»Intelligent Design«
»Intelligentes Design«
Probleme für das Argument mit dem »Intelligent
Design« Entwicklung des Auges. Beleg für
Design?
Netzwerke Links
Literatur William Paley Zitate
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Das Argument mit dem
»Intelligent Design« gibt in vielen Versionen. Ein einflussreiches
frühes Argument stammt von Bishop
Butler, das ist Joseph Butler
(1692-1752). Es stammt aus seinem Werk The Analogy of Religion, Natural
and Revealed von 1736 (online siehe
Links). Auszug aus seiner "Conclusion":
| "Indeed, without an intelligent Author
and Governor of Nature, no account at all can be given, how this universe, or
the part of it particularly in which we are concerned, came to be, and the
course of it to be carried on, as it is: nor any, of its general end and
design, without a moral Governor of it. That there is an intelligent Author of
Nature, and natural Governor of the world, is a principle gone upon in the
foregoing treatise; as proved, and generally known and confessed to be
proved." |
| Joseph Butler: The Analogy of
Religion, Natural and Revealed, S. 158-159 |
Bertrand Russell erörterte
und erschütterte das Argument:
| "... suppose we say, like Bishop
Butler: »It is probable the universe is the result of design on the part
of a Creator«. Here we start with such subsidiary arguments as that a
watch implies a watchmaker. There are very many instances of watches known to
be made by watchmakers, and none of watches known to be not made by
watchmakers. There is in China a kind of marble which sometimes, by accident,
produces what appear to be pictures made by artists; I have seen the most
astonishing examples. But this is so rare that, when we see a picture, we are
justified (assuming induction) in inferring an artist with a very high degree
of probability. What remains for the episcopal logician, as he emphasizes by
the title of his book, is to prove the analogy; this may be held doubtful, but
cannot well be brought under the head of mathematical probability." |
Bertrand Russell: Human Knowledge. Its
Scope and Limits. London 1951 [1948]
Rezension |
Siehe speziell zu Butler und dem Designargument unter
Literatur. |
William Paley
( William Paley) schrieb 1802 in
Natural Theology, dass man von einer auf freier Wiese gefundenen
Taschenuhr auf einen Ersteller schliesst. Niemand nimmt an, die Uhr sei auf
natürliche Weise ohne intelligenten Eingriff erstanden. Charles Darwin setzte dem für das Leben auf der
Erde (dem Paleys Gleichnis galt) 1859 in Origin of Species die
später Evolution genannte Theorie entgegen. Das Leben entstand aus einem
Ursprung durch zufällige Mutationen und Rekombination in natürlicher
Selektion. Moderne Versionen des Arguments mit dem »Intelligent
Design« berufen sich auf
- Schritt (verschiedene Prämissen)
- offensichtlich zweckvolle (zielhaltige) Eigenheiten der
beobachtbaren Welt
- auf das Anthropische
Prinzip (
Links), das
ist die kosmische Feinabstimmung vieler Grössen, Gesetze und Vorkommnisse
- auf irreduzierbare Komplexität
- auf Wahrscheinlichkeiten
und schliessen dann
- neutral auf ein zugrundeliegendes Design; im Fall von
zielhaltigem Befund auf einen zugrundeliegenden Plan. Nach diesem
Zwischenschritt oder sofort aus den Prämissen auf
- einen intelligenten, übernatürlichen Designer.
- Der Designer wird dann mit (einem) Gott identifiziert.
