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Wippermann
Wolfgang Wippermann: Rassenwahn und Teufelsglaube
Berlin: Frank & Timme, 2005. Broschiert, 155 Seiten – rezension Linksrezension Literatur
Drei Thesen will dieses Buch belegen:
  1. Rassenwahn und Teufelsglaube ähneln sich strukturell
  2. diese strukturelle Ähnlichkeit entstand historisch, weil es gemeinsame Ursprünge gibt
  3. der Rassenwahn ist der säkularisierte Teufelsglaube
Alle Thesen werden sauber und akribisch besprochen und nachgewiesen.
Mit dem Einstieg zeigt der Autor, dass das Thema hochaktuell ist. Die Roma und Sinti (beispielsweise) unterliegen noch alten Vorurteilen.
Es begann im letzten Jahrzehnt des letzten Jahrhunderts im Emsland: Kaufleute stellten Besen in die Türen und Fenster ihrer Geschäfte. Gefragt, was dies solle, erklärten sie, daß sie damit Sinti und Roma daran hindern wollten, ihre Geschäfte zu betreten – und ihre Waren zu stehlen. Doch die Sinti und Roma verstanden dies alles nicht. Neugierig geworden, erkundigten sie sich, ob es sich bei den Besen um Sonderangebote handeln, und was sie denn so kosten würden. Obwohl die biederen Einsländer damit der Lächerlichkeit preisgegeben worden waren, wurde ihr törichtes Tun imitiert. 1n der gesamten norddeutschen Tiefebene, bis hin nach Berlin-Niederschönhausen breitete sich die „Zigeunerbesen”-Sitte aus. Die letzten „Zigeunerbesen” wurden noch in diesem Jahr (2004) in Hamburg gesichtet. Diese Geschichte ist also noch nicht vor bei.
Wenn man meint, mit "des letzten Jahrhundert" sei das 19. gemeint, so zeigt die später genannte Jahreszahl Schlimmeres. Ich konnte es kaum fassen.
Der christliche Teufelsglaube und der heidnische Dämonenglaube waren die gemeinsamen Ursprünge des Hexenwahns. Er dauerte bis zur Aufklärung. Allerdings wurde er nur durch den Rassenwahn ersetzt, der ab da seinen verhängnisvollen Verlauf nahm.
Zwischen der Verfemung der Juden, Roman und Sinti und den Afrikaner zeigt Wippermann zahlreiche Bezüge auf. All diese Gruppen wurde der Kinderdiebstahls vorgeworfen. Literarisch wurde der jüdische Diebstahl zahlreich verarbeitet, siehe beispielsweise bei Alexander Lohner (rezension Links). Wippermann erwähnt den bei Lohner verarbeiteten fingierten Ritualmord an Simon von Trient (S. 67). Simon wurde kirchlicherseits heilig gesprochen. Soviel zum Heiligsprechungsprozeß der katholischen Kircheheilig.
Ausführlich behandelt Wippermann Martin Luthers Antisemitismus (S. 69ff).
Begriffsabgrenzung Antijudaismus - Antisemitismus
beide Begriffe erläutert der Autor. Der Antijudaismus ist stärker religiös motiviert, der Antisemitismus dagegen rassistisch. Im Grunde laufen beide auf eine extreme Diskriminierung der Juden hinaus. Der Antijudaismus trug gehörig zur Verstärkung und Verbreitung des Antisemitismus bei (S. 82-83).
Auch der Antiziganismus verweist auf diabolische Ursprünge (S. 89).
Der Teufelsglaube ist weiterhin im Christentum verbreitet. Die katholische Kirche beschäftigt immer noch Exorzisten und die sind nicht arbeitslos teufel!
