| Ulrich Kutschera: Streitpunkt Evolution.
Darwinismus und Intelligentes Design Münster: Lit, 2004. 311 Seiten |
|||
| Eine beliebte Riposte im Usenet ist: "Wer Lesen kann, ist klar im Vorteil". Einige Kommentare zu diesem Buch im Internet bedauern, dass es wenig zum Thema Schöpfung sagt. Wer kann das erwarten, wo doch der Untertitel spezifiziert, dass es um Darwinismus und Intelligentes Design geht? Ebenso kann man weder ein Lehrbuch zur Evolution noch eines zur Bibelauslegung erwarten. Es geht vielmehr um den Streit zwischen Evolutionsanhängern und Gegnern, die das vermeintliche intelligente Design in die Diskussion einbringen. Ich erwarte also eine Streitschrift, die entweder den Streit nüchtern darlegt oder für eine der beiden Seiten Stellung bezieht. Genau das bekommt der Leser: Kutschera setzt sich dafür ein, dass im wissenschaftlichen und schulischen Umfeld einzig die Evolution gelehrt und publiziert wird. | |||
Seine Argumentation
ist mehrteilig:
|
|||
| Einen breiten Raum in dieser frisch geschriebenen Untersuchung nimmt ein Streit zwischen einem Evolutionsgegner und dem Autor ein. Von Anfang ging es dabei hauptsächlich darum, dass eine religiöse Stellungnahme (wenn man obiger Argumentation folgt, sind die angesprochenen Anti-Evolutionsstandpunkte religiöse Positionen) nicht auf die Webauftritt einer (mit öffentlichen Geldern finanzierten) wissenschaftlichen Institution gehört. Dass es dazu zum Streit kommt verwundert. Mir (und jedem sollte es ebenso gehen) ist klar, dass ein Lehrer, der seinen Schülern im Physikunterricht beibringt: die Erklärung der Gravitation durch Newton und seine Anhänger hat Lücken und deshalb muß angenommen werden, ein Geist lasse die Äpfel auf die Erde fallen und zwar so, dass dies genau nach dem (fiktiven) Gravitationsgesetz geschieht, nicht an einer öffentlichen Schule lehren kann und seine Ideen gefälligst auf seiner privaten Homepage veröffentlichen soll (wenn es denn sein muß). | |||
Streitpunkt
Evolution
|
|||
| Kutschera geht auf
das Design Argument William Paleys ( |
|||
| Freilich gibt es auch
Kritik am Vorgehen Kutscheras. Er versäumt es von Anfang an, seinen Begriff des Kreationismus klarzulegen. Er setzt (was mir erst im Verlaufe der Lektüre klar wurde) Kreationismus mit Schöpfungsglauben gleich. Ich (und einige im Buch zitierte Kritiker) definiere Kreationismus enger. Der Kreationist bestreitet nach meiner Vorstellung immer auch mindestens einen Kernpunkt der Evolution, also indem er beispielsweise behauptet, Gott habe alle heute lebenden Arten auf einen Schlag und von Anbeginn geschaffen. Wer dagegen zusätzlich zur Evolution noch annimmt, dass dabei ein intelligenter Schöpfer beteiligt war, gilt für mich nicht als Kreationist in diesem Sinne. |
|||
| Design Argument "There cannot be design without a designer; contrivance without a contriver; order without choice; arrangement without anything capable of arranging; subservience and relation to a purpose without that which could intend a purpose; means suitable to an end, and executing their office in accomplishing that end without ever having been contemplated or the means accommodated to it. Arrangement, disposition of parts, subservience of means to an end, relation of instruments to a use imply the presence of intelligence and mind. [...] The marks of design are too strong to be got over. Design must have had a designer. That designer must have been a person. That person is GOD." William Paley: Natural Theology; Dem ersten Satzteil "There cannot be design without a designer" stimme ich uneingeschränkt zu, da es für mich eine Tautologie ist. Der Folgesatz "relation to a purpose without that which could intend a purpose" ist ähnlich der These John Searles: "Alle Funktionen sind beobachterabhängig" (siehe: |
|||
| Einige lästige Druckfehler (z.B. Silben-Trennungsstriche im Text) sind nicht dem Autor anzulasten. | |||
| Streitpunkt Evolution sorgt für Klarsicht im Streit zwischen Biologie (Evolution) und Anti-Evolutionisten (Kreationisten, ID-Anhängern). Wer mitdiskutieren will sollte es lesen. | |||
| Werner Josef Gieffers, Köln (2004):
Buchrezension zu: Ulrich Kutschera, Streitpunkt Evolution Darwinismus
und Intelligentes Design; pdf-Datei siehe |
|||
| Anmerkungen zu dieser Rezension:
Schon in der Einleitung stellt Gieffers fest: "Die naturwissenschaftlichen Daten, die angeführt werden, können die behaupteten Mechanismen einer Evolution vom Einzeller bis zum Menschen (Makroevolution) naturwissenschaftlich nicht belegen". Etwas später schreibt er: "Mit dem Thema einer Evolution haben diese Religionsattacken gar nichts zu tun und nerven den Leser, der eigentlich über Evolution etwas erfahren möchte." Kutschera will mit Streitpunkt Evolution kein Lehrbuch der Evolution vorlegen. Das sollte Evolutionsbiologie vom selben Autor leisten (das ich allerdings nicht kenne; siehe Von "Religionsattacken" sprechen viele Leute sofort dann, wenn gefordert wird, Religion und Staat zu trennen oder Religion und Wissenschaft nicht zu vermengen. Dieselben Leute werfen nach meiner Erfahrung Wissenschaftlern gerne vor, dass die naturalistische Prämisse der Wissenschaft eine Weltanschauung sei und man dürfe doch keinesfalls eine Weltanschauung mit Wissenschaft vermengen. Gieffers schreibt durchgehend in seiner Buchrezension von fehlenden Beweisen, wie überhaupt von etablierten Theorien gerne Beweise gefordert werden. Diesen Mechanismus spricht Kutschera in Streitpunkt Evolution deutlich an (mir war er schon vorher aus einer Vorlesung zur Esoterik von Stefan Bauberger, Dozent für Naturphilosophie, bekannt; siehe
Selbst die Aussage Kutscheras auf derselben Seite (diesmal mit explizitem Wissensanspruch): "Heute wissen wir, dass die Erde und unser Sonnensystem vor etwa 4600 Millionen Jahren ... entstanden sind ..." geht völlig in Ordnung. Er und jeder vernünftige Leser weiß (sic!), dass dies morgen überholt sein könnte. Mir verging die Lust die Rezension von Werner Josef Gieffers weiter zu lesen. |
|||
| Links | |||
Institut für Biologie Universität Kassel: |
|||
| Literatur |
| Bei Amazon nachschauen | Bei Amazon nachschauen | |
![]() |
![]() |
|
| Ulrich Kutschera:
Evolutionsbiologie. Stuttgart: Ulmer, 2006. Gebunden, 303 Seiten. 2.,
aktualis. u. erw. Aufl.
|
| DVD, Video |
| Kreationistische Werke, die teilweise im besprochenen
Streitpunkt Evolution gewürdigt werden. Fritz Poppenberg: Hat die Bibel doch Recht? Der Evolutionstheorie fehlen die Beweise. 1998. Fritz Poppenberg: Gott würfelt nicht. Über den erbitterten Kampf zwischen Wissenschaft und Ideologie. 2001. Fritz Poppenberg: Der Fall des Affenmenschen. 2004. |