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Helmut Kohl CDU
Auffallend ist der gebetsmühlenartige Hinweis der Politiker und der Medien auf Kohls angebliche unbestreitbare Verdienste.
Ich stelle sie nicht in Frage, ich bestreite sie schlichtweg. Hervorhebungen durch H.H.
Mit dem schwindenden Einfluß von Kohl trauen sich auch Kohls vormals Vertraute aus dem Nähkästchen zu plaudern. Karl Hugo Pruys, ehemaliger Kohl-Mitarbeiter, bekannt durch eine Kohl-Biografie, und Die Bibliothek. 44 Bücher, die man gelesen haben muss (pruys Literaturhinweise zum Literaturkanon) sagt es dem Leser schon im Titel: Helmut Kohl - Der Mythos vom Kanzler der Einheit (pruys Literatur über und von Helmut Kohl). Er kommt zum Ergebnis, daß Kohl den Ehrentitel "Kanzler der Einheit nicht verdient. Außenminister Eduard Schewardnadse (Außenminister der Sowjetunion (1985-90 und erneut von November bis Dezember 1991) streute 1986 (!) über diplomatische Kanäle, daß die neue sowjetische Führung die Einheit Deutschalnds befürworte. Diese Angebote wurden von Helmut Kohl nicht ernst genommen.
Pruys: Michail Gorbatschow hat Kohl definitiv die Einheit angeboten, Kohl hat abgelehnt und später der Veröffentlichung der Gesprächsprotokolle nicht zugestimmt. "Selbst jetzt [beim Fall der Mauer] stand Kohl auf der Bremse ... Weil Kohl bei gesamtdeutschen Wahlen eine Niederlage fürchtete. Und deshalb habe er auch den Umtauschkurs der DDR-Mark zur DM mit 1 zu 1 festgesetzt: um damit die Wahl zu gewinnen",
Karl Hugo Pruys in ”Das politische Buch”, 31.10.2004, Bayerisches Fernsehen
Journalisten wollen ihre Vorurteile vom Kanzler der Einheit ungern überprüfen. Da das "Geständnis" Helmut Kohls im Buch Helmut Kohl - Der Mythos vom Kanzler der Einheit fehlt, weist Peter Lösche Pruys Indizienbeweis als "ohne auf den geschichtlichen Zusammenhang zu achten" zurück. Die Argumente Pruys gibt Lösche in seiner Besprechung des Buchs im Konjunktiv wieder. Damit sind sie für ihn anscheinend widerlegt. Peter Lösche: "Kanzler gegen die Einheit", SZ, 8.11.2004, S. 17
Im Gegensatz zu den folgenden Lobeshymnen demontiert Hans-Olaf Henkel in Die Ethik des Erfolgs den Ex-Kanzler Kohl: "Es waren ausländische Politiker, die uns die Wiedervereinigung mundgerecht anboten. Helmut Kohl musste nur noch zugreifen" (S. 36). henkel Rezension Die Ethik des Erfolgs
"... denn unzweifelhaft hat er [Helmut Kohl] sich als Bundeskanzler Verdienste von historischer Bedeutung erworben." Kurt Kister, Süddeutsche Zeitung, 22.9.2000, S.4 Allerdings relativiert Kister sein Lob gleich anschließend: "Kohl war damals zur rechten Zeit am richtigen Platz."
SPD-Generalsekretär Franz Müntefering schrieb in der Bild am Sonntag: Niemand stellt die historische Leistung von Helmut Kohl in Abrede." zitiert nach Süddeutsche Zeitung, 7.8.2000, S.6
Immerhin relativiert Müntefering dies in einem Interview mit der Leipziger Volkszeitung wenige Tage später.
Kohls absurde Verschwörungstheorie: "All seine Gegner (Biedenkopf eben auch) hätten sich zusammengetan, um ihm zu schaden und ihm seine historischen Verdienste streitig zu machen." Süddeutsche Zeitung, 22.7.2000, S.4
Friedbert Pflüger, CDU, MdB: "Ich habe für sein Verhalten und seine Art im Untersuchungs-Ausschuss kein Verständnis. Niemand will ernsthaft seine historischen Verdienste in Frage stellen..." Süddeutsche Zeitung, 12.7.2000, S.5
Kommentar: richtig, ich stelle sie nicht in Frage, ich bestreite sie schlichtweg.

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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 31.10.2004