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Wissenschaft, Fortschritt, Kriterium
Wissenschaftlicher Fortschritt und sein Kriterium
LMU München - Institut für Philosophie – Fortschritt LiteraturFortschritt spätere Literaturergänzungen
1 Motivation der Fragestellung
2 Fortschrittskritik
2.1 Entwicklung
2.2 Metainduktion
3 Semantischer Aspekt: Was ist wissenschaftlichen Fortschritt?
3.1 Drei Auffassungen des wissenschaftlichen Fortschritts
3.1.1 Zeitliches Fortschreiten
3.1.2 Wissensvermehrung
3.1.3 Qualitativer Fortschritt
3.2 Wissenschaft
3.3 Kriterien für wissenschaftlichen Fortschritt
3.3.1 Auswahlverfahren
3.3.2 Naturbeherrschung
3.3.3 Erweiterung der wissenschaftlichen Kenntnisse
3.3.4 Lösen von Problemen
3.3.5 Empirisch adäquate Theorien
3.3.6 Zusammenfassende Gesetze
3.3.7 Konvergenz an die Wahrheit
4 Epistemologischer Aspekt: Kann man den wissenschaftlichen Fortschritt erkennen?
5 Gibt es wissenschaftlichen Fortschritt?
5.1 Gebiete ohne Fortschritt
5.1.1 Evolution
5.1.2 Kunst
5.2 Modelle
5.2.1 Fortschritt als Merkmal der Wissenschaft
5.2.2 Theorienfolge
5.2.3 Konvergenzmodell
5.2.3.1 Alternative Wissenschaftsentwicklung
5.2.3.2 Annäherung an die Wahrheit
5.2.3.3 Kritik
5.2.4 Karl Popper
5.2.4.1 Falsifikationismus
5.2.4.2 Fortschritt
5.2.4.3 Kritik
5.2.5 Thomas Kuhn
5.2.5.1 Wissenschaftliche Revolutionen
5.2.5.2 Kritik
5.2.6 Larry Laudan
5.3 Einwände zur Fortschrittsdebatte
5.3.1 Kumulierung von Wissen
5.3.2 Inkommensurabilität
5.3.3 Allgemeine Kritik
6 Wissenschaftlicher Fortschritt: endlicher oder endloser Prozeß?
Literaturverzeichnis
 
1 Motivation der Fragestellung
Die Frage, ob es wissenschaftlichen Fortschritt gibt und nach welchen Kriterien er sich beurteilen läßt, ist für den Wissenschaftsbetrieb wichtig. Sie ist eng verbunden mit der Frage: Beruht die Erkenntnis der Wissenschaft auf rationaler Grundlage? Karl Popper bezeichnet das Problem des Wachstums oder Fortschritts unseres Wissens als das zentrale Problem der Erkenntnislehre (Popper 1994, XIV). Wird die Frage nach dem wissenschaftlichen Fortschritt verneint, könnte man den Wissenschaftsbetrieb einstellen, zumindest wäre seine Förderung durch öffentliche Gelder zweifelhaft. Die Negation wissenschaftlichen Fortschritts würde auch einige grundlegenden Annahmen der Wissenschaftstheorie erschüttern. Insbesondere wäre das Abgrenzungsproblem zwischen Wissenschaft und Pseudowissenschaft betroffen. Ist die Grundlage der wissenschaftlichen Erkenntnis irrational, sind pseudowissenschaftliche Methoden wie Sterndeuterei oder Kartenlegen ebenso vertrauenswürdig wie wissenschaftliche. Ist das Ergebnis der Wissenschaft nur ein soziales Konstrukt wird die Autorität des Wissenschaftlers untergraben und Theoretiker wie Ian Hacking geraten in Rage: "What is true is that many science-haters and know-nothings latch on to constructionism as vindicating their impotent hostility to the sciences" (67). Die Beantwortung der mit dem wissenschaftlichen Fortschritt zusammenhängenden Fragen hat also schwerwiegende Folgen für unser Verständnis von Wissenschaft und für unser Weltbild. In diesem Essay möchte ich daher folgende Fragen beantworten:
a) Was ist wissenschaftlicher Fortschritt, welche Kriterien gibt es dafür? (Semantischer Aspekt)
b) Können wir den wissenschaftlichen Fortschritt, wenn es ihn denn gäbe, erkennen? (Epistemologischer Aspekt)
c) Gibt es wissenschaftlichen Fortschritt, genauer: gibt es Fortschritt bei den verschiedenen Modellen, die der wissenschaftlichen Entwicklung zugeschrieben werden?
Zunächst skizziere ich aber die historische Entwicklung der Fortschrittskritik.
fortschritt Anfang
2 Fortschrittskritik
2.1 Entwicklung
In der Antike und im Mittelalter wurde der Fortschritt in Wissenschaft, Kultur und Ethik zusammen gedacht. Wer entsprechendes Wissen hat, handelt nach Sokrates auch ethisch richtig. Mit dem wissenschaftlichen Fortschritt ist ein moralischer Fortschritt der Menschheit verbunden (Poser 137). Man begründete den Fortschritt mit der natürlichen oder göttlichen Weltordnung. Nach christlichem Glauben entwickelt sich die Menschheit zum Jüngsten Tag hin auf ein vorherbestimmtes geschichtliches Ziel. Der Fortschrittsgedanke in der Geschichte findet sich auch bei Georg Hegel und Karl Marx.
Ausgehend vom Optimismus der Empiristen wie Francis Bacon und der Rationalisten wie René Descartes nahm man in den Naturwissenschaften an, daß der Wissensbestand wächst. Dem anerkannten Wissen wird ständig neues hinzugefügt. Mit der Trennung der Naturwissenschaft von der Philosophie in der Neuzeit wurde der Glaube an den Fortschritt aber zunehmend kritisiert. Man stellte fest, daß der Fortschritt im Bereich von Sitte und Moral demjenigen in der Naturwissenschaft, z.B. der Physik, hinterherhinkt. Die Aufklärung wollte daher in Sitte und Moral mittels der Vernunft ebenfalls einen Aufschwung herbeiführen: Sapere aude! Rousseau kritisierte den Fortschrittsglauben und deutete die Geschichte als allenfalls zu verlangsamenden, gleichwohl irreversiblen Verfallsprozeß (Schmitz 758). Auch die Idee des Fortschritts wurde kritisiert, indem auf die unvermeidlichen negativen Folgen des Fortschritts hingewiesen wurde; hier besonders seit der Mitte des 20. Jahrhunderts unter ökologischen und ethischen Aspekten. Beispielsweise nenne ich die Kritik an der Nutzung der Atomenergie und die Kritik an der Genmanipulation.
In der Physik glaubte man am Ende des 19. Jahrhunderts alles Wesentliche erforscht und damit das Ende des Fortschritts erreicht zu haben. Bekannt ist die Anekdote, in der Max Planck von seinem Lehrer vom Studium der Physik abgeraten wurde, weil es da nichts mehr zu entdecken gäbe. Die großen Umwälzungen in der Physik im 20. Jahrhundert - pikanterweise gerade von Max Planck mit angestoßen - widerlegten nicht nur jenen Ratschlag, sondern gaben auch zahlreiche Beispiele für die These der Metainduktion.
