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Roma Sinti
Scheinheiligkeit, Zwiespältigkeit und Hetze im Umgang mit Roma und Sinti
Roma LinksRoma Literatur
  • 1899 richtete die Münchner Polizeidirektion eine »Zigeunerzentrale« ein. An sie mussten aus Bayern (später aus ganz Deutschland) Personendaten von »Zigeunern« und »Landfahrern« gemeldet werden.
  • Zwischen 1933 und 1945: In Nazi-Deutschland wurden  500.000 Sinti und Roma ermordet.
  • 1953 erließ der Freistaat Bayern eine Landfahrerverordnung: Roma und Sinti durften sich frei bewegen (im Jahre 2012 gilt das für Asylbewerber und andere Flüchtlinge!)
  • 1956 lehnte die deutsche Bundesregierung eine Wiedergutmachung für Roma und Sinti ab: sie wurden weiterhin extrem diskriminiert.
  • 1992 endlich zeichnete sich eine Teilwende ab. Von der deutschen Regierung wurde der Bau eines Mahnmals beschlossen.
  • 2012 Ende Oktober wird in Berlin das Denkmal für die von den Nationalsozialisten verfolgten und ermordeten Sinti und Roma eingeweiht.
Antiziganismus bei der CSU

Antiziganismus – wie Antisemitismus und Ausländerfeindlichkeit, eine Ausprägung gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit – ist in Deutschland weit verbreitet und wird gerade von der CSU gepflegt und geschürt.
Antiziganismus liegt vor, wenn zwei Elemente vorherrschen:
  1. homogenisierende und essentialisierende Wahrnehmung bestimmter Gruppen unter dem Stigma „Zigeuner” oder anderen verwandten Bezeichnungen
  2. Zuschreibung unerwünschter oder von der Norm abweichender Eigenschaften bei den Stigmatisierten (End 2015, S. 201)
Die CSU-Regierungsvertreter wettern seit Jahren gegen Asylbewerber aus dem ehemaligen Jugoslawien und Albanien und gegen sogenannte Armutsmigranten aus Bulgarien und Rumänien. Damit werden Einwanderer aus Bulgarien und Rumänien pauschal – in homogenisierender und essentialisierender Wahrnehmung – als Armutsmigranten stigmatisiert. Während Studenten und Akademiker (z.B. Ärzte, die dann in Bulgarien fehlen) aus diesen Ländern willkommen sind, sind es Roma nicht. Wobei schon die Einteilung zwischen Studenten und Akademiker (klug) und Roma (anders, jedenfalls nicht klug) verfehlt ist. Das ist blanker oder versteckter Antiziganismus.
Markus End geht davon aus, dass der Antiziganismus (analog zum Antisemitismus) kein Phänomen am rechten  Rand ist, sondern überall anzutreffen ist. Durch Analyse einer bestimmten TV-Sendung verdeutlicht er dies. Der Unterschied zum Antisemitismus ist vielmehr, dass wir, die Medien und die Öffentlichkeit für diesen sensibilisiert wurden, für den Antiziganismus jedoch nicht (S. 217). So wurde im Zusammenhang mit einem Haus in Duisburg in den Medien oft vom „Roma-Problem” gesprochen und damit und mit anderen Ausdrücken Roma und Problem gewissermassen gleichgesetzt. In analoger Weise vom „Moslem-Problem” oder gar „Juden-Problem” zu schreiben, ist in den etablierten Medien undenkbar (S. 223).
End, Markus (2015): „Stereotype Darstellungen von Sinti und Roma in deutschen Medien. Das ZDF-Morgenmagazin im antiziganistischen Diskurs”. In: Oliver von Mengersen, Hg.: Sinti und Roma. Eine deutsche Minderheit zwischen Diskriminierung und Emanzipation. Bonn, München: Bundeszentrale für politische Bildung & Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, S. 201-231.
Asylschnellverfahren gegen Roma aus Serbien und Mazedonien

Die bayerische Staatsregierung (nur die CSU?) will keine Roma in Bayern haben, auch wenn sie im Herkunftsland vergewaltigt und misshandelt werden. Das Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge weist Asylanträge der Flüchtlingen schon nach drei Tage ab: eine Einzelfallprüfung – wie es gerichtlich vorgeschrieben ist und wie es die niedrigste Humanität verlangt – kann so nicht stattfinden. Man will die Angaben nicht korrekt prüfen, weil es von den C-Parteien politisch nicht gewollt ist, dass Flüchtlingen und andere Notleidenden Schutz gewährt wird. Anwalt Hubert Heinhold und der Flüchtlingsrat kritisieren die Asylschnellverfahren scharf. Davon einbeeindruckt setzen die Innenministern in Bund und Bayern ihre Hetzkampagne gegen die Roma fort.
RomaBernd Kastner: Pauschal abgewiesen - Flüchtlingsrat kritisiert Asylschnellverfahren gegen Roma aus Serbien und Mazedonien, SZ, 5.12.2012, S. 44
Zum Festakt der Einweihung erschienen wichtige Politiker des Landes, darunter: Bundespräsident Joachim Gauck, Bundeskanzlerin Angela Merkel, CDU, Bundestagspräsident Norbert Lammert, CDU, und hielten die üblichen Sonntagsreden.
