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ID
Besprechung: Markus Rammerstorfer: “Intelligent Design – jenseits des Schlagworts”
Religion – Staat – Gesellschaft. Zeitschrift für Glaubensformen und Weltanschauungen 7.2, 2006, S. 249-270
id Linksid Literatur
Etwa zur selben Zeit wie der hier zu besprechende Aufsatz erschien ein Buch desselben Autors Nur eine Illusion? Biologie und Design (siehe id Links und id Literatur). Gegenüber diesem konzentriert sich Markus Rammerstorfer hier auf Begriffsklärung und wissenschaftstheoretische Überlegungen. Das kommt der Argumentation zugute.
Der Aufsatz spricht wichtige Fragen zum Verhältnis ID – Wissenschaft an. Die Darlegung des Fragenkomplexes ist systematisch und in sich stringent. Allerdings geht der Autor – wie schon im genannten Buch – teils von falschen Voraussetzungen aus, teils übersieht er wichtige Punkte, die für die Beantwortung der behandelten Fragen eine entscheidende Rolle spielen.
Die wichtigsten blinden Punkte vorab:
  • eine extrem gut bewährte Theorie – wie die Evolutionstheorie – wird nur dann ernsthaft bezweifelt, wenn sie wichtige Sachverhalte nicht mehr ausreichend erklärt; ihr Erklärungspotential erschöpft ist und wenn eine neue Theorie vorgelegt wird, die einen umfangreicheren und besseren Erklärungsgehalt ausweist.
  • nicht nachprüfbare Ad-hoc-Erklärungen (“Designer”), die zudem beliebig eingesetzt werden könnten, sind in der Wissenschaft extrem verpönt, manche meinen: nicht zugelassen
  • unwissenschaftlich ist es, wenn zudem weitere Fragen nach dem “Deus ex machina” abgeblockt werden (“Designer: Ende der Fahnenstange”).
Der Aufsatz gliedert sich in
  • Begriffsabgrenzung
  • Abtrennung von der Religion
  • Prüfmöglichkeit des ID-Konzepts
  • Argumente für Design
  • Minimalforderungen für das ID
  • Ist ID Wissenschaft?
  • ID als »science stopper«
In dieser Reihenfolge geht auch die folgende Besprechung vor. Es fällt erfreulich auf, dass sich der Autor Rammerstorfer in dem vorliegenen Aufsatz ganz auf die positive Argumentation zu ID konzentriert; es gibt keine direkten Angriff auf die Evolutionstheorie (ausser ich hätte sie übersehen; sie verfehlte im Buch des Autors meist eh das Ziel).
Begriffsabgrenzung
Rammerstorfer beginnt seinen Artikel nach einer motivierenden Einleitung mit einer Erklärung des Begriffs »Intelligent Design«. Darin klärt er, dass der Zusatz"Intelligent" nicht unbedingt intelligentes Design impliziert, sondern zunächst nur gegenüber metaphorischen Verwendungen des Begriffs »Design« (z.B. in den üblichen Biologielehrbüchern) abgrenzt. Nicht die Güte des Designs ist entscheidend, sondern der intentionale Ursprung (S. 250; zum Design-Begriff: Krohs 2005).
Dem kann man zustimmen. Wenn ich ein Lagerfeuer entzünde, so ist es – ich mag mich dabei noch so dumm anstellen– ein absichtlich, künstlich erzeugtes Feuer; im Gegensatz zum Feuer, das nach einem Blitzeinschlag entsteht.