2.2 Metainduktion
In der Geschichte der Wissenschaften wurden viele Theorien für wahr gehalten und doch früher oder später widerlegt. Auch die jetzt anerkannten Theorien sind gegen Widerlegung nicht gefeit. Was gibt uns die Berechtigung anzunehmen, unseren derzeitig anerkannten Theorien würde es anders ergehen? Der Glaube an einen Fortschritt ist nicht gerechtfertigt. Wer trotzdem auf dem wissenschaftlichen Fortschritt beharrt, benötigt daher gute Argumente, die im Folgenden in der oben schon genannten Dreiteilung geliefert werden sollen.
fortschritt Anfang
3 Semantischer Aspekt: Was ist wissenschaftlichen Fortschritt?
Prinzipiell sind zwei Sichtweisen des wissenschaftlichen Fortschritts zu unterscheiden (vorausgesetzt sei, der Fortschritt eines einzelnen menschlichen Individuums oder einer wissenschaftlichen Forschergruppe wird ausgeklammert):
a) Fortschritt durch Ausbreitung der wissenschaftlichen Methode, z.B. auf eine Disziplin, die bisher unwissenschaftlich arbeitete.
b) Fortschritt innerhalb der anerkannten wissenschaftlichen Disziplinen.
In diesem Essay wird nur die zweite Sichtweise berücksichtigt. Dieser Fortschritt kann relativ zu den bekannten Problemen und absolut verstanden werden. Selbst wenn relativ zu den erkannten Problemen kein Fortschritt feststellbar wäre, da immer neue Probleme und Fragen auftauchen, könnte doch absolut ein Fortschritt stattfinden. Die Frage des absoluten Fortschritts wird hier diskutiert.
3.1 Drei Auffassungen des wissenschaftlichen Fortschritts
3.1.1 Zeitliches Fortschreiten
Naiv könnte man unter Fortschritt schon ein zeitliches Fortschreiten, verbunden mit einem Wandel der Anschauungen, Theorien und Leitbilder verstehen. Diese Auslegung wäre aber zu umfassend und damit trivial. Sie würde wenig zum Verständnis beitragen.
3.1.2 Wissensvermehrung
Die quantitative Vermehrung von Wissen ist dagegen eine deskriptive Fortschrittsbeschreibung, die - sofern man zugesteht, daß diese Kumulierung von Wissen stattfindet - sehr wohl etwas über die Wissenschaft selbst aussagt. Selbst wenn man der Metainduktion folgt und auf dem Standpunkt steht, wissenschaftliche Theorien werden immer wieder verworfen, sei es durch Falsifikation (Popper) oder aufgrund revolutionären Paradigmenwechsels (Kuhn), so entsteht kein Wissensvakuum, sondern eine Theorien- oder Paradigmenersetzung, der man einen Wissenszuwachs schwerlich absprechen kann. Zumindest weiß man nach dem Wechsel, daß und warum die alte Theorie oder das alte Paradigma wohlbegründet verworfen wurde.
3.1.3 Qualitativer Fortschritt
Allgemein versteht man aber unter Fortschritt - und so soll der Begriff auch hier verstanden werden - "die Aufeinanderfolge von Formen oder Zuständen in dem Sinn, dass die zeitlich späteren zugleich die wertmäßig höheren sind" (Der Brockhaus, [CD-ROM] 1999). Oft wird dieser Fortschritt nur mit einem weltanschaulichen Fortschrittsglauben begründet. Dies ist der in der Einleitung genannten Tragweite der anstehenden Fragen nicht angemessen. Das Kriterium für die Begründung eines wissenschaftlichen Fortschritts soll daher genauer beschrieben werden. Vorher muß noch der zweite semantische Bestandteil im Ausdruck "wissenschaftlicher Fortschritt" abgesteckt werden. Welche Gebiete sollen hier als Wissenschaft in Betracht kommen?
3.2 Wissenschaft
In Metaphysische Anfangsgründe der Naturwissenschaft beschreibt Imanuel Kant jede Lehre, die ein systematisches, nach Prinzipien geordnetes Ganze der Erkenntnis ist, als Wissenschaft (IV 467). Ergänzt sei für die Ausführungen hier:
a) Wissenschaft ist rational und folgt anerkannten methodologischen Regeln. Dieses subsumierte Kant in der Forderung nach Prinzipien und seinem Verständnis von Erkenntnis.
b) Wissenschaft ist immer auch mit Forschung verbunden und publiziert das begründete und für gesichert erachtete Wissen der jeweiligen Zeit, stellt es damit für weitere Forschung und Kritik zur Verfügung.
Nicht unwesentlich ist die Auffassung Thomas Kuhns, der den Ausdruck "Wissenschaft" nur den Gebieten zugesteht, die einen Fortschritt aufweisen können (171). Dieses Kriterium für Wissenschaftlichkeit werde ich hier nicht verwenden, da erst geklärt werden soll, ob Wissenschaft wirklich fortschrittlich ist. Gelegentlich werde ich nicht nur wissenschaftliche Disziplinen, sondern auch andere Gebiete, wie z. B. die Kunst, zu Vergleichen heranziehen.
Für die nunmehr abgegrenzte Wissenschaft muß noch der Wertmaßstab ausgewählt werden, um sie auf den oben definierten qualitativen Fortschritt hin zu prüfen.
3.3 Kriterien für wissenschaftlichen Fortschritt
3.3.1 Auswahlverfahren
Zur Wahl einer geeigneten Grundlage für den wertsteigernden Fortschritt bietet sich eine pragmatische Herangehensweise, die vom beabsichtigten Ziel der Wissenschaftsausübung ausgeht, an. Schon bei der groben Auswahl unter den drei Auffassungen des wissenschaftlichen Fortschritts erkannte man, daß vom Kriterium des wissenschaftlichen Fortschritts sehr viel abhängt. Die verschiedenen Wissenschaftsziele führen zu verschiedenen Ansichten über die Erfolge der Wissenschaft (Ellis 167). Ich treffe daher die Wahl aus einer breiten Paletten von Wissenschaftszielen und wäge die folgenden Wertungskriterien ab: Naturbeherrschung, Erweiterung der wissenschaftlichen Kenntnisse, Lösen von Problemen, Postulieren von empirisch adäquaten Theorien, Entdeckung zusammenfassender Gesetze, Wahrheit bzw. Konvergenz an die Wahrheit.
3.3.2 Naturbeherrschung
Eine wichtige Motivation für den Wissenschaftsbetrieb ist die Umsetzung der gewonnenen Erkenntnis in technische Verfahren und Produkte, im weiteren Sinne, die Naturbeherrschung. Hans Poser schlägt daher die Naturbeherrschung, so wie sie Francis Bacon verstanden hat, als Kriterium des wissenschaftlichen Fortschritts vor. Er verwirft dieses Kriterium aber, da dann die Astronomie keinen Fortschritt aufzuweisen hätte (Poser 140). Ich stimme Poser darin zu, die Naturbeherrschung nicht zum alleinigen Fortschrittskriterium zu machen. Das aufgeführte Argument kann ich - zumindest in dieser Form - nicht gelten lassen. Vielleicht ist die Astronomie wirklich keine Wissenschaft. Nur weil Poser eine einzelne Disziplin nicht ausgrenzen will, kann man das Kriterium Naturbeherrschung nicht verwerfen. Die Kriteriumsauswahl darf nicht der Beliebigkeit verfallen. Allerdings kann man in einem weiteren Rahmen fordern, daß das zu suchende Kriterium nicht zu viele Gebiete der anerkannten Wissenschaften ausschließen sollte.
