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Helmut Kohl CDU

das taz-gespräch. Auszüge vom 19.September 2000, S.4-5

taz: "... Erst seitdem Politiker aus dem Westen mit Stasi-Akten konfrontiert werden, taucht bei denen die Frage auf: Darf man das?"
Joachim Gauck, behördlicher Stasi-Akten Verwalter: "Wir müssen uns vor einer Banalisierung hüten, die da lautet: 'Niemand hat es interessiert, wie die Akten verwendet wurden, als bei uns im Osten Tausende von Biografien gebrochen wurden. Kaum dass im Westen jeamnd Bauchschmerzen hat, gibt es Probleme.' So reden Nostalgiker. Stattdessen muss man sehr genau hingucken und die Schicksale Inoffizieller Mitarbeiter der Staatssicherheit nicht mit den Problemen von Opfern der Stasi vergleichen. Und Helmut Kohl ist ganz sicher ein Opfer, dessen Akte grob rechtsstaatswidrig zustande gekommen ist. Allerdings ist das ja nicht nur bei ihm der Fall. Dasselbe gilt für einen hohen Prozentsatz der Stasi-Unterlagen: für Abhörprotokolle, Raumabhörung durch Wanzen, Ablichtung von geöffneten Briefen, Niederschriften von illegalen Wohnraumdurchsuchungen und anderes mehr. Trotzdem hat der Gesetzgeber festgelegt, dass diese Unterlagen im Rahmen eines Spezialgesetzes genutzt werden dürfen. Und zwar aus der Überzeugung heraus, dass es mehr Schaden anrichten würde, wenn man es nicht tut."
taz: "Was passiert, wenn sich der Altkanzler mit seiner Blockadehaltung durchsetzt?"
Gauck: "Es würde den politischen Diskurs verändern. In der Öffentlichkeit würde das Gefühl entstehen, dass man interessengeleitet eine aufklärerische Vergangenheitspolitik stoppen kann."

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