Damit wird das Kernproblem eines ernsthaften IDs – Erkennen des intelligenten Designs (jetzt: intentionaler Ursprung) – noch sehr viel schwieriger, doch nicht unmöglich. Um Rammerstorfers Beispiel mit einem fehlerhaften Softwareprogramm aufzugreifen: wie will man den Ursprung hingeworfener Buchstaben ",V CVMV12" noch als fehlerhaften Assemblerbefehl "MVC V1,V2" erkennen? Damit belasten sich die Vertreter des IDs – zur Vermeidung des Vorwurfs des unintelligenten Entwurfs (Brockman 2006; Perakh 2003) vieler Mechanismen und Konstruktionen im Reich des Lebendigen – mit der Hypothek, Design nachzuweisen, ohne auf die "intelligenten" Eigenschaften wie komplex, hoch-funktionabel, ökonomisch zu verweisen.
Möglich ist das Erkennen intentionaler Verursachung auch ohne diese Attribute dann, wenn auf die intentionalen Verursacher noch andere Indizien verweisen. Um beim Feuerbeispiel zu bleiben: Spezialisten vermögen oftmals in einem gelöschten Brandherd Spuren künstlicher Entfachung oder schlicht die Anwesenheit der Verursacher nachzuweisen.
Es ist kaum verwunderlich, dass der Autor später doch wieder intelligentes Design nachweisen will und sich nicht auf – es ist schwierig zu sagen, was es in diesem Fall wäre, nachdem zu suchen ist – die Beteiligung eines oder mehrerer Planer beschränkt.
Abtrennung von der Religion
Richtig bemerkt der Autor: "Nur weil Kardinal Schönborn sich für ID ausgesprochen hat, ist ID noch keine Unternehmung der katholischen Kirche" (S. 252). Viele andere katholische Stimmen aus der oberen Hierarchie sprechen sich bekanntlich vehement gegen Intelligent Design aus. Es ist wahrlich keine Unternehmung der katholischen Kirche.
Hier und in der Folge seiner historischen Betrachtung vergisst der Autor jedoch, dass
  • die Designargumente von William Paley u.a. nur solange eine Berechtigung hatten, solange keine einfachere (und vernüftigere) Erklärung vorlag. Diese lieferte aber die Evolution seit 1859 in immer besseren Abstufungen.
  • die ID-Bewegung unter diesem Begriff erst nach dem Scheitern der Kreationisten in den USA entstand. Vorher war der Begriff ID nicht gebräuchlich und die kreationistische Argumentation durch Offenbarung (z.B. in der Bibel) gestützt; deshalb der starke religiöse Bezug in der Diskussion.
    Eugenie C. Scott und Nicholas J. Matzke forschten nach dem Anfang der ID- Bewegung (unter diesem Namen). Der Kreationismus war Anfang der 1980-iger Jahre auf einem seiner Höhepunkte: in mindestens 27 US Staaten gab es Vorstösse, Kreationismus in den Schulen zeitlich ebenso zu behandeln wie die Evolution. Im Januar 1982 gab es im Urteil zu McLean vs. Arkansas eine schwere jurstische Niederlage für die Bibeltreuen. Der Kreationismus wurde als biblisch-religiöse Lehre aus den Schulen von Arkansas verbannt. Nach einigen Versuchen wieder Boden zu fassen erschien 1989 Of Pandas and People, ein Biologie Textbuch mit einem 2-Modelle-Ansatz, ähnlich wie es in Deutschland die Autoren Reinhard Junker und Siegfried Scherer mit Evolution – ein kritisches Lehrbuch (id Rezension) unternehmen. In der zweiten Auflage von Of Pandas and People 1993 erschien der Begriff ‘intelligent design’ in seinem jetzigen Gebrauch (Scott 2007, S. 8673).
    Davis, P. W., D. Kenyon: Of Pandas and People, siehe id Links und id Literatur
    Scott, E. C., N. J. Matzke: "Biological design in science classrooms", siehe id Literatur
  • ein ID-Argument, das nur das Design feststellen will und dann nichts mehr zu den Designern sagt, oder Fragen danach sogar abwürgt (um ins US Schulsystem einziehen zu können id oder wissenschaftlich ernst genommen zu werden id), sich selbst disqualifiziert. Dies wird später aufgeführt.