3.3.3 Erweiterung der wissenschaftlichen Kenntnisse
Die Vermehrung des Wissens ist sicher ein wissenschaftliches Ziel, das von den meisten Wissenschaftstheoretikern getragen werden kann. Als qualitatives Fortschrittskriterium taugt es aber nur, wenn wir es erweitern. So soll die Wissenschaft nach Thomas Kuhn nicht nur den Umfang stetig ausweiten, sondern auch die Kenntnisse in ihrer Exaktheit vertiefen (65). Bessere Theorien erklären mehr Beobachtungen und der Erfolg der Wissenschaftler konstituiert sich darin, daß ihre Theorien besser werden (Devitt 97). Einen Schritt weiter kann man den Wissenschaftsfortschritt einschränken auf das Lösen von Problemen.
3.3.4 Lösen von Problemen
Hat man ein Verfahren zur Lösung eines Problems, z.B. die Erstellung eines magischen Zahlenquadrats, so kann man die Ermittlung immer größerer magischer Quadrate einem Computer übertragen. Das faktuale Wissen wird erweitert, es taugt allenfalls für das Buch der Rekorde oder eine Talkshow. Das konzeptuelle Wissen wird dadurch nicht erweitert, es wird kein neues Problem gelöst. Gerade im Lösen von Problemen sehen aber viele Wissenschaftler das Ziel ihrer Disziplin (Laudan 1977, 124). Popper meint, in dieselbe Richtung stoßend, "das Ziel der empirischen Wissenschaft ist, befriedigende Erklärungen zu finden für alles, was uns einer Erklärung bedürftig scheint" (Popper 1998, 198; Hervorhebung im Original).
3.3.5 Empirisch adäquate Theorien
Bas van Fraassen verwirft in The Scientic Image das Wissenschaftsziel, Theorien zu entwerfen, die uns ein wahres Abbild der Welt geben (8) als zu ehrgeizig und unnötig weitreichend, und setzt dagegen das Ziel seines konstruktiven Empirismus. Die Wissenschaft zielt darauf ab, uns empirisch adäquate Theorien zu liefern (12). Ihre Vorhersagen müssen mit dem Beobachtungen übereinstimmen.
3.3.6 Zusammenfassende Gesetze
Sehr ehrgeizig ist das Ziel im Deduktiven Modell der Wissenschaft von Craig Dilworth. Der Fortschritt liegt hier darin, weitergehende Gesetze oder Theorien zu finden, die allgemein gültig sind (Dilworth 30). Obwohl dabei der Übergang in der Beurteilung der Wissenschaft gegenüber der qualitativen Wissensvermehrung fließend scheint, geht dieses Wissenschaftsziel doch unnötig weit.
3.3.7 Konvergenz an die Wahrheit
Eine weitverbreitete Ansicht bezeichnet die Wahrheit oder zumindest Konvergenz an die Wahrheit als Sinn und Zweck der Wissenschaft. Durch allmähliche (oder revolutionäre) Wissensanhäufung soll eine Annäherung an die Wahrheit erreicht werden. Diese Zielsetzung gilt schon Gottlob Frege als kaum diskussionsnötig: "Zwar haben alle Wissenschaften Wahrheit als Ziel" schreibt er in "Der Gedanke" (30) und kurz darauf erneut: "gemeint ist die Wahrheit, deren Erkenntnis der Wissenschaft als Ziel gesetzt ist" (31). Akzeptiert man dies, dann kann die Realismus-Antirealismus Debatte und die Debatte über die Wahrheit nicht ausgeschlossen werden und man handelt sich eine Dose mit Würmern ein (Devitt 124). Man eröffnet eine Diskussion, deren vielschichtige Probleme sich verselbständigen und über die man schnell die Kontrolle verliert.
Die Dose mit Würmern möchte ich in diesem Essay geschlossen halten. Um die Antwort auf die Frage: Gibt es wissenschaftlichen Fortschritt? nicht ausufern zu lassen, andrerseits aber dem Vorwurf eines zu trivialen Kriteriums zu entgehen, lege ich als Fortschrittskriterium für diesen Essay eine Erweiterung der konzeptuellen wissenschaftlichen Kenntnisse fest. Dies scheint mir als qualitative Wissensverbesserung gerade eine Stufe über der rein quantitativen Wissensmehrung und für die Diskussion angemessen zu sein. Dabei werde ich aber die strengeren Kriterien nicht aus dem Auge verlieren.
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4 Epistemologischer Aspekt: Kann man den wissenschaftlichen Fortschritt erkennen?
Die Beantwortung der erkenntnistheoretischen Frage, ob es prinzipiell möglich ist, den wissenschaftlichen Fortschritt - vorausgesetzt es gibt ihn - zu erkennen, hängt naturgemäß vom gewählten Kriterium ab. Hier stellt das Kriterium der Wahrheitskonvergenz schwierige Hürden auf. Setzt man es als Maßstab, so wird man vielleicht einen Fortschritt feststellen, aber es fehlen uns noch die Methoden, Definitionen und Kenntnisse um festzustellen, wie weit wir uns der Wahrheit nähern. Ich werde auf dieses Modell weiter unten eingehen. Das von mir oben vorgeschlagene Fortschrittskriterium macht die Beantwortung leichter. Die Vermehrung und Erweiterung der konzeptuellen wissenschaftlichen Kenntnisse ist prinzipiell feststellbar.
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5 Gibt es wissenschaftlichen Fortschritt?
Prima facie kann man erstaunen, daß diese Frage überhaupt auftaucht. Gibt es denn nicht auf allen Gebieten ständigen Fortschritt? Doch man kann, mit einem qualitativen Fortschrittskriterium als Maßstab, einige Gebiete außerhalb der Wissenschaft ohne Fortschritt aufzeigen. Diese Gebiete unterliegen, ähnlich den Wissenschaften, durchaus einer Entwicklung, sind also dynamisch. Ich werde exemplarisch zwei Gebiete ausführen. Das gibt der späteren Beantwortung der Frage, ob es Fortschritt in der Wissenschaft tatsächlich gibt, mehr Relevanz.
5.1 Gebiete ohne Fortschritt
5.1.1 Evolution
Nicht von allen akzeptiert ist doch die Evolution auf der Erde ein Beispiel für Entwicklung ohne qualitativen Fortschritt. Die zeitlich späteren Arten sind nur an den jeweiligen Lebensraum gut angepaßt; sie sind nicht besser angepaßt als ausgestorbene Arten in ihrer Blütezeit. Heutige Arten, wie z.B. der Zitronenfalter hätten in früheren tropischen Zeitaltern wenig Überlebenschancen. Oft wird eingewendet, daß doch eine Entwicklung zu komplexeren, angepaßteren Arten unverkennbar sei. Dem steht entgegen:
a) Dem natürlichen Artensterben entgehen gerade einfache Spezies am längsten; aufgrund ihrer einfachen Struktur und dadurch ihrer Winzigkeit, sind diese Arten aber nur im Blickfeld des Forschers.
b) Komplizierte Struktur ist an sich kein Qualitätsmerkmal.
c) Für den scheinbar offensichtlichen Fortschritt in der Evolution gibt es bislang kein überzeugendes Erklärungsschema.
