ein Lehrbuch des Schachspiels auf ganz neuartiger Grundlage. Taschenbuch, 268 Seiten
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Kmoch Heinz Brunthaler: Mein System - Easy: Aaron Nimzowitschs klassisches Lehrbuch des Positionsspiels in gestraffter und modernisierter Form. Ullrich, 2007. Taschenbuch, 158 Seiten
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