| Klaus Brinkbäumer: Der Traum vom
Leben. Eine afrikanische Odyssee Frankfurt am Main: S. Fischer, 2006. Gebunden, 286 Seiten |
| Klaus Brinkbäumer überredete
John Ampan aus Ghana einen seiner Fluchtweg zusammen mit ihm
nochmals zu bereisen. Während die beiden also von Ghana nach Europa kommen
wollen, erzählt Brinkbäumer die Geschichte der ersten Flucht und der
Fluchtversuche von John und zahlreiche anderen Flüchtlingsschicksale. Dazu
flechtet der Autor die Erlebnisse der Reisewiederholung und zahlreiche
Diskussionen über die Lage in Afrika ein. Ein wichtiger Gedanke: der Westen propagiert Wegfall der wirtschaftlichen Barrieren (weil er günstig an die Bodenschätze will, die billigen Arbeitskräfte schätzt und sich florierende Absatzmärkt wünscht), also die wirtschaftliche Liberalisierung für Waren. Oft schotten sich aber USA und EU durch Zölle ab und von der Liberalisierung für Menschen sind wir weit entfernt. Es werden ständig neue Hürden, Mauern und elektronische Vorhänge installiert. Das erinnert an den SF-Roman: Gefangen in New York (siehe Typisch dafür sind beispielsweise die Subvention der eigenen Baumwolle in den USA (S. 208), die Eric Orsenna in einem eigenen Buch thematisiert (siehe Literatur). Der Geist von Schengen ist: Liberalisierung unter Seinesgleichen, Abschottung gegen Fremde (S. 252) und dafür die Überwachung aller Bürger ( |
| "Wenn du nach dieser
Reise Europa endlich erreichst und dann deportiert wirst, das ist so, als wenn
ein Soldat nach einem langen Krieg nach Hause kommt und in seiner Haustür
auf eine Mine tritt", Jane Aimufua, Nigeria (S. 32). |
| Der Traum vom Leben bestätigte eine Meinung von mir: Kein Afrikaner verlässt seine Heimat und oft seine Familie ohne triftigen Grund, er wird durch die Lebensumstände im Heimatland gezwungen. Meist wird er zuhause verfolgt und müßte eine humane Gesellschaft vorausgesetzt Asyl erhalten. |
| "Wer ein Stück Brot will, ist kein Schmarotzer und schon gar nicht kriminell. Er klagt nur sein Menschenrecht als Leben ein. Er gibt dem unmittelbarsten Impuls eines jeden Menschen nach. Wir verhindern jeden Tag, dass Menschen leben." Navid Kermani, S. 272 |
| Daher sollte man auch die
Stigmatisierung der Fluchthelfer zu Schleppern ( |
| "Und so werden
Vorurteile zu Feindbildern, wird der Zigeuner zum Vergewaltiger, der Jude zum
Abzocker, der Pole zum Dieb, und der Afrikaner kann nicht lesen, ist ja sowieso
eine Art Affe und will nur unsere Sozialleistungen" (S. 258). Man lese dazu die
Reden und Zitate unserer Politiker ( |
| Erstaunlich: die Schuld für die
Misere in den meisten afrikanischen Ländern wird keineswegs dem
jahrhundertlangen Sklavenhandel, der Kolonisation oder den kapitalistischen
Methoden zugeschoben. Der Autor verteilt an alle. Die Entwicklungshilfe wird an
mehreren Stellen (so S. 96) recht kritisch beurteilt. Als gute Alternative wird
die Eden Foundation besprochen (S. 150;
siehe |
| Daraus ergab sich ein fesselndes Buch mit vielen Ideen und Einsichten in die derzeitigen politischen und wirtschaftspolitischen Zusammenhänge. Man gewinnt neue Sichtweisen. Die Lektüre kann allen wärmstens empfohlen werden. Mir wechselte der Autor (zumindest im ersten Teil des Buchs) zu oft zwischen Erlebnissen, historischen Betrachtungen und anderen essayistischen Einsprengsel. |
| Egon Erwin Kisch Preis 2007 |
| Für seine Reportage »Die afrikanische Odyssee«, Der Spiegel, Juni 2006 wurde Klaus Brinkbäumer mit dem Egon Erwin Kisch Preis 2007 ausgezeichnet. Der Preis ist einer der wichtigsten für Journalisten und wird seit 30 Jahren im Rahmen des Henri Nannen Preises in der Kategorie Reportage verliehen. Das dazu entsprechende Buch »Der Traum vom Leben. Eine afrikanische Odyssee« ist das hier besprochene. |
| Links |
| Rezension |
| Literatur |
| Ben Bova: Gefangen in New York;
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| Uwe Timm: Morenga. Aufstand in
Deutsch- Südwestafrika. München: Dtv, 2000. Taschenbuch, 444
Seiten
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