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Evolution des Lebendigen – kein Intelligent Design!
Prof. Dr. Gerhard Haszprunar, Münchner Wissenschaftstage »Lebendige Forschung«, 21. Oktober 2006 – id Links
Prof. Dr. Gerhard Haszprunar, Generaldirektor der der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns, LMU München, argumentierte in seinem Vortrag gegen ID wie folgt.
Wenn wir ID als wissenschaftliche These / Theorie ernst nehmen, muss es sich der Falsifikation stellen.
  1. Der Mainstream des ID erkennt die Mikroevolution als rein natürlich an; bestreitet aber die sogenannte Makroevolution, da die Baupläne nicht durch die Mechanismen der Evolution entstanden sein können.
  2. Es muss ein Designer am Werk gewesen sein.
Dr. Gerhard Haszprunar ging gegen die zweite Prämisse vor. Er wies in seinem Vortrag vor allem anhand von Tintenfischen nach, dass zahlreiche Baupläne nicht intelligent sind, also nicht von einem intelligenten Designer stammen.
  • Beispielsweise ist bei Tintenfischen die Blutzirkulation "falsch" konstruiert. Folge: der Tintenfisch ist bei kurzzeitigen Anstrengen immer nahe dem Herzkollaps.
  • Die Speiseröhre geht durch das Hirn, das zudem – durch eine Knorpelhülle geschützt – nicht ausdehnbar ist. D.h. der Tintenfisch muss seine Beute extrem verkleinern bevor sie in die Speiseröhre kommt. An einem Beutefisch kaut er 1 Stunde.
  • Die Konstruktion zahlreicher Augen von Lebewesen mit dem blinden Fleck ist mangelhaft.
  • Ein guter Konstrukteur würde Nase mit Lunge und Mund mit Speisetrakt verbinden: die zwar meist, doch nicht immer (Verschlucken von Gräten) funktionierende Steuerung zwischen Speise- und Luftröhre würde bei wirklichem ID entfallen.
In der Diskussion kamen die folgenden zwei, wie mir scheint wesentlichen Einwände / Fragen:
  1. Wenn die Tintenfische und andere Arten so UD-(Unintelligent Design)-mässig konstruiert sind: wie konnten sie überleben?
    Antwort: a) die derzeitigen Tintenfischarten sind gegenüber früher tatsächlich sehr reduziert.
    b) die Natur/Evolution schafft sich Umgehungen der Fehlkonstruktionen. So hat der Tintenfisch eine Raspelzunge zum effektiven Zerkleinern der Beute.
    c) Auch mit suboptimalen Eigenschaften können Arten überleben.
  2. Vielleicht wollte der Designer = Gott nicht alles perfekt machen. Vielleicht ist das UD doch ID, wenn man es vom Gottesstandpunkt aus sieht.
    Antwort: Diesen eigentlich zwei Einwänden begegnete Haszprunar damit, dass dann die ID-Theorie immunisiert würde und keinen wissenschaftlichen Anspruch mehr stellen kann.
Ich ergänze zum zweiten Teil der Frage: der wesentliche Schluss der ID-Theorie, "Wir stellen ID fest, also folgern wir einen Designer", würde entfallen, wenn der Vertreter der ID-Theorie selbst zugesteht, dass UD vorliegt. Der Schluss müsste dann lauten: wir stellen UD fest und folgern, ... ja was?
Links
id LMU: Prof. Dr. Gerhard Haszprunar
idFolien: Evolution des Lebendigen – Kein Intelligent Design (pdf)
evolution Evolution – Anthropisches Prinzip – Intelligent Design – Kreationismus
JunkerReinhard Junker: Podiumsdiskussion über Schöpfung und Evolution an der PH Freiburg, Diskussionsbeitrag 2/15
evolution externe Links zur Evolution
Literatur zur Evolution: evolution deutschevolution englisch
idRobert Nordsieck: Tintenfisch (Sepia)
idStaatliche Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns
idTintenfisch-Archiv
idWikipedia: Tintenfische (Unterklasse Coleoidea)
idDie Zoologische Staatssammlung München
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 24.3.2008