Die Evolution schreitet voran, doch da sich der Lebensraum mit seinen Bedingungen ständig ändert, gibt es weder Stillstand noch Fortschritt im wertenden Sinne. Verglichen mit den Naturwissenschaften gibt es für die Evolution nicht eine oder mehrere feststehende Beschreibungen und damit eine oder mehrere "Ziele", an die sich die Entwicklung nähert. Die Evolution verfolgt ein "moving target", wie es ähnlich aus militärischen Radarsystemen bekannt ist, allerdings ohne das "Ziel" je zu treffen.
5.1.2 Kunst
Auf allen ästhetischen und künstlerischen Gebieten gibt es keinen Fortschritt im wertenden Sinne. In der Musik gibt es zwar eine Verbesserung der Instrumente, in der Malerei einen Fortschritt in den Techniken und damit einhergehend eine Ausweitung der Anwendung. Aufgrund der Subjektivität des ästhetischen Empfindens und dadurch fehlender allgemeingültiger Kriterien für einen eventuellen Fortschritt ist jedoch ein Streichquartett von Schostakowitsch nicht fortschrittlicher als eines von Beethoven, ein Bild von Picasso nicht fortschrittlicher als eines von Rubens. Die zeitlich späteren Werke sind dem jeweiligen Kunstgeschmack besser angepaßt oder zeitlich voraus. In der Kunst gibt es immer wieder starke Rückbesinnung auf die klassische Antike (Architektur, Literatur) oder vergangene Jahrzehnte (Mode). In der Naturwissenschaft wäre eine Rückkehr auf aristotelische Positionen nicht denkbar.
Ein wichtiger Unterschied der beiden Beispiele von Gebieten ohne Fortschritt ist, daß die künstlerische Entwicklung keine Falsifikation kennt. Bestehende ästhetische Ansichten werden ja nicht widerlegt, sondern man wird ihrer überdrüssig, man erfährt Lust an Neuem. Bei der Evolution ist gerade das Mittel der Falsifikation die vorwärtstreibende Kraft. Arten, die sich nicht rechtzeitig an veränderte Lebensverhältnisse angepaßt haben, sterben aus. Mit den Wissenschaften kennt die Evolution viele Sackgassen, ja in beiden Gebieten gibt es weit mehr Sackgassen (ausgestorbene Arten oder widerlegte Theorien) als derzeit lebende Arten oder gültige Theorien.
Dynamische Gebiete ohne Fortschritt gibt es also. Sehr wohl könnte es sich auch bei der Wissenschaft um ein Gebiet ohne qualitativen Fortschritt handeln. An einigen Modellen der Wissenschaftstheorie will ich nachweisen, daß es dort sehr wohl einen Fortschritt gibt.
5.2 Modelle
5.2.1 Fortschritt als Merkmal der Wissenschaft
Zunächst könnte man fragen: Ist es nicht geradezu ein Merkmal der wissenschaftlichen Methode, Fortschritt zu gewährleisten? Diese Auffassung findet man, wie bereits erwähnt bei Thomas Kuhn (171) und auch bei Ilkaa Niiniluoto. Der Fortschritt ist eine wesentliche Eigenschaft des wissenschaftlichen Wissens, die Wissenschaft unterscheidet sich von anderen Gebieten gerade durch ihre fortschrittliche Natur (Niiniluoto 427). Diese Auffassung wurde in den letzten Jahrzehnten erschüttert, indem der Wissenschaft kein großartiger Unterschied zur Nicht-Wissenschaft zugesprochen wurde (Feyerabend) oder die rationale Auswahl der konkurrierenden Theorien in Frage gestellt wurde (Kuhn).
Ich werde zunächst den Übergang von einer Theorie zu einer neuen beschreiben und dann am Modell der Wissenschaft als Annäherung an die Wahrheit und an ausgesuchten Positionen versuchen, die Einwände gegen den wissenschaftlichen Fortschritt zu entkräften.
5.2.2 Theorienfolge
Für die Entwicklung und den Fortschritt der Wissenschaft ist entscheidend, wie der Übergang von einer Theorie zu einer neuen abläuft. Was hat die neue im Vergleich zur alten Theorie zu leisten? Wie erfolgt die Auswahl unter konkurrierenden Theoriennachfolgern?
Berücksichtigt man eine gewisse Theorienresistenz, einen Widerstand der Wissenschaftler, eine alte Theorie T zugunsten einer neuen T' aufzugeben, wird man übereinstimmen, daß die neue Theorie einige Vorzüge aufweisen muß.
Eine neue Theorie T' wird nur angenommen, wenn sie Erfolge und Mißerfolge ihres Vorgängers erklärt (Lauth, Sareiter 136). Ähnlich meint Devitt, daß T' besser als T ist im Hinblick auf den theoretischen Erfolg. Den theoretischen Erfolg sieht er auf der Beobachtungsebene (97). T' liefert mehr wahre und weniger falsche Voraussagen als T (Devitt 123). Ihr empirischer Gehalt muß umfangreicher sein. Dies ist der Fall, wenn T' mehr und bessere Vorhersagen als die Vorgängertheorie ermöglicht. T' enthält die Problemlösungen von T und geht darüber hinaus. Selbst ein scharfer Fortschrittskritiker wie Paul Feyerabend sieht die Theorienfolge ähnlich. Neue Tatsachen, die von der alten Theorie nicht mehr erklärt werden können, erzwingen den Übergang zu T' (Feyerabend 933). T' muß entweder die anderen (verbleibenden) Theorien dieser Disziplin enthalten oder zumindest mit ihnen konsistent sein (923) (Fn1). Oft wird behauptet, die Auswahl konkurrierender neuer Theorien erfolge nicht nach wissenschaftlichen Kriterien. Und weitergehend: wenn diese Auswahl irrational erfolgt, ist der Fortschritt der Wissenschaft zweifelhaft. Ohne hier näher auf die Argumentation für die angebliche Irrationalität einzugehen, widerspreche ich der weiteren Implikation "wenn irrational, dann kein Fortschritt". Erfüllen alle zur Auswahl stehenden konkurrierenden Theorien die Kriterien, die wir an einen Fortschritt stellen, ist die Auswahlmethode nebensächlich, man könnte sogar würfeln. Trotz zufälliger Theorienwahl stellt sich der Fortschritt unausweichlich ein.
5.2.3 Konvergenzmodell
5.2.3.1 Alternative Wissenschaftsentwicklung
Viele Wissenschaftler legen der Wissenschaftsentwicklung ein Konvergenzmodell zugrunde. Die Konvergenz kann sich auf eine theoretische Beschreibung der Welt beziehen. Dabei kann man entweder von einer idealen, wahren Beschreibung oder auch von mehreren gleichmöglichen Beschreibungen ausgehen. Oder man kann ein Weltbild vertreten, das keine wahre Beschreibung kennt. Diese ontologischen Modelle sind für die Fortschrittsfrage wichtig. Man könnte die Ansicht vertreten, daß es zwar wissenschaftlichen Fortschritt gibt, die Wissenschaft sich aber in eine völlig falsche Richtung entwickelt.