Prüfmöglichkeit des ID-Konzepts (S. 253)
Die Ausführungen zur Prüfung (und eventuellen Falsifikation) eines festgestellten Designs sind schwach. Um in des Autors Lottobeispiel überhaupt von "Design" reden zu können, führt er die "Denkmöglichkeit" ein. Die Denkmöglichkeit einer lenkenden Hand wäre stark motiviert – meint der Autor –, wenn beispielsweise jemand sechs Mal in Serie sechs Richtige hat. Doch wie soll man diese Denkmöglichkeit falsifizieren?
Es genügt nicht – wie Rammerstorfer meint – nachprüfbare Gründe anzugeben (S. 253): sie müssen nachprüfbar im Sinne von falsifzierbar sein.
 
  Wichtige Nebenbemerkung
Leider verfällt Rammerstorfer hier und später in den Anglizismus "Evidenz", der mir zuerst bei Christoph Schönborn (siehe id Links) auffiel. Das englische "evidence" ist nicht deutsch"Evidenz", sondern "Hinweis", "Beleg", ...
Beispiel: Während mein Taschentuch und meine Fingerabdrücke am Tatort "evidence" (= Hinweise) für meine Täterschaft sind, ist diese keinesfalls evident.
Argumente für Design
Diesen Abschnitt leitet der Autor mit der Behauptung ein, dass die Identität der hinter dem intelligenten Wirken postulierten Designern keine Rolle spiele. Das ist ein schweres Mißverständnis. Da die Designer im ID die entscheidende Rolle spielen, gilt dies auch für deren Art und Eigenschaften. Die Plausibilität des Designs (losgelöst von der streng interpretierten Eigenschaft: intelligent; siehe des Autors Forderung oben, die er hier vergessen hat) hängt davon ab.
Zwei Beispiele:
  • Der große Unbekannte spielt in Strafprozessen keine sehr glaubwürdige Rolle. Wenn dazukommt, dass die Tat in einem abgeschlossenen Raum stattfand, in der keine sonstige Spur (außer des Toten) eines Unbekannten nachweisbar ist, hat der Hinweis auf den Unbekannten überhaupt keine Glaubwürdigkeit; zumal wenn eine andere Erklärung (z.B. eben jener "Zeuge", der am Tatort angetroffen wurde und sich nun auf den Unbekannten beruft) plausibel erscheint.
  • Wenn im unbetretenen Hinterland Australiens Anzeichen intentionalen Wirkens festgestellt werden, stellt sich sofort die Frage, wer es wann war.
Auch Rammerstorfers Ausführungen dazu in der Fußnote 13 (S. 253) sind nicht stichhaltig. Wenn man bei der Feststellung von Manipulation im Glücksspiel nicht nach dem "Wie" fragt (was ich nicht für überzeugend halte, das Kasino will seine Sicherheitslücken erkennen), so wird man jedenfalls immer nach dem "Wer" fragen.
Grundsätzlich sieht Rammerstorfer für den Nachweis des ID zwei Vorgehensweisen.
  1. Elimination der naturalistischen Erklärungen. Danach folgert der Autor auf eine Intelligenz als einzig mögliche Erklärung.
    Das ist mitnichten so. Es gibt noch folgende Alternativen:
    * unbekannte naturalistische Erklärung: diese Alternative führt der Autor (S. 256) selbst ins Felde.
    * eine naturalistische Erklärung wurde zu unrecht eliminiert.
    Die Elimination der naturalistischen Erklärungen verwirft Rammerstorfer an verschiedenen Stellen zurecht, z.B. S. 257.
  2. Positives Argument. Das Wirken der Intelligenz wird nachgewiesen, beispielsweise durch »Irreduzible Komplexität« IC. Bei deren Explikation (S. 254) schmuggelt der Autor, sich auf Michael Behe berufend (Behe 2003, S. 39), gegenüber Charles Darwin (auf den sich Behe beruft) die gleichbleibende Funktion hinzu.