Wenn ein Zweck, ein Ziel, eine Funktion im Universum oder im
Weltgeschehen nachgewiesen wird (Schritte 1 und 2 werden plausibel gemacht),
haben es die Befürworter eines Designer leicht; siehe:
"Keine Funktion ohne Beobachter Wie ist die These John
Searles: »Alle Funktionen sind beobachterabhängig«, zu
verstehen?". Der Schritt 3 wäre dann erzwungen. Die Frage bliebe:
warum nur ein Designer? Wird aber Schritt 3 auch akzeptiert, ist es
Schritt 4 wohl nur noch eine Definitionsangelegenheit. |
Probleme für das Argument mit dem
»Intelligent Design« Die Befürworter des
»Intelligent Design« haben zwei grosse Probleme:
- Der Zweck oder Plan ist nur schwer auszumachen. Es besteht
die Gefahr eines naturalistischen Fehlschlusses, wie er in der Ethik formuliert
ist (
Naturalistischer Fehlschluss): man schliesst aus dem was man
vorfindet, was ist, auf das was dem scheinbar zugrundeliegt, auf das, was sein
soll. Selbst wenn man diesen Fehlschluss akzeptiert hat der ID-Vertreter das
Artensterben "am Hals": ist es der Plan des Designers möglichst viele
Arten aussterben zu lassen. Ich meine, damit kommt man in schwammiges
Argumentationsgewässer. Die oft schwärmerische besungene Perfektion
der Natur wird von vielen Naturwissenschaftler bestritten, siehe beispielsweise
was der Paläobiologe Friedemann Schrenk dazu meint ( Zitate
Friedmann Schrenk).
- Viele Befürworter des »Intelligent Design«
sind ausserdem (frühere) Kreationisten. Sie stehen deshalb im Verdacht, da
der Kreationismus als religiöse Lehre im Unterricht vielfach scheiterte
(
Evolutionsunterricht in verschiedenen
Ländern), durch die Hintertür »Intelligent
Design« den Kreationisnus wieder salonfähig machen zu wollen. Dem
liegt der folgende, durchaus richtige Gedanke zugrunde: Wenn die Schritte 1 und
2 (siehe Argument mit dem »Intelligent Design«)
dadurch lehrfähig werden, sind die Schritte 3 und 4 fast zwangsmässig
gewährleistet.
|
Entwicklung des Auges. Beleg für Design? An
nicht sehfähigen Mehrzellern entwickelten sich im Laufe von Millionen
Jahre lichtsensitive Punkte, lichtempfindliche Stellen bis zu einfachen und
hochkomplizierten Augen. Die Evolutionsbiologen können nicht alle Teile
dieses Prozesses beschreiben noch weniger belegen. Doch wer das fordert, zeigt,
dass er mit der Vorstellung langer Zeiträume und der Erhaltung von toten
Organismen über Millionen von Jahren überfordert wird. Die
Evolutionsbiologen können aber diese Vorgänge gemäss ihren
Theorien in Computern simulieren. Die »Intelligent Design«
Vertreter können die Prozesse überhaupt nicht beschreiben; die
ID-Hypothese lässt sich nicht simulieren. Das Design des Auges lässt
auch sehr zu wünschen übrig. Viele menschliche Augen werden durch
Kontaktlinsen und Brillen korrigiert. Schlechtes Design! Daniel Dennett wirft den ID-Vertretern ausserdem die
Verwechslung der Bedeutungsverschiebung zwischen Prozess und Produkt vor. Sie
erkennen ein voll entwickeltes Auge und folgern, dass es einen intelligenten
Designursprung oder gar prozess gab (Dennett 2005, S.
112, siehe Literatur). Auch wenn das Auge jetzt zum
Sehen dient, kann es durch Prozesse entstanden sein, die völlig zwecklos
lichtempfindliche Zellen usw. hervorbrachten. Das Sehen war dann jeweils ein
Vorteil, der zu mehr Nachkommenschaft führte. Die farbigen Flächen
selbst entstehen durch nicht farbige Atome ohne intelligenten
Farbzusammenführer. Die Farbe ist eine emergente Eigenschaft. |
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| »Intelligent Design«
Netzwerke |
Da hinter dem »Intelligent
Design« oft religiöse Gruppen stehen, schöpfen die
ID-Befürworter finanziell aus dem Vollen. Das hat zwei Folgen:
- sie können aufwändige meist wissenschaftlich
getarnte Webauftritts unterhalten, wie beispielsweise Intelligent Design
Network
- die Broschüren und Bücher sind extrem preiswert, da
stark subventioniert; in manchen Ländern mit obligatorischer Kirchensteuer
und staatlichen Zuwendungen an die Religionsgemeinschaften (beides für
Deutschland zutreffend) nicht nur durch die Mitglieder der jeweiligen
Gemeinschaft sondern durch alle Bürger, unabhängig von der
Weltanschauung.