Weitgehende Zustimmung wird die These erhalten, die Wissenschaft hätte ich sich in den letzten Jahrhunderten völlig anderen Bereichen zuwenden können. Statt Forschung in der Physik und Astronomie hätte die Menschheit sich mehr für Botanik und Medizin interessieren können. Strittiger ist die Anschlußfrage, ob bei verschieden denkbaren Wegen der Wissenschaftsgeschichte irgendwann doch dasselbe Ziel angesteuert oder gar erreicht werden würde. Ebenso gibt es keine Einigkeit zur Frage, ob eine andere oder gar völlig andere Physik denkbar ist. Folgt man der Argumentation Pickerings in Conctructing Quarks, hängt die Entwicklung einer Wissenschaft von der Gesellschaft ab. Eine andere Gesellschaft - diese ist sehr wohl vorstellbar - liefert eine andere Wissenschaft mit einer anderen Ontologie, z.B. ohne Quarks. Mit dieser These Pickerings setzt sich Ian Hacking auseinander. Während er Pickering zugesteht, daß der Weg der Physik sehr wohl hätte anders sein können, kommt Hacking zum Schluß, daß jede Physik die grundsätzlich gleiche Struktur entdeckt hätte, jede erfolgreiche Wissenschaft muß äquivalent zur derzeitigen Wissenschaft sein (74). Er beruft sich auf Steven Weinberg, der in seiner Besprechung des in der Wissenschaftsgeschichte berühmten Fall von Alan Sokal schrieb: "To put it another way, if we ever discover intelligent creatures on some distant planet and translate their scientific works, we will find that we and they have discovered the same laws" (Weinberg 1996). Schließt man sich der Ansicht Hackings und Weinbergs an, ist der Fortschritt gewährleistet. Doch auch beim Zugeständnis einer auf Dauer völlig anderen Entwicklung der Wissenschaft wird man innerhalb dieser Entwicklungslinie wieder Fortschritt vorfinden. Legt man der Wissenschaftsentwicklung ein Konvergenzmodell zugrunde, bedürfte die Fortschrittsfrage bei alternativer Entwicklung sorgfältiger Prüfung. Diese Modelle diskutiere ich im nächsten Abschnitt.
5.2.3.2 Annäherung an die Wahrheit
Die weitestgehende These für die Entwicklung der Wissenschaft ist die Behauptung, die Wissenschaft nähere sich einem Ziel. Dieses Ziel sei die einzig wahre Theorie (Fn2) oder eine von mehreren wahren Theorien. Dabei kann die Wahrheit als Grenzwert angesehen werden. Der Fortschritt einer Wissenschaft läßt sich in einer Annäherung an die Wahrheit, gegebenenfalls sogar quantitativ, ausdrücken.
In Analogie zur Lösung von mathematischen Gleichungen kann man mehrere Zusatzannahmen treffen (Niiniluoto 431).
a) Monotone Konvergenz: jede wissenschaftliche Erkenntnis bringt uns der Wahrheit näher.
b) Jede wissenschaftliche Erkenntnis, einmal erreicht, wird nicht mehr aufgegeben.
c) Endlicher Prozeß: die wissenschaftliche Wahrheit wird in endlich vielen Schritten gefunden.
d) Die wissenschaftliche Wahrheit ist die Grenze der sukzessiven Annäherung; ähnlich wie bei der Berechnung der Zahl immer mehr Stellen ausgerechnet werden.
5.2.3.3 Kritik
Selbst wenn man das Konvergenzmodell vertritt müssen keinesfalls alle Zusatzannahmen akzeptiert werden. Die Annäherung muß nicht monoton sein. Es könnte wie beim Grenzwert der Wahrscheinlichkeit sein: Nach 5 aus 10 Münzwürfen Zahl ist die Wahrscheinlichkeit p für den Münzwurf Zahl = ½ empirisch ideal erreicht. Sie könnte sich in den nächsten 15 Würfen, insofern nichts prinzipiell dagegen spricht, daß diese 15 Würfe alle Wappen zeigen, auf p = 5/25 = 0,2 verringern. Sie hätte sich nach mehr Versuchen, durch experimentellen Fortschritt in der Zeit, vom Ideal entfernt. Schlimmer, man kann beim Münzwurf nicht einmal einen einzuhaltenden (oder gar sich verengenden) Korridor der Annäherung an das Ideal angeben. Die Wahrheit entpuppt sich so als idealer Grenzwert endloser Bemühung. Trotz aller Annahmen über den wissenschaftlichen Fortschritt wäre es in diesem Modell durchaus über eine unbestimmte Zeit eine Entfernung vom Ziel möglich. Fortschritt bedeutet nicht, daß die Wissenschaft linear und monoton auf das Ziel lossteuert. Während man beim Münzwurf das Ziel kennt, ist dies in der Wissenschaft (noch) nicht der Fall.
5.2.4 Karl Popper
5.2.4.1 Falsifikationismus
Karl Poppers Antwort auf die These der Metainduktion ist der Falsifikationismus. Da wir immer nur eine begrenzte Anzahl von empirischen Fakten prüfen können, sind alle allgemeingültigen Aussagen nicht völlig bestätigbar. Popper betrachtet Theorien als Aussagensysteme. Wir können nie entscheiden, ob unsere Theorien allgemein gültig sind. All unser Wissen ist Vermutungswissen. "Wir wissen nicht, sondern wir raten" (Popper 1994, 223; Hervorhebung im Original). Popper verwirft daher rigoros die Induktion um von Einzelbeobachtungen (und seien es auch noch so viele) zu allgemeinen Aussagen zu gelangen. Wir können Theorien nur widerlegen. Ein Gegenbeispiel genügt um die Theorie zu falsifizieren und sie damit zu verwerfen. In vielen Ergänzungen zur Logik der Forschung kam Popper nicht umhin, den Bewährungsgrad, eine positive Bestätigung einer Theorie, auszubauen. Dabei vermied er es sorgfältig und fast missionarisch den Bewährungsgrad mit höherer Wahrscheinlichkeit für eine Theorie gleichzusetzen oder als einen Maßstab für die Wahrheitsnähe zu verwenden. Poppers Nachfolger wie Hans Albers oder Imre Lakatos verfeinerten die Theorienverwerfung aufgrund von Gegenbeispielen, da sie nicht der wissenschaftlichen Praxis entspricht. Den anerkannten Theorien ist eine beachtliche Widerstandskraft zuzusprechen.