Inhaltsverzeichnis
"Zigeunerbesen" im Emsland - Einleitung
1. "Gut und Böse" - Erfindung und Entwicklung des Teufelsglaubens
2. "Hell und Dunkel" - Erfindung und Entwicklung des Rassenwahns
3. "Teufelskinder" - Vom Antijudaismus zum Antisemitismus
4. "Schwarzer mit dem Pferdefuß" - Vom religiösen zum rassischen Antiziganismus
5. "Schwarze Teufel" - Von der Diabolisierung zur Rassisierung des Afrikanerbildes
6. "Meuchelschaden" - Von der Ritualmordlegende zur Verschwörungshypothese
Rassismus als säkularisierter Teufelsglaube
Zusammenfassung
Literaturverzeichnis
Wer bisher die Existenz des Teufels sowieso für lächerlich hielt, der hat sich getäuscht. Er hat eine Webauftritt; man schaue unter exorzismus, teufel Links.
Da Wippermann als Historiker genau arbeitet ist Rassenwahn und Teufelsglaube aufgrund der Details nicht immer leicht zu lesen. Insgesamt kann der Autor seine drei Thesen gut und glaubhaft belegen. Erschreckend ist zweierlei
• der Teufels-, Hexen- und Rassenwahn ist nicht auszurotten; Vernunft wird vielerorts klein geschrieben
• die verschiedenen Wahnideen und - ideologien haben sehr viel gemeinsam; vor allem liegen viele ihrer Ursprünge in den Religionen. Solange die nicht durch Aufklärung überwunden werden, wird es weiter Krieg, Massaker und Terror geben. Dieses Buch dient der Aufklärung und muß deshalb gelesen werden. Sehr zu empfehlen!
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Links
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Teufelexorzismus.net
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FlockDorothea Flock- wegen Ehebruch angeklagt - wegen Hexerei ermordet
exorzismus Literatur zu Exorzismus: Austreibung von Dämonen, Teufeln und anderen Geistern
folter Literatur zur Inquisition, Folter und Verfolgung Andersgläubiger
rezension Literatur zu Terror, Religion und Geheimbünden
rezension Alexander Lohner: Die Jüdin von Trient
parigger Harald Parigger: Barbara Schwarz und das Feuer der Willkür. Ein Fall aus der Geschichte der Hexenverfolgungen
TeufelTeenager nach Teufelsaustreibung fast erblindet, Der Spiegel 26. November 2007
TeufelTeufel komm raus: Die Rückkehr der Exorzisten (Video / Spiegel.de)
rezension Überblick zur Literatur zu Antisemitismus & Christentum, Inquisition, Kreuzzüge, Terror und Religion
TeufelUups! - Et Orbi. Satanische Sekten im Vatikan, Der Spiegel 8. Januar 2008
HexenverbrennungMichael Wandt: Der Hexenjäger - Hexenverbrennungen - sie sind ein besonders dunkles Kapitel der Geschichte. Heute gibt es Bestrebungen, die Opfer von damals zu rehabilitieren. BR 9.5.2012
rezension Wolfgang Wippermann: Auserwählte Opfer? Shoah und Porrajmos im Vergleich. Eine Kontroverse
Literatur
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wippermann RassenwahnWolfgang Wippermann: Rassenwahn und Teufelsglaube. Berlin: Frank & Timme, 2005. Broschiert, 155 Seiten
amorth Amorth Gabriele Amorth: Ein Exorzist erzählt. Christiana 2001. Taschenbuch. 190 Seiten amorth
Gabriele Amorth: Neue Berichte eines Exorzisten. Christiana 1998. Taschenbuch, 245 Seiten Teufel
berger teufel Klaus Berger: Wozu ist der Teufel da? Gütersloher 2001. Taschenbuch, 240 Seiten bründl
Jürgen Bründl: Masken des Bösen. Eine Theologie des Teufels. Würzburg: Echter, 2002. Broschiert Teufel