Intelligent Design Network startet mit der zu begrüssenden,
dick zu unterstreichenden Aussage: "Objectivity results from the use of the
scientific method without philosophic or religious assumptions in seeking
answers to the question: Where do we come from?" setzt aber bald fort mit "The
theory of intelligent design (ID) holds that certain features of the universe
and of living things are best explained by an intelligent cause rather than an
undirected process such as natural selection". Das erinnert an den Einwand zur
Behauptung, die Erde kreise um die Sonne. Das könne nicht sein, wurde
eingewendet. Die Position der Erde im All werde am besten dadurch erklärt,
dass sie auf dem Rücken eines Riesen ruhe und dieser stehe auf dem Panzer
einer Schildkröte. Diese Erklärung leuchte doch mehr ein als die
haltlose Bewegung ohne Ziel um die Sonne. |
| William Paley |
Juli 1743 Peterborough, England
25. Mai 1805 Lincoln, England 1802 »Natural Theology; or, Evidences
of the Existence and Attributes of the Deity«,
Online-Text
Bautz
BBKL Berkeley Internet Encyclopedia of Philosophy
Wikipedia
Werke
auf Gutenberg |
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| Links |
Anthropisches Prinzip |
Joseph Butler
1692-1752 |
Bishop Joseph Butler: The Analogy of
Religion, Natural and Revealed,
online (pdf) |
Hutchison, John C.
(1998): "Design Argument in Scientific Discourse: Historical-Theological
Perspective From the Seventeenth Century". The Journal of the Evangelical
Theological Society
online |
interne
Links: Evolution Anthropisches Prinzip Intelligent Design
Kreationismus |
externe Links zur Evolution |
Literatur zur Evolution |
Literatur (hier
zitiert; ausgiebige Literatur) |
| Breuer, Hans Peter (1975): "Samuel Butler's 'The
Book of the Machines' and the Argument from Design". Modern Philology
72.4, S. 365-383 |
| Cole, Graham (2007): "William Paley's Natural
Theology: An Anglican Classic?" Journal of Anglican Studies 5, S.
209-225 |
| Dennett, Daniel C. (2005): "»Wo bleibt die
Wissenschaft?« Der amerikanische Philosoph Daniel C. Dennett kritisiert
den anhaltenden Versuch der religiösen Rechten der USA, Kreationismus als
Wissenschaft zu verkaufen". Spektrum der Wissenschaften 10. S.
110-113 |
| Swinburne, Richard G. (1968): "The Argument from
Design". Philosophy 43.165, S. 199-212 |
| Zitate |
"What designer
designs non-functional genes? A designer with a heck of a sense of
humor."
Darwin College Lecture Series
2009: "The Making of the Fittest", 20.1.2009, University of
Cambridge |
Brian Greene, Professor
für Physik und Mathematik, Columbia Universität New York,
zu "Theorie" und ID |
"Science has proof
without any certainty. Creationists have certainty without any proof."
Zitate
Ashley Montagu |
"To Darwin, organisms reflect not
intelligent design, but the operation of natural selection, which works
mindlessly on heritable variation among individuals. This is a hypothesis that
is consistent with scientific practice in seeking natural causes that can be
tested. ID constitutes a species of lazy science in that one can
avoid hard work on difficult problems by claiming that an intelligent designer
did it, and moving on." Rudolf A. Raff: "Editorial: Stand up
for evolution". Evolution & Development 7.4 (2005). S.
273-275 |
| "Those who cavalierly
reject the Theory of Evolution, as not adequately supported by facts, seem
quite to forget that their own theory is supported by no facts at all."
Herbert Spencer, 1820-1903 |
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