5.2.4.2 Fortschritt
Der wissenschaftliche Fortschritt ist eine Kette von Versuch und Irrtum und ähnelt hierin der Evolution der Arten. Naturgesetze oder Theorien sind hypothetisch und werden immer nur vorläufig akzeptiert. Alle Erkenntnis ist unvollkommen. Popper selbst führt den Vergleich mit der Evolution aus. Der Untertitel von Objektive Erkenntnis lautet "Ein evolutionärer Entwurf". Im 7. Kapitel beschreibt Popper die Evolution und den Baum der Erkenntnis: "Das alles läßt sich so ausdrücken daß das Wachstum unseres Wissens das Ergebnis eines Vorgangs ist, der dem sehr ähnlich ist, was Darwin »natürliche Auslese« nannte; es gibt also eine natürliche Auslese von Hypothesen" (Popper 1998, 273; Hervorhebung im Original). Trotz allem verkennt Popper nicht, daß es wissenschaftlichen Fortschritt gibt. Eine zur Zeit t noch nicht widerlegte Theorie ist besser als die widerlegte Theorie (Fn3). "Denn sie erklärt nicht nur alles, was jene erklärte, und noch mehr; sie muß auch als möglicherweise wahr angesehen werden, da sie zur Zeit t nicht als falsch erwiesen ist" (Popper 1998, 14). Die unwiderlegte Theorie, die an die Stelle der widerlegten tritt, muß die Erfolge und Mißerfolge der widerlegten erklären. Sie erklärt mehr und besser. "Besteht sie die Prüfungen, so ist sie auch die am besten geprüfte der bisher betrachteten Theorien einschließlich aller ihrer Vorgänger" (Popper 1998, 16; Hervorhebung im Original). Die noch nicht widerlegten Theorien sind möglicherweise wahr. Das werden wir aber - nach Popper - nie feststellen können. Eventuell widerlegen wir eine dieser Theorien, dann wissen wir, daß sie falsch ist. Dies erinnert stark an das Halteproblem und das Entscheidbarkeitsproblem. Wir können bei einem Programmen auf einer Turingmaschine, solange es läuft nicht wissen: wird es nie halten oder haben wir nur noch nicht lange genug gewartet. Wir können es nicht entscheiden. Trotz der Einschränkung auf der Ebene einzelner Theorien betont aber Popper an vielen Stellen den Fortschritt insgesamt: "Aller Erkenntnisfortschritt besteht in der Verbesserung des vorhandenen Wissens in der Hoffnung, der Wahrheit näherzukommen" (Popper 1998, 73; Hervorhebung im Original).
5.2.4.3 Kritik
Popper will jeden Verdacht der Induktion oder Verifikation vermeiden. Dazu muß er den Bewährungsgrad von Theorien einführen, will aber jeden Anschein einer auch nur komparativen Ordnung relativieren. Sei es, daß er die Ausdrücke wie "besser" in Anführungszeichen setzt oder abschließend bemerkt: "Es gibt keine Garantie, daß wir Fortschritt zu besseren Theorien machen werden" (Popper 1998, 17; Hervorhebung im Original). Verfolgt er gerade andere Gedanken, wie oben der Vergleich mit der Evolution, rutscht ihm aber schon mal das Wachstum unseres Wissens ohne Anführungszeichen und ohne anschließende Einschränkung in den Text. Oder er nennt fortgesetztes Wachstum als Voraussetzung für den rationalen und empirischen Charakter der wissenschaftlichen Erkenntnis. Ähnlich wie bei Thomas Kuhn verliert die Wissenschaft ihren rationalen und empirischen Charakter (und ist dann wohl keine Wissenschaft mehr), wenn sie aufhört zu wachsen (Popper 1963, 215).
5.2.5 Thomas Kuhn
5.2.5.1 Wissenschaftliche Revolutionen
Thomas Kuhn stellte in seinem epochalen Werk Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen [The Structure of Scientific Revolutions] den wissenschaftlichen Fortschritt als ständigen, kumulativen Wissenszuwachs in Frage (17). Er unterscheidet verschiedene Phasen in der Wissenschaftsentwicklung. Erst wenn sich allgemein anerkannte Grundlagen einer Wissenschaft herausgebildet haben, wertet Kuhn diese als normale Wissenschaft, auf die sich seine Überlegungen beziehen. Diese Basis, die konzeptuelle Weltsicht der normalen Wissenschaft, nennt er Paradigma. Es ist breit genug um wissenschaftliche Forschung zu ermöglichen, aber auch offen um den Fachleuten alle möglichen ungelösten Probleme zu stellen (25).
Die wissenschaftliche Forschung folgt nunmehr eine gewisse Zeit diesem Paradigma und versucht Anomalien durch Theorienanpassung und genauere Meßmethodik zu beheben. Die Anomalie wird dadurch zum Erwarteten (66). Die normale Wissenschaft - es ist in Bezug auf Kuhns Postskriptum wichtig darauf hinzuweisen - ist für Kuhn "ein höchst kumulatives Unternehmen, höchst erfolgreich bezüglich ihres Zieles, der stetigen Ausweitung des Umfangs und der Exaktheit wissenschaftlicher Kenntnisse" (65). Aufgrund der Beschränkung des Gesichtskreises der Wissenschaftler, sozusagen ihrer Betriebsblindheit, besteht ein beträchtlicher Widerstand gegen jede grundsätzliche Paradigmaveränderung (77). Im Laufe dieses kontinuierlichen Prozesses treten aber irgendwann unüberwindliche Anomalien auf, die Wissenschaft wird reif für eine starke Veränderung. Erst wenn Kandidaten für neue wissenschaftliche Theorien zur Verfügung stehen, kann die Entwicklung innerhalb dieser Wissenschaft vorangetrieben werden. Die bestehenden Paradigmen werden verworfen und durch neue ersetzt. "Diese Umwandlungen der Paradigmata ... sind wissenschaftliche Revolutionen, und der fortlaufende Übergang von einem Paradigma zu einem anderen auf dem Wege der Revolution ist das übliche Entwicklungsschema einer reifen Wissenschaft" (27). Um als neues Paradigma angenommen zu werden, muß eine Theorie besser erscheinen als die konkurrierenden. Sie muß aber keinesfalls alle aufgetretenen Anomalien erklären (32). Der Austausch der Paradigmen, die wissenschaftliche Revolution, ist eine nichtkumulative Entwicklungsepisode (104), die kumulative Erwerbung radikaler Neuheiten bezeichnet Kuhn als "fast nicht existente Ausnahme von der Regel wissenschaftlicher Entwicklung" (108). Die sich ablösenden Paradigmen sind gegensätzlich und "unversöhnbar" (115). Die neue Phase der Wissenschaft ist mit der vorangegangenen unvereinbar, mehr noch: inkommensurabel (116).
Während Kuhn den Zwischenphasen durchaus kumulativen Charakter im Wissenszuwachs zuerkennt, kann man dies für die revolutionären Paradigmenwechsel bezweifeln. Doch nicht umsonst benennt Kuhn sein dreizehntes und letztes Kapitel "Fortschritt durch Revolutionen". Er sieht also auch in der revolutionären Phase einen Fortschritt. Neue Paradigmen werden keinesfalls so ausgewählt, daß auf längst überholte Positionen zurückgegangen wird. Die Wissenschaftler sind nur ungern dazu bereit, einen Standpunkt einzunehmen, der schon gelöst geglaubte Probleme wieder zur Debatte stellt (180). Der Rückschritt wird ausgeschlossen.
