| Alexander Markus Homes: Heimerziehung:
Lebenshilfe oder Beugehaft? Gewalt und Lust im Namen Gottes
Norderstedt: Books on Demand, 2006. Broschiert, 344 Seiten |
| Heimerziehung berichtet von
Missständen und schweren Verfehlungen in der Unterbringung und Behandlung
von Kindern und Jugendlichen, vornehmlich in Kinder- und Jugendwohnheimen unter
christlicher Leitung, meist in Verwaltung von christlichen Orden (siehe Das Thema ist brisant, da
|
| In Heimerziehung berichtet der Autor aus eigener Erfahrung und aus Interviews mit zahlreichen, ebenfalls drangsalierten und gepeinigten Kindern. Ein Problem ist, dass viele Vorfälle schon Jahrzehnte zurück liegen. Das ist aus verschiedenen Gründen (Druck von seiten der Kirchen; Justiz; Traumata, ...) verständlich, erleichtert aber die Verteidigung. |
| Heimerziehung nennt sich "Sachbuch" (S. 3), das wird aber in "(Tatsachen-)Romanform" (S. 8) korrigiert. Es besteht aus zwei Abschnitten. Im ersten Abschnitt, der wohl eher ein Sachbuch ist, werden die Übelstände konkretisiert, werden aktuelle Fälle genannt, wird der sexuelle Missbrauch in der katholischen Kirche thematisiert. Der zweite Abschnitt, "Gestohlene Kindheit" (S. 229-342) ist dann der angekündigte Tatsachenroman. und kommt aber recht zwiespältig beim Leser an. |
| Der Leser wird durch die geschilderten Vorfälle erschüttert. Es wird klar, warum Kinder solchen Erziehern und Methoden recht hilflos ausgeliefert sind und selbst bei öffentlichen Gerichtsverhandlungen lieber lügen ("Das Heim ist super"), als später für ehrliche Antworten bestraft zu werden. |
| Heimerziehung hinterlässt aber einen
zweispältigen Eindruck Sind es Einzelfälle oder waren einige Heime Ausreisser oder versagten die Institutionen in voller Breite? Werden besondere Fälle übertrieben dargestellt? Richtig scheint mir, dass die Nachfolger der Verantwortlichen immer noch eher vertuschen und herabspielen wollen. Ich hörte dazu ein Radiofeature, indem ein alter ehemaliger Peiniger mit einem Opfer konfrontiert wurde und nur salbungsvolle "ich erinnere mich ungenau", "es könnte sein" anbrachte. Der erste, sachliche Teil enthält viele redundante Absätze. Das vermittelt den Eindruck, als ob cirka zwanzig Fälle immer wieder vorgebracht und aufgebauscht würden. Der angehängte Tatsachenroman bringt nichts Neues und verwässert den Eindruck des ersten Abschnitts. Wenn die geschilderten Übelstände des ersten Abschnitts zutrafen (und was spricht dagegen?), braucht es keine romanhafte Wiederholung. |
| Ich selbst war als Kind (3. und 4. Schuljahr; 1951-53) in der Orthopädischen Klinik Aschau zwei Jahre im Gips. Wie fast alle kranken Kinder liebte ich die Klinik nicht, es gab zahlreiche Heimphobien und Aversionen. Das lag aber soweit ich mich erinnere an der besonderen Situation: man wird als Kind aus der gewohnten Umgebung gerissen, ist krank, sieht nur kranke Kinder, keine Bewegung, nur monatlicher (wenn überhaupt) Besuch der Eltern, usw. Die Betreuung durch die Franziskanerinnen war einwandfrei, ja, vorbildlich. |
| Besonders verachtenswert erschien es mir in den Fällen in Heimerziehung, dass diejenigen, die sich heute trauen die damaligen Übelstände zu benennen, noch heute mit Zensur, Anzeigen und Verfolgung durch die Kirche (Bistum Mainz u.a.) rechnen müssen. |
| Heimerziehung
dokumentiert ein wichtiges Thema. Es ist lesenswert, wenn man zu diesem Thema
etwas von Betroffenen erfahren will. Durch Aufbau und Präsentation leider
nicht ganz zufriedenstellend. Vielleicht sollte man das Bild durch Peter
Wensierski: Schläge im Namen des Herrn (siehe
|
| Links |
| Rezension durch
|
| Literatur |
| Bei Amazon nachschauen | Bei Amazon nachschauen | |
|
![]() |
|
| Peter Wensierski: Schläge im
Namen des Herrn. Stuttgart: Dva, 2006. Gebunden, 207 Seiten
|
||