| Stefan Hippler, Bartholomäus Grill:
Gott, Aids, Afrika. Eine Streitschrift Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2007. Gebunden, 207 Seiten
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| Der Titel ist
irreführend. Gegen Gott richtet sich die Streitschrift nicht (da wäre
sich auch völlig nutzlos; das kann man jetzt verschieden auslegen
Doch der Reihe nach. |
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| Stefan
Hippler ist ein katholischer Pfarrer, der aus dem Rheinland nach
Südafrika ging um dort die deutschsprachige Gemeinde in Kapstadt und die
Armen und die Aids-Kranken zu betreuen. Doch Hippler war schon in Deutschland
in der Friedensbewegung aktiv und hatte ein Auge für die geschundenen
Kinder in Deutschland. Er sah, wie Kinder von Bundesgrenzschützer mit
vorgehaltener Maschinenpistole in einen knastähnlichen Raum am Flughafen
gepfercht wurden (S. 31). Das geschieht auch heute noch! Dabei ist "jedes Kind,
jeder Jugendliche ein Todesschrei des gekreuzigten Jesus in unserer
Zeit" (S. 120). Hippler ist gut belesen (na ja, als Friedensbewegter kennt man
die Anti-Kriegsromane): er kennt den Catch-22 (S. 170-71; siehe Bartholomäus Grill war langjähriger Korrespondent der Zeit in Afrika und er ist Autor zahlreicher einschlägiger Bücher, Berichte und Essays (siehe "Afrika in der Literatur" unter In vielen kurzen Kapiteln führen sie in die Aids-Problematik, die Lage in Afrika und die besonderen verhältnisse in Südafrika und Lesotho ein. Die Kürze der Kapitel ist hilfreich, weil man während der Lektüre Pausen einlegen muss. |
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| Stephen Lewis, ehemaliger UN Beauftragter für
Aids, erklärte nach dem Anschlag vom 11.9.2001: "3000 starben durch einen
furchtbaren Terrorakt, und in ein paar Tagen redete die Welt von hunderten von
Milliraden Dollar für den Kampf gegen den Terror ... im gleichen Jahr
starben 2,3 Millionen Afrikaner an Aids, und wir müssen bitten und betteln
um ein paar hundert Millionen Dollar." (S. 26) Siehe weitere |
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| Kritik an der
Katholischen Kirche, Klerus und Mitglieder Vor der Katholischen Kirche nehmen die beiden Autoren kein Blatt vorm Mund. Verständlich, dass in Hipplers Beiträgen immer die Hoffnung durchschimmert, die Katholische Kirche könnte sich für das geborene Leben in Afrika ebenso vehement einsetzen wie für das ungeborene im Westen. Hier einige Thesen und Argumente aus dem Buch: Die Katholische Kirche ist Mitglied im Kartell des Schweigens und Verdrängens (S. 74). Die Katholische Kirche als stärkste Religionsgemeinschaft (und als reichste Organisation der Welt; Ergänzung von mir) könnte wie keine andere Organisation gegen die HIV/Aids-Pandemie kämpfen, wenn sie nur wollte (S. 82). Die Katholische Kirche bewegt sich in ihrer Morallehre nicht, da sie die Wahrheit beansprucht: "Der Heilige Geist führt die Kirche in die Fülle der Wahrheit ein, die Kirche steht im Dienst der Wahrheit, und ihre Führung ist Erziehung zur Wahrheit" (S. 115). Papst Benedikt XVI. vor der Internationalen Theologenkommission am 1.12.2005 im Vatikan "... im Bereich von HIV/Aids sind wir Katholiken selbst ein Teil des Problems" (S. 135). Hippler stellt auch fest, dass es mit den christlichen Tugenden (Demