Email  zurück zur Homepage eine Stufe zurück
Charta
Charta der deutschen Heimatvertriebenen
Eine kritische Würdigung dieses Dokuments – Flucht LinksFlucht Literatur
Die Begrenzung der Vertreibungen auf Deutsche, wie es in der Charta von 1950 zum Ausdruck kommt und wie es einige Vertriebenenfunktionäre noch nach mehr als sechs Jahrzehnten verstehen, wird der universalen Flüchtlings- und Vertreibungsproblematik nicht gerecht. Siehe daher auch: Flucht Festung Europa
Charta der deutschen Heimatvertriebenen  
Anmerkungen
“1 Wir Heimatvertriebenen verzichten auf Rache und Vergeltung.” • Man kann nur auf etwas verzichten, auf das man einen Anspruch hat.
• Gegen wen haben die Heimatvertriebenen einen Anspruch auf Rache und Vergeltung? Gegen die Nazis?
• Rache und Vergeltung kann sich nicht auf Vertreibungen vor dem Zweiten Weltkrieg beziehen, da die deutschen Heimatvertriebenen von 1950, die für die Charta verantwortlich zeichneten, die Vertriebenen vom Zweiten Weltkrieg waren. Sie sprachen nicht für Flüchtlinge und Vertriebene früherer Jahre.
• aus dem geschichtlichen Kontext heraus, fünf Jahre nach der Kapitulation, ist diese Formulierung einigermassen verständlich.
“... im Gedenken an das unendliche Leid, welches insbesondere das letzte Jahrzehnt über die Menschheit gebracht hat.” • Die Charta der deutschen Heimatvertriebenen ist vom 5. August 1950. Es geht also um das Leid von 1940 bis 1950!?
• Was ist mit dem Leid vor 1940? Dem ab 1933? Dem davor?
• Das "letzte Jahrzehnt" verharmlost oder lenkt ab: in der ersten Hälfte des angeführten Jahrzehnts war es hauptsächlich NS-Deutschland (andere können kaum gemeint sein, da der Satz mit "Wir Heimatvertriebenen" beginnt).
“3 Wir haben unsere Heimat verloren.” • Das ist verkürzt. Es müßte lauten: “Wir haben seit 1933 viele Vertreibungen durchgeführt und einen furchtbaren Krieg angezettelt und dadurch viele Völker entwurzelt und heimatlos gemacht. Auch unsere Heimat ging dadurch verloren.”
• Die Vertreibungen waren von den Siegermächten vertraglich vereinbart: immerhin war Deutschland Wiederholungstäter. Sie waren Folge des fürchterlichen Kriegs.
“Wir haben dieses Schicksal erlitten und erlebt.” Richtig, aber es war kein zwanghaftes, unausweichliches Schicksal (so klingt's in der Charta), sondern ein selbst verursachtes Schicksal.
“Daher fühlen wir uns berufen zu verlangen, daß das Recht auf die Heimat als eines der von Gott geschenkten Grundrechte der Menschheit anerkannt und verwirklicht wird.” Wessen Heimat ist damit gemeint? Die der deutschen Heimatverrtriebenen? Damit wollten diese das Rad der Geschichte zurückdrehen. Man kann aber nicht einseitig den Schaden der deutschen Heimatvertrieben rückgängig machen: der Tod von 60 Millionen läßt sich nicht rückgängig machen, ebensowenig wie das Leid aller anderen, das durch den NS-Terror ausgebreitet wurde.
“4 Die Völker der Welt sollen ihre Mitverantwortung am Schicksal der Heimatvertriebenen ...” Der Hammer!
• Was haben die Völker der Welt, z.B. in Südamerika damit zu tun? Wo ist deren Mitverantwortung?
“... als der vom Leid dieser Zeit am schwersten Betroffenen empfinden.” Der nächste Hammer!
• Was ist mit dem Leid derer, die ganze Sippschaften verloren haben? Was ist mit dem Leid der Juden, Kommunisten, Roma & Sinti? Zeugen Jehovas? der Behinderten? der Homosexuellen?