Einige steuerten auch Beherzenswertes bei: Kulturstaatsminister Bernd Neumann bezeichnete die Entstehung des Denkmals als "langen und schwierigen Weg". Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit, SPD, wünschte dem Denkmal, dass es ein Ort der Begegnung, Aufklärung und Auseinandersetzung wird. Es solle auch ein Zeichen gegen die gegenwärtige Diskriminierung von Sinti und Roma setzen.
  • 2012 Ende Oktober: der deutsche Innenminister Hans-Peter Friedrich, CSU, forderte neue einschränkende Massnahmen für Sinti und Roma.
  • Er hetzte gegen Sinti und Roma aus Serbien und Mazedonien: sie würden die deutschen Sozialleistungen missbrauchen.
Der deutsche Innenminister Hans-Peter Friedrich, CSU,  mokierte sich über die angewachsene Zahl von Asylanträgen von Sinti und Roma aus Serbien und Mazedonien. Friedrich hatte auf dem CSU-Parteitag am Wochenende vor der Einweihung Asylanträge von Menschen aus Serbien und Mazedonien als nicht akzeptabel bezeichnet. Diese Menschen wüssten, dass sie die deutschen Asylkriterien nicht erfüllten. „Das ist ein Ausnutzen unseres Systems und ich nenne es Missbrauch“. Er forderte:
  • Visumpflicht für Flüchtlinge aus Serbien und Mazedonien. Angaben des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge zufolge, wurden 80 bis 90 Prozent der Anträge von Sinti und Roma gestellt. 
  • schärfere Regeln für Asylbewerber aus diesen Ländern.
  • In Mazedonien und Serbien gebe es einen schlimmen Rassismus gegen Sinti und Roma.
  • Wer – wie Innenminister Hans-Peter Friedrich, CSU, – härtere Massnahmen in Serbien und Mazedonien gegenüber Roma und Sinti fordert, will also eine noch schlimmere Behandlung der Sinti und Roma.
Vor der Einweihung in Berlin kritisierte Romani Rose, der Vorsitzende des Zentralrates der Sinti und Roma, Innenminister Friedrich scharf und warf ihm Hetze vor. „Das Thema Asylmissbrauch an einer Minderheit wie den Sinti und Roma abzuhandeln, halte ich für mehr als diskriminierend. Da betreibt man ein stückweit Hetze“, sagte Rose der Mittelbayerischen Zeitung.
Hetze gegen Roma und Sinti durch Innenminister Hans-Peter Friedrich, CSU, und die Sympathiewerte der CSU in Umfragen steigen an!
Links
Roma Ausländer & Minderheiten in Deutschland, Schwerpunkt Bayern
SintiDenkmal für die ermordeten Sinti und Roma wird eingeweiht, SZ, 24.10.2012
Roma Diskriminierung von Minderheiten
Sinti"Das moderne Europa muss auch für Roma und Sinti Platz schaffen" - Grünen-Sprecherin für Osteuropapolitik zu Debatte um Asylbewerber aus dem Balkan. Marieluise Beck im Gespräch mit Jasper Barenberg, DLF 15.10.2012
Roma Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit GMF
Roma Hetze von CDU, CSU und NPD-Politiker gegen Ausländer
Roma Nützliche Links zu und für Ausländer und Inländer in Deutschland ...
SintiMissbrauchsdebatte schürt Rassismus, Pro Asyl, 15.10.2012
SintiPorajmos – Wikipedia
Roma Rassismus und Ausländerphobie in deutscher Politik, in den Medien und im Alltag
SintiRomani Rose kritisiert Innenminister Friedrich
SintiSinti und Roma sind keine Opfer zweiter Klasse mehr, Berliner Morgenpost 24.10.2012
SintiSinti und Roma - Friedrich fordert schärfere Regeln für Asylbewerber aus Serbien und Mazedonien, SZ, 25.10.2012
Literatur
Roma Norbert Aas, Franz Rosenbach: Der Tod war mein ständiger Begleiter. Das Leben, das Überleben und das Weiterleben des Sinto Franz Rosenbach
Roma Wolfgang Benz: Ausgrenzung, Vertreibung, Völkermord. Genozid im 20. Jahrhundert
Roma Gernot Haupt: Antiziganismus und Sozialarbeit. Elemente einer wissenschaftlichen Grundlegung, gezeigt an Beispielen aus Europa mit dem Schwerpunkt Rumänien
Roma Katrin Reemtsma: Sinti und Roma. Geschichte, Kultur, Gegenwart
Roma Robert Schlickewitz: Kleine Chronik der "Zigeuner" in Bayern
Roma Jochen Schmidt: Politische Brandstiftung. Warum 1992 in Rostock das Asylbewerberheim in Flammen aufging 
Roma Wolfgang Wippermann : Auserwählte Opfer? Shoah und Porrajmos
Roma Wolfgang Wippermann: Rassenwahn und Teufelsglaube
Roma Andreas Zick, Beate Küpper, Andreas Hövermann: Die Abwertung der Anderen: eine europäische Zustandsbeschreibung zu Intoleranz, Vorurteilen und Diskriminierung
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 6.12.2012