| Auffallend ist der
gebetsmühlenartige Hinweis der Politiker und der Medien auf Kohls
angebliche unbestreitbare Verdienste. Ich stelle sie nicht in Frage, ich bestreite sie schlichtweg. Hervorhebungen durch H.H. |
| Mit dem schwindenden Einfluß von Kohl
trauen sich auch Kohls vormals Vertraute aus dem Nähkästchen zu
plaudern. Karl Hugo Pruys, ehemaliger
Kohl-Mitarbeiter, bekannt durch eine Kohl-Biografie, und Die Bibliothek. 44
Bücher, die man gelesen haben muss ( Pruys: Michail Gorbatschow hat Kohl definitiv die Einheit angeboten, Kohl hat abgelehnt und später der Veröffentlichung der Gesprächsprotokolle nicht zugestimmt. "Selbst jetzt [beim Fall der Mauer] stand Kohl auf der Bremse ... Weil Kohl bei gesamtdeutschen Wahlen eine Niederlage fürchtete. Und deshalb habe er auch den Umtauschkurs der DDR-Mark zur DM mit 1 zu 1 festgesetzt: um damit die Wahl zu gewinnen", Karl Hugo Pruys in Das politische Buch, 31.10.2004, Bayerisches Fernsehen Journalisten wollen ihre Vorurteile vom Kanzler der Einheit ungern überprüfen. Da das "Geständnis" Helmut Kohls im Buch Helmut Kohl - Der Mythos vom Kanzler der Einheit fehlt, weist Peter Lösche Pruys Indizienbeweis als "ohne auf den geschichtlichen Zusammenhang zu achten" zurück. Die Argumente Pruys gibt Lösche in seiner Besprechung des Buchs im Konjunktiv wieder. Damit sind sie für ihn anscheinend widerlegt. Peter Lösche: "Kanzler gegen die Einheit", SZ, 8.11.2004, S. 17 |
| Im Gegensatz zu den
folgenden Lobeshymnen demontiert Hans-Olaf Henkel in Die Ethik des
Erfolgs den Ex-Kanzler Kohl: "Es waren ausländische Politiker, die uns
die Wiedervereinigung mundgerecht anboten. Helmut Kohl musste nur noch
zugreifen" (S. 36). |
| "... denn unzweifelhaft hat er [Helmut Kohl] sich als
Bundeskanzler Verdienste von historischer Bedeutung erworben." Kurt Kister, Süddeutsche Zeitung, 22.9.2000, S.4
Allerdings relativiert Kister sein Lob gleich anschließend: "Kohl war
damals zur rechten Zeit am richtigen Platz." |
| SPD-Generalsekretär Franz Müntefering
schrieb in der Bild am Sonntag: Niemand stellt die
historische Leistung von Helmut Kohl in Abrede." zitiert nach Süddeutsche Zeitung, 7.8.2000, S.6 Immerhin relativiert Müntefering dies in einem Interview mit der Leipziger Volkszeitung wenige Tage später. |
| Kohls absurde Verschwörungstheorie: "All seine Gegner
(Biedenkopf eben auch) hätten sich zusammengetan, um ihm zu schaden und
ihm seine historischen Verdienste streitig
zu machen." Süddeutsche Zeitung, 22.7.2000,
S.4 |
| Friedbert Pflüger, CDU, MdB: "Ich habe
für sein Verhalten und seine Art im Untersuchungs-Ausschuss kein
Verständnis. Niemand will ernsthaft seine
historischen Verdienste in Frage stellen..." Süddeutsche Zeitung, 12.7.2000, S.5 Kommentar: richtig, ich stelle sie nicht in Frage, ich bestreite sie schlichtweg. |