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Ulrich beck Ausländer
Deutsche Lebenslügen
Der Umgang mit Fremden in Zeiten der Globalisierung
– Zitate aus diesem Essay –
Dr. phil. Ulrich Beck, Professor für Soziologie an der LMU München,
Süddeutsche Zeitung, 8.8.2000, S.13
Die erste, entscheidende Lebenslüge liegt in dem Bild des "rentablen Ausländers" (Vera Gaserow), das jetzt in allen Parteien die Runde macht. Es beruht auf der gefährlichen Illusion, zwischen "guten" und "schlechten" Ausländern am Maßstab des nationalen Nutzens unterscheiden zu können, ohne dadurch die Basis des zivilisatorischen Zusammenlebens – die Grundrechte – zu zerstören.
In der Debatte um das bevorstehende Einwanderungsgesetz haben sich beunruhigende Töne eingeschlichen. Dass in der Münchner CSU ein Thesenpapier zur Ausländerpolitik vorgelegt wurde, in dem dafür plädiert wird, "dass jene zu uns kommen, die uns nützen und nicht ausnützen", mag der Beobachter noch als erwartbar abtun. Auch die bigotte Konkretisierung: "Wer Vorbehalte gegen die Gleichstellung der Frau hat, ist hier nicht erwünscht", wirkt wie aus dem Realkabarett. Hat man mitbedacht, wie viele CSU-Anhänger damit des Landes verwiesen werden müssten?
Die Schwierigkeit, anzuerkennen, was seit Kant zum humanen Selbstverständnis gehört – dass mit dem Menschenrechten anderer die eigenen Lebensgrundlagen verteidigt werden.
Die zweite Lebenslüge ist die des "jodelnden Hightech". Das heißt: Man glaubt, von der technisch-ökonomischen Globalisierung profitieren zu können, ohne sich offen den Herausforderungen eines multiethnischen Deutschlands stellen zu müssen.
Dr. phil. Ulrich Beck, Professor für Soziologie an der LMU München
Süddeutsche Zeitung, 8.8.2000, S.13

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