5.2.5.2 Kritik
Dabei versäumt es Kuhn aber hier auf die von ihm behauptete Inkommensurabilität einzugehen. Sie erscheint mir ein wichtiges Hindernis einen Fortschritt festzustellen. Wenn man zwei Stadien in der Entwicklung nicht vergleichen kann, weil die zugrundeliegenden Konzepte und Konstrukte unvergleichlich sind, fällt es schwer, einen Fortschritt festzustellen. Ich werde auf die Inkommensurabilität in einem späteren Abschnitt eingehen. Im Postskriptum gesteht Kuhn zu, daß unter der Voraussetzung der Inkommensurabilität nicht von einer Überlegenheit einer Theorie gesprochen werden kann. Statt dessen erfolgt die Auswahl durch Überredung (210). Dies erscheint mir völlig unbefriedigend und entgegengesetzt zu Kuhns Anerkenntnis des Fortschritts durch Revolutionen.
Kuhn schränkt andrerseits ein, daß mit dem Fortschritt durch Revolution die Wissenschaft nicht näher an die Wahrheit herankommt. Er lehnt ein von der Natur gestecktes Ziel für den Wissenschaftsfortschritt ab (182). In dieser Beziehung vergleicht er den wissenschaftlichen Fortschritt mit der Evolution. Zurecht spricht er auch dieser ein Ziel, sei es von einem Gott oder der Natur vorgegeben, ab (183).
5.2.6 Larry Laudan
Ein vielseitiger Kritiker allzu leichtfertigen Wissenschaftsfortschritts ist Larry Laudan. Er wendet sich aber in "A Confutation of Convergent Realism" nicht gegen den wissenschaftlichen Fortschritt, sondern argumentiert gegen den konvergenten epistemologischen Realismus. Diesen charakterisiert er mit verschiedenen Thesen, von denen hier insbesondere R1 relevant ist.
R1: Wissenschaftliche Theorien sind annäherungsweise wahr und neuere Theorien sind näher an der Wahrheit als ältere desselben Wissenschaftsgebiets (Laudan 1998, 1115).
Laudan weist nach, daß Theorien sehr erfolgreich sein können, obwohl sie falsch sind. Erfolg ist damit keine geeignetes Indiz für Wahrheitsnähe (1122). Man wird seiner Folgerung zustimmen, daß die Ausarbeitung der Wahrheitsannäherung derzeit noch zu ungenau ist, um sie auf Theorien anzuwenden, insbesondere um sie zur Grundlage einer These für den wissenschaftlichen Fortschritt zu machen.
In "Progress or Rationality? The Prospects for Normative Naturalism", einem Artikel, der im Original später erschien als der zuvor erwähnte, greift Laudan die Methode der Theorienauswahl an. Er führt hochrangige Zeugen wie Feyerabend, Kuhn, Lakatos, aber auch Quine, Popper, Hacking und Rorty dafür an, daß die Auswahl der Theorien allen möglichen Kriterien folge, nicht aber rationalen. Eine normative Methode zeigen die von ihm genannten Autoren nicht auf (Laudan 1996, 194). Auf der Metaebene der Methodenauswahl argumentierend, meint Laudan, daß die Methodologie höchst zweifelhaft ist, wenn man zugeben muß, daß man nur die Wahl zwischen mehr oder minder zufälligen Methoden hat. Für Laudan sind zwei Punkte für den wissenschaftlichen Fortschritt wichtig. Neben die Methodologie setzt er als zweiten die Frage nach den Zielen der wissenschaftlichen Bestrebungen (213). Das wichtigste Ziel der Wissenschaft sieht er im Lösen von Problemen (Laudan 1977, 124). Laudan dreht freilich den Spieß herum. Er erklärt nicht den wissenschaftlichen Fortschritt anhand von Rationalität, sondern sagt, es ist wissenschaftlich rational das zu tun, was zum Fortschritt beiträgt (Laudan 1977, 124). Und nochmals explizit: Rationale Entscheidungen zu treffen heißt, Entscheidungen zu machen, die fortschrittlich sind. In einem wichtigen Klammerzusatz erläutert er diesen intendierten Fortschritt. Die anzunehmenden Theorien sind dann fortschrittlich, wenn sie die Effektivität zum Lösen von Problemen erhöhen (125).
5.3 Einwände zur Fortschrittsdebatte
5.3.1 Kumulierung von Wissen
Bei einigen Entwicklungsmodellen habe ich bereits kritische Bemerkungen aufgeführt. Hier gehe ich zuerst auf zwei spezielle Begriffe der Diskussion ein und schließe mit allgemein kritischen Anmerkungen.
Die reine Anhäufung von Wissen hatte ich zwar gleich zu Beginn, da zu wenig ehrgeizig, als Fortschrittskriterium vernachlässigt, möchte sie aber noch kurz beleuchten.
Niiniluoto nennt drei wichtige Argument gegen die naive Sicht des wissenschaftlichen Fortschritts als Kumulierung von Wissen (429):
a) Wissenschaftliche Theorien sind im Prinzip falsifizierbar, sie sind nicht unabänderlich im Wissensbestand.
b) Die Annahme des linearen Wissenszuwachs ist bezweifelbar; derzeit wissenschaftlich anerkannte Aussagen können zukünftig neu bewertet oder gar verworfen werden.
c) Der Wahrheitswert von wissenschaftlichen Aussagen kann falsch sein.
Die realistische Sicht, die der Kumulierungsansicht zugrunde liegt (Wahrheit als Ziel der Wissenschaft und Wissenschaft ist erfolgreich in Bezug auf dieses Ziel), ist bezweifelbar. Wie die bisherigen Ausführungen gezeigt haben, kann man sehr wohl andere, ausgefeiltere Modelle der Wissenschaftsentwicklung vertreten und trotzdem einen Fortschritt feststellen.
5.3.2 Inkommensurabilität
Konkurrierende Theorien sind nach Thomas Kuhn inkommensurabel. Ihre Begriffe und Normen sind hochgradig theorienbelastet. Die Befürworter konkurrierender Theorien üben ihre Tätigkeit in verschiedenen Welten aus. Was der einen Gruppe von Wissenschaftlern evident erscheint, kann der anderen Gruppe nicht einmal demonstriert werden (161). Da drängt sich die Frage auf: Wie ist im Rahmen dieser Einschätzung Kuhns ein rationaler Vergleich zwischen konkurrierenden Theorien möglich? Solch ein Vergleich erfordert einen theorienunbelasteten Standpunkt. Ein Fortschritt in der Wissenschaft wäre kaum feststellbar, da an den entscheidenden revolutionären Schnittpunkten die Theorien nicht zu vergleichen wären. In seinem Postskriptum von 1969 zu Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen schwächt Kuhn freilich ab. Die Wissenschaftler, die konkurrierende Theorien vertreten, verwenden dieselben Ausdrücke verschieden, sie können "notwendigerweise keine vollständige Verständigung erzielen" (210). Dies verharmlost gegenüber dem Hauptteil des Werkes zu sehr, suggeriert es doch, daß sehr wohl eine Verständigung möglich sei, ein paar Abstriche müssen hingenommen werden. Unmittelbar darauf wird Kuhn seiner eigenen Inkommensurabilitätsthese wieder gerechter. Die Überlegenheit einer der konkurrierenden Theorien sei nicht nachzuweisen. Die eine Partei müsse die andere überreden. Gleichzeitig weist er aber den Vorwurf der irrationalen Theorienauswahl zurück (210) und kommt zu der Ansicht, daß spätere wissenschaftliche Theorien besser als frühere geeignet sind, die Probleme zu lösen (217). Nicht umsonst wurde gerade der Begriff der Kuhnschen Inkommensurabilität von seinen Nachfolgern, z.B. Imre Lakatos näher spezifiziert, um ihn vom Anschein des Relativismus zu befreien. Bei der Inkommensurabilitätsthese scheint mir eine differenziertere Betrachtung notwendig, wie sie beispielsweise John Worrall aufzeigt. Er unterscheidet einen radikalen Wechsel der ontologischen Ideen, während er auf struktureller Ebene ein kumulatives Wachstum feststellt (160).