“Gerechte und sinnvolle Verteilung der Lasten des letzten Krieges auf das ganze deutsche Volk ...” Dagegen haben sich viele Deutsche in den kommenden Jahrzehnten ausgesprochen mit Slogans wie: "Jetzt muss Schluss sein mit dem Zahlen!"
Wertvolle Gesichtspunkte entnahm ich u.a. bei Frank von Auer: "Gefangen im eigenen Leid. Die »Charta der deutschen Heimatvertriebenen« ist ein Dokument der Geschichte – eine »Wertegrundlage« für heute ist sie nicht", Süddeutsche Zeitung, 10. August 2010, S. 2 – Frank von Auer ist Bundesvorsitzender der Deutsch-Baltischen Gesellschaft, siehe Flucht Links.
Am 60. Jahrestag der Charta der deutschen Heimatvertriebenen wird über diese immer noch diskutiert. Insbesondere der 1. Satz: “Wir Heimatvertriebenen verzichten auf Rache und Vergeltung” ist Gegenstand der Diskussionen. Es wird in Frage gestellt, ob die deutschen Heimatvertriebenen auf Rache und Vergeltung verzichten konnten. Das würde voraussetzen,
• sie hätten ein Recht darauf. Man kann nur auf etwas verzichten, was einem zusteht.
• sie hätten Anlass zu Rache und Vergeltung. Das wäre allenfalls gegenüber den Verursachern der Vertreibung, dem NS-Regime und seinen Mittätern, gegeben.
Gerade die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen Erika Steinbach pflegte – entgegen dem 1. Satz der Charta – Rache und Vergeltung:
• Sie stimmte im Bundestag gegen die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze.
• Sie stimmte gegen den Deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrag.
• Sie stimmte gegen den Deutsch-polnischen Grenzvertrag.
• Die deutsch-tschechische Aussöhnungserklärung lehnte sie 1997 als „Schlussstricherklärung“ ab.
• Von Berlin forderte sie, den EU-Beitritt Polens und Tschechiens zu blockieren.
Steinbach löst wieder Eklat aus
• Am 16. September 2010 sagte Erika Steinbach in der ARD über den polnischen Deutschland- Beauftragten Wladyslaw Bartoszewski: "Bartoszewski hat einen schlechten Charakter. Das sage ich ohne Wenn und Aber". Dazu u.v.a. Michael Link, FDP: "Wer solche Vorwürfe erhebt, muss sich darüber im Klaren sein, dass sie auf ihn selbst zurückfallen."
Steinbach löst wieder Eklat aus. Die Vertriebenen-Präsidentin beleidgt den polnischen Deutschland-Beauftragten und empört Politiker aus allen Parteien. SZ, 17.9.2010, S. 5
Von einem Eklat zum nächsten
• Erika Steinbach bedauerte ihre Beleidigung des polnischen Deutschland-Beauftragten Wladyslaw Bartoszewski und hofft nun auf eine Gegenleistung des Polen Steinbach. Zuerst beleidigt Steinbach, CDU, einen polnischen Politiker, dann bedauert sie ihre Äußerungen, zieht sie in der "Bild am Sonntag" zurück und erwartet dafür eine Gegenleistung des Beleidigten.
SteinbachSteinbach nimmt ihre Kritik an Bartoszewski zurück, Die Welt, 18.9.2010

• Zudem vertritt sie einseitig die Interessen der deutschen Heimatvertriebenen im und nach dem 2. Weltkrieg. Sie stellt sich aber offensiv gegen die Rechte anderer Heimatvertriebener.
• 1997 war Erika Steinbach Gründungsmitglied der rechten Sammelbewegung Stimme der Mehrheit, die sich unter anderem gegen den „epidemischen Sozial- und Asylmißbrauch“ und den weiteren Zuzug von Ausländern – darunter auch viele Heimatvertriebene – einsetzen wollte.