claret teufel Bernd J. Claret: Geheimnis des Bösen. Zur Diskussion um den Teufel. Tyrolia 1999. Broschiert, 437 Seiten dalfert
Ingolf U. Dalferth: Das Böse. Essay über die Denkform des Unbegreiflichen. Mohr Siebeck, 2006. Broschiert, 215 Seiten Teufel
dalfert teufelIngolf U. Dalferth: Leiden und Böses. Vom schwierigen Umgang mit Widersinnigem. Evangelische Verlagsanstalt 2006. Broschiert. 219 Seiten dillinger
Johannes Dillinger: Hexen und Magie. München: Campus, 2007. Broschiert, 197 Seiten Teufel
fischer teufelKlaus P Fischer, Hartmut Schiedermair: Die Sache mit dem Teufel. Teufelsglaube und Besessenheit zwischen Wahn und Wirklichkeit. Frankfurt: Knecht. Broschiert, 254 Seiten Gehm
Britta Gehm: Die Hexenverfolgung im Hochstift Bamberg und das Eingreifen des Reichhofrates zu ihrer Beendigung. Hildesheim: Olms, 2012. Taschenbuch, 362 SeitenTeufel
girard teufelRene Girard: Ich sah den Satan vom Himmel fallen wie einen Blitz. Eine kritische Apologie des Christentums. München: Hanser, 2002. Gebunden, 256 Seiten gloger
Bruno Gloger, Walter Zöllner: Teufelsglaube und Hexenwahn. Wien: Boehlau, 2000. Gebunden, 252 Seiten Teufel
haag teufelHerbert Haag: Abschied vom Teufel. Einsiedeln: Benziger, 2000. Taschenbuch, 94 Seiten haag
Herbert Haag: Teufelsglaube. Katzmann 2000. Broschiert, 544 Seiten Teufel
hund teufel Wulf D. Hund: Rassismus. Transcript 2007. Taschenbuch, 167 Seiten hund
Wulf D. Hund: Rassismus. Die soziale Konstruktion natürlicher Ungleichheit. Westfälisches Dampfboot 1999. Broschiert, 173 SeitenTeufel
midelfort teufel H. C. Erik Midelfort: Exorcism and Enlightenment: Johann Joseph Gassner and the Demons of Eighteenth-century Germany. Yale University Press 2005. Gebunden, 219 Seiten – Besprechung: Ulrich L. Lehner (2006): "Midelfort, H. C. Erik: Exorcism and Enlightenment: Johann Joseph Gassner and the Demons of Eighteenth-century Germany". Theologie und Philosophie 81 S. 149-152 midelfort
H. C. Erik Midelfort: A History of Madness in Sixteenth-Century Germany. Stanford University Press 2000. Taschenbuch, 438 Seiten Teufel
teufel teufel Alfonso di Nola: Der Teufel. Wesen, Wirkung, Geschichte. München: Diederichs, 1990. Gebunden, 461 Seiten teufel
Peter von der Osten-Sacken: Martin Luther und die Juden - neu untersucht anhand von Anton Margarithas 'Der gantz Jüdisch glaub' (1530/31). Kohlhammer 2002. Taschenbuch, 340 SeitenTeufel
parigger folter Harald Parigger: Barbara Schwarz und das Feuer der Willkür. Ein Fall aus der Geschichte der Hexenverfolgungen. Würzburg: Arena, 2007. Klaus Puth, Illustrationen. Broschiert, 142 Seiten – hexen Rezension  
teufel teufelEgon von Petersdorff: Daemonologie. Bd. 1: Daemonen im Weltenplan. Bd. 2: Daemonen am Werk. 2 Bände.Christiana 1995. Gebunden probst
Manfred Probst, Klemens Richter: Exorzismus oder Liturgie zur Befreiung vom Bösen? Zu einer notwendigen Diskussion in der katholischen Kirche. Aschendorff 2002. Taschenbuch, 160 Seiten Teufel
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Georg Siegmund: Der Exorzismus der katholischen Kirche. Christiana 2005. Broschiert, 102 Seiten Teufel
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Herbert Vorgrimler: Geschichte der Hölle. München: Fnk, 1994. Gebunden, 472 Seiten Teufel
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 31.10.2007