5.3.3 Allgemeine Kritik
In der gesamten Diskussion besteht die Gefahr, daß Begriffe gegenseitig erklärt werden. So wird gesagt, Fortschritt ist gewährleistet, wenn man rational vorgeht. Theorien auszuwählen, die mehr Probleme lösen, sei rational. Fortschritt besteht in leistungsfähigeren Theorien. Wissenschaft hat Problemlösung als Ziel. Diese manchmal zirkuläre Argumentation legt den Schluß nahe, daß ein holistisches Herangehen angezeigt ist.
Einige Autoren, besonders Popper und Kuhn, tragen ihre im Kern berechtigten Thesen zu apodiktisch vor. Sie übersehen: Die Wissenschaftler arbeiten nicht nur deduktiv und sie können sich trotz unterschiedlicher Paradigmen sehr wohl verständigen. Popper und Kuhn geraten dadurch in Argumentationsschwierigkeiten. Ich habe diese bei Poppers radikaler Ablehnung der Verifikation und Kuhns These der Inkommensurabilität ausgeführt. Ihnen nachfolgende Theoretiker haben die Gedankengebäude Poppers und Kuhns ausgearbeitet, berichtigt und erweitert.
Wenn man die Theoretiker, denen zugeschrieben wird, den wissenschaftlichen Fortschritt in Frage zu stellen, aufmerksam liest, gewinnt man den Eindruck, das sie letztendlich doch den Fortschritt anerkennen; manchmal erst in das Hauptwerk ergänzenden Schriften. Kuhn ist vom wissenschaftlichen Fortschritt überzeugt: "Spätere wissenschaftliche Theorien sind besser als frühere geeignet, Probleme in den oft ganz unterschiedlichen Umwelten, auf die sie angewendet werden, zu lösen. Dies ist keine relativistische Position, und in diesem Sinne bin ich fest überzeugt vom wissenschaftlichen Fortschritt" (217). Feyerabend nennt zwar Voraussetzungen, billigt damit aber indirekt die These vom wissenschaftlichen Fortschritt: "Discussion of incompatible facts will therefore lead to progress" (934) und "Flexibility, and even slopiness in semantical matters is a prerequisite of scientific progress" (941).
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6 Wissenschaftlicher Fortschritt: endlicher oder endloser Prozeß?
Nicht nur die bisher behandelte und bejahte Frage: Gibt es wissenschaftlichen Fortschritt? ist interessant, sondern auch die weitergehende: Wird es immer wissenschaftlichen Fortschritt geben? Diese Frage hat mit dem Abgrenzungsproblem zwischen Wissenschaft und Pseudowissenschaft zu tun, wenn man den Fortschritt geradezu als Merkmal der Wissenschaft ansieht und ihn damit als Abgrenzungskriterium ansieht. Der Pseudowissenschaft wird Stillstand zugeschrieben.
Die Argumentation für einen immerwährenden Wissenschaftsprozeß könnte so geführt werden:
(1) Die Welt ist unbegrenzt
(2) Menschliches Wissen ist begrenzt
(3) Die Wahrheit über die Welt kann nie völlig erreicht werden.
Erster Einwand: Beispiel für die Unendlichkeit des faktualen Wissens: es wird immer eine Primzahl geben, die wir noch nicht kennen. Dazu kann man einwenden, daß sich die Wissenschaft nicht mit Faktenwissen beschäftigt (Fn4), sondern mit Konzepten. Es ist fraglich, ob die Welt der Konzepte unbegrenzt ist, ob also dafür die Prämisse (1) zutrifft. Bestreitet man dies, so könnte es sein, daß eines Tages eine einzige, allumfassende (wahre) Theorie anerkannt wird.
Zweiter Einwand: Das menschliche Wissen ist zwar begrenzt, doch auch begrenztes Wissen kann prinzipiell unendlich viele Sachverhalte abdecken. Newtons Gravitationsgesetze gelten für alle Körper. Das noch zu erforschende konzeptuelle Wissen könnte sich daher eines Tages erschöpfen.
Die Frage: Ist die Wissenschaft ein endlicher oder endloser Prozeß? ist, denke ich, wieder analog zum Halteproblem aufzufassen. Solange die "Wissenschaftsmaschine" läuft, das heißt, solange wissenschaftliche Fragen offen sind, ist das Halteproblem nicht lösbar. Wir können nicht entscheiden. werden immer neue Fragen auftauchen, geht der wissenschaftliche Fortschritt immer weiter? Die Wissenschaft kann einerseits unaufhörlich fortschreiten und nie die umfassende wahre Theorie erreichen. Die Wissenschaft könnte sogar die umfassende wahre Theorie erreichen, aber wir würden diesen Umstand nicht feststellen können.
Die Wissenschaft entwickelt die sich ablösenden Theorien T1, T2, ... Tn-1, Tn . Sie kann, solange Fragen offen sind, nicht entscheiden, ob Tn die endgültige, wahre Theorie ist. Selbst wenn die Fragen scheinbar alle beantwortet sind, kann nicht entschieden werden, ob diese Antworten korrekt sind.
Nimmt man den Fortschritt einer Disziplin gar als Abgrenzungskriterium, wäre eine Wissenschaft, hätte sie das ideale Endziel erreicht und wäre damit zum Stillstand genötigt, zur Pseudowissenschaft degradiert. Ich stimme den Überlegungen Robert Almeders zu, daß es zwar einige Anzeichen dafür gibt, daß es Wissenschaft in alle Ewigkeit geben wird, doch keine dagegen. Wir haben das Recht und die Pflicht anzunehmen, daß wissenschaftliches Forschen immer andauern wird (Almeder 242).
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Fußnoten
(Fn1) Feyerabend plädiert sogar für eine gewisse Inkommensurabilität zwischen den Theorien als Voraussetzung für wissenschaftlichen Fortschritt (941 und 943). – zurück
(Fn2) Die interessante Frage, ob es eine wahre Theorie geben kann, klammere ich aus. – zurück
(Fn3) "besser" setzte Popper im Original in Anführungszeichen. – zurück
(Fn4) Zu prüfen wäre, ob diese Feststellung für alle Wissenschaften, so z.B. auch Biologie, Geschichte gilt. – zurück
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Wissenschaft, Fortschritt, Kriterium
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