    Darwin schreibt dazu im 6. Kapitel "Difficulties Of The Theory": "If it could be demonstrated that any complex organ existed, which could not possibly have been formed by numerous, successive, slight modifications, my theory would absolutely break down" (Darwin 1872). Zu deutsch: "Ließe sich das Vorhandensein eines zusammengesetzten Organs nachweisen, das nicht durch zahlreiche aufeinanderfolgende geringe Abänderungen entstehen könnte, so müßte meine Theorie zusammenbrechen" (Darwin 2005, S. 250). Wo steht da was von "function" oder "Funktion"?
    Es lässt sich sehr wohl vorstellen, dass komplexe Organe oder Verhaltensweise durch zahlreiche aufeinanderfolgende geringe Abänderungen entstanden sind und jeweils andere Funktionen erfüllten. Doch an Vertrauen in die bestaunenswerte Natur und Vorstellungskraft mangelt es den Kreationisten und ID-Vertretern schon immer.
    Besser ist da die neutrale Forderung, dass diese komplexen Organe oder Verhaltensweisen durch "eine Kette selektionspositiver Schritte" (S. 254) entstanden sind.
Die Ausführungen zum Anschein der Planung in der Natur sind tadellos. Rammerstorfer fasst zusammen: "Organismen zu betrachten »as if they were designed« ist ganz einfach nützlich – sogar wenn man glaubt, daß der zugrunde liegende Anschein von Planung durch ungerichtete Prozesse erzeugt wurde" (S. 259). Dabei ist nur das "glauben" durch "von den überwältigenden Anzeichen überzeugt ist" zu ersetzen und schon passt es.
Die Folgerungen des Autors sind dagegen nicht mehr nachvollziehbar.
'Der Anschein, dass die Sonne sich um die Erde dreht, "ist immer schon da". Doch es ist für Physiker, Geophysiker und Astronomen trotzdem nicht zumutbar, sich mit Leuten an einen Tisch zu setzen, denen das Kopernikanische Weltbild nicht einleuchtet. Analoges gilt für die Evolutionstheorie. Weder bei den Physikern, noch im Gespräch zwischen Biologen und ID-Vertretern sehe ich die vom Autor beschworene gemeinsame Basis (S. 259).
Minimalforderungen für das ID
An jeder der Minimalforderungen des Autors für eine ID-Position (S. 262) scheitern der ID-Ansatz und das geozentrische Weltbild.
  1. Skepsis: Die naturalistischen Erklärungen sowohl innerhalb der Evolution als auch zu den Bewegungen im Sonnensystem sind plausibel und einsichtig. Es ist sonderbarerweise ein weit verbreitetes Muster, dass die Herrlichkeit der Natur für zu gering geschätzt wird. Man ist damit unzufrieden und vermutet "dahinter" mehr.
  2. Offenheit: Einen intelligenten Eingriff in die Natur (von ausserhalb) kann der Wissenschaftler nicht annehmen, da diese Erklärung (so sie zulässig wäre) alles erklären könnte. Einen intelligenten Eingriff in die Natur von innerhalb des Universums könnte man ansetzen. Doch dieselben Fragen zur Entstehung und Entwicklung des intelligenten Lebens stellen sich dann wieder – ausser man blockt diese Fragen wieder ab. Gewonnen wird durch einen übernatürlichen Eingriff und einem natürlichen Eingriff von irgendwoher wenig. Die Abblockung der Frage zur Identität der Designer läßt sich hier als Vernebelungsmanöver (man beachte den Kontrast zur Offenheit) zeigen. Kontert man mit den Ausserirdischen innerhalb des Universums, kann der ID-Vertreter lässig darauf verweisen: davon habe ich nichts gesagt. Wirft man ihm dagegen den unwissenschaftlichen supranaturalistischen Eingriff vor, entgegnet er locker: davon habe ich nichts gesagt. Die Planer könnten doch auch (Verweis auf das Projekt SETI der Astrophysiker; sind die unwissenschaftlich ID?) von einer anderen Galaxie gewesen sein!