Dagmar Deckstein: "Eindeutige Absage an Revanche und Gewalt". Erika Steinbach verteidigt beim Festakt zum 60. Jahrestag die Charta der Heimatvertriebenen, Süddeutsche Zeitung, 6. August 2010, S. 5
Kleiner Witz, genauer: Widerspruch, der "Stimme der Mehrheit"
Sie will "dem Linkskartell innerhalb großen Teilen der „schreibenden Zunft" eine schlagkräftige Alternative entgegenzusetzen".
Entweder die Stimme der Mehrheit steht einem Kartell gegenüber, dann kann sie nicht die Mehrheit repräsentieren: Kartell, großen Teile, stehen dagegen. Oder "Linkskartell" und "große Teile" sind in der Minderzahl, also kleine Teile. Stimme Was gilt jetzt?
Erika Steinbach betont die Täterschaft der Deutschen um gleich darauf von Opfern zu reden
Erika Steinbach: “Niemand bestreitet, dass Deutschland die Verantwortung für den Zweiten Weltkrieg trägt. Hitler hat die Büchse der Pandora geöffnet. Als Präsidentin des Bundes der Vertriebenen habe ich das in nahezu jeder Rede betont. Niemand leugnet die deutsche Kriegsverantwortung, die uns bis heute beschwert. Wir stellen uns doch dieser Verantwortung.”
Anmerkung: schon das "beschwert" ist verharmlosend. Mich beschwert es, wenn es tagelang regnet. Kurz darauf im Interview:
Steinbach: “Ich höre immer, wir, die Opfer, sollen uns endlich versöhnen. Dabei geschieht das doch längst jeden Tag. Ich bin doch keine Revanchistin.”
SteinbachErika Steinbach rechnet mit der CDU ab, Die Welt, 12.9.2010
• Opfer stimmt ja sogar, jedoch sind die Vertriebenen nach 1945 Adolf Hitlers vorletzte Opfer. Die letzten Opfer sind dann die Opfer von Folgeerscheinungen wie mangelnde Ernährung usw. Die allerletzten Opfer sind die neuen Rechtsextremen in Deutschland und anderswo. Sie fallen auch im 21. Jhdt. noch dem Hitlerwahn zum Opfer.
• Der Generalsekretär der CDU, Hermann Gröhe, nimmt Steinbach im Interview in Schutz:
“Frau Steinbach hat deutlich gemacht, dass es für sie selbstverständlich ist, dass die Kriegsschuld Deutschlands nicht in Zweifel gezogen werden darf. Erika Steinbach hat für die berechtigten Anliegen der Vertriebenen und die CDU viel geleistet. Sie gehört zu uns.”
SteinbachCDU-General Gröhe – "Steinbach gehört zu uns", Die Welt 10.9.2010
Links
Charta der deutschen Heimatvertriebenen, 5. August 1950: HeimatQuelle 1HeimatQuelle 2
HeimatCharta der deutschen Heimatvertriebenen (Wikipedia)
Charta60 Jahre Charta der Vertriebenen. Ein problematisches Jubiläum
HeimatErika Steinbach (Wikipedia)
HeimatErika Steinbach - Rotes Tuch für Warschau, Focus Online, 27.02.2009
HeimatStimme der Mehrheit (Wikipedia)
HeimatStimme der Mehrheit
Charta Ausländer & Minderheiten in Deutschland, Schwerpunkt Bayern
Charta Ausreiselager – Ausreisezentrum – Abschiebelager – Internierungslager
ChartaSamuel Salzborn: Die Beneš-Dekrete und die EU-Osterweiterung
ChartaDaten zur sudetendeutschen Geschichte
ChartaDeutsch-Baltische Gesellschaft e.V.
ChartaDeutsch-Tschechische Nachrichten
Charta Die Gräueltaten im sogenannten Dritten Reich
Charta Revisionismus
Charta Vertreibung, Abschiebung, Duldung
Charta "Vertreibungen sind und bleiben Unrecht, das aufgearbeitet und für immer geächtet werden muss."
Charta Zentrum gegen Vertreibungen
Literatur
Flucht Literatur zur Geschichte, Flucht, Vertreibung und Versöhnung der Sudetendeutschen
Flucht Anfang

Charta
Email  zurück zur Homepage eine Stufe zurück
© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 19.9.2010