  3. Erkennbarkeit: Weder in der belebten Natur noch in unserem Sonnensystem ist das Wirken intelligenter Kräfte erkennbar, menschliche Intervention und die bestimmter anderer Tierarten ausgenommen.
Ist ID Wissenschaft?
Im sechsten Kapitel "Ist das Wissenschaft?" (S. 263-267) zeigt es sich erneut, dass die Forderung des Autors, über die Identität der Designer zu schweigen (S. 253), verfehlt war. Sie führt ihn im Beispiel mit den künstlichen Bakterien auf abwegige Bahnen.
Wird in der Tiefsee ein Teil gefunden, das sich den üblichen evolutionären Erklärungen widersetzt (z.B. das Wrack eines Segelschiffes), so wird man keine neue "Kausaltheorie" entwickeln, wie es Markus Rammerstorfer annnimmt (S. 263), sondern man wird ziemlich schnell feststellen: geplant und gefertigt durch intelligente Wesen. Freilich wird man "die Identität der dahintersteckenden Intelligenz" (S. 253) keinesfalls offenlassen. Man wird dafür Menschen kausal verantwortlich machen, ja man wird weiterfragen: Venezianer? Portugiesen? Südseeinsulaner? Ist das Wrack völlig unbekannter Bauart und keiner bekannten Menschheitsgruppe zuzuordnen, werden wohl andere Theorien aufgestellt: Atlantis, Neanderschiffer, ...
Ein blinder Fleck des methodischen Naturalismus (S. 264) wird mit diesem Beispiel nicht gezeigt, sondern es wird der blinde Fleck des Autors zur Identität und Eigenschaften der Designer als verfehlt ausgewiesen. Deshalb kommt Rammerstorfer auch wieder einmal zu falschen Alternativen, ja zu völlig falschen Alternativen.
Zu a): Bisher konnte noch jede Historie eines Objekts naturalistisch erklärt werden. Eine Überforderung des methodischen Naturalismus festzustellen ist abwegig. Nachdem der Autor zuvor recht nachdrücklich eine Verbindung von ID mit Göttern oder Religion abgewiesen hat, reiht er ID nun in die Zuständigkeit von "Philosophie und Religion" ein.
Zu b): Die geforderte "intelligente Kausation" ist Teil der Wissenschaft. Das Beispiel des Fundes eines Segelschiffwracks (siehe oben) oder auch von Münzen oder Grabbeigaben oder ... zeigt es. Kein Wissenschaftler käme auf die Idee, diese Objekte anders als durch "intelligente Kausation" zu erklären. Man schlägt sich an den Kopf, wenn der Autor gleich anschliessend dies alles selbst erkennt und Archäologie, SETI und Forensik nennt. In all diesen Fällen wird die Identität der Intelligenz nicht ausgeschaltet. Einmal sind es unsere Vorfahren, einmal Intelligenzien, die möglicherweise ebenfalls evolutiv entstanden sind, und dann unsere Mitmenschen.
Zur Frage, warum in einer wissenschaftlichen Zeitschrift über eine mögliche Botschaft eines Schöpfers nachgedacht werden darf, ergeben sich zwischen ID und dem angeführten Beispiel (Hsu 2006) wichtige Unterschiede:
  • die Autoren Stephen D.H. Hsu und Anthony Zee stellen die Frage nach der Nachricht in der kosmischen Hintergrundstrahlung, falls dort Information übermittelt wird. Dazu gibt es – soweit ich weiß – keine naturalistische Erklärung. Sie wird nur gesucht, wenn man Informationsgehalt feststellt oder annimmt, so wie es Hsu und Zee tun.
  • Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer: würde in der Astrophysik eine ID-Bewegung entstehen, die auf breiter Front die Schulzimmer und die Katheder erobern will, wäre es mit der kulanten Veröffentlichung dieser Art von Spekulationen bald vorbei.
  • Hier vergißt Rammerstorfer wieder, dass es einen Unterschied macht, ob man schon eine plausible, bestens belegte Erklärung hat (Evolution) oder nicht (Kosmologie).
ID als »science stopper«
Die extrem wichtige Frage: "Soll man einfach dort, wo man nicht mehr weiter weiß, auf eine Intelligenz schließen?" (S. 265) stellt der Autor, läßt sie aber unbeantwortet. Schade. Es würde sich auch die Zusatzfrage stellen: Warum soll man nur dort, wo man nicht mehr weiter weiß, auf Intelligenz schließen?
Ohne Unterscheidungskriterium wird ID zum Science Stopper.
Zusammenfassung
Das Wichtigste – und das läßt Rammerstorfer offen (ausgenommen die Begriffserklärung zu IR) – wäre es, hieb- und stichfeste Kriterien auf einen intentionalen Ursprung zu erarbeiten. Könnten das die ID-Vertreter, wäre ein wichtiger Schritt getan. Doch mit dem eingangs reklamierten Einbezugs jeglichen Murkses in das ID hat sich der Autor diese Tür nicht nur zugeschlagen, sondern sogar verriegelt.
Wer sich zur Stellung von ID und den damit zusammenhängenden wissenschaftstheoretischen Fragen einen ersten, lückenhaften Überblick verschaffen will, wird mit dem Aufsatz gut bedient. Viele wesentliche Punkte werden andiskutiert. Allerdings hat der Aufsatz die verheerenden Nachteile, die ich ausführlich darlegte.
Er gibt oft die falschen Antworten und setzt die Leser auf ein falsches Gleis.
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Links
IDOf Pandas and People
IDOf Pandas and People. A Brief Critique
IDWilliam J. Bennetta: The Pandas scam
pnasProceedings of the National Academy of Sciences
id Christoph Schönborn zur Evolution
id Besprechung zu Markus Rammerstorfer: Nur eine Illusion? Biologie und Design
IDReligion – Staat – Gesellschaft. Zeitschrift für Glaubensformen und Weltanschauungen (darin erschien in Ausgabe 7.2, 2006, S. 249-270 der hier besprochene Aufsatz)
id Literatur zur Evolution
Literatur
Behe, Michael J. 2003: Darwin's Black Box. The Biochemical Challenge to Evolution. New York.
Brockman, John 2006: Intelligent Thought. Science Versus the Intelligent Design Movement. New York.
Darwin, Charles 1872: The Origin of Species - 6th Edition. IDOnline verfügbar
Darwin, Charles 2004: Die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl. Hamburg.
Hsu, Stephen, Anthony Zee 2006: "Message in the Sky". Modern Physics Letters A 21.19. S. 1495-1500.
Krohs, Ulrich 2005: "Biologisches Design". In: Ulrich Krohs, Georg Toepfer: Philosophie der Biologie. Eine Einführung. Frankfurt. S. 53-70.
Perakh, Mark 2003: Unintelligent Design. Amherst NJ.
Rammerstorfer, Markus 2006: Nur eine Illusion? Biologie und Design. Marburg. id Rezension
Scott, Eugenie C., Nicholas J. Matzke 2007: "Biological design in science classrooms". Proceedings of the National Academy of Sciences 104, Suppl. 1. S. 8669-8676; IDArtikel + als IDpdf
Bei Amazon nachschauen   Bei Amazon nachschauen
davis IDPercival Davis, Dean H. Kenyon: Of Pandas and People: The Central Question of Biological Origins. Haughton 1993 170 Seiten 2. Auflage id
Markus Rammerstorfer: Nur eine Illusion? Biologie und Design. Marburg: Tectum, 2006. Taschenbuch, 152 Seiten ID
id Rezension
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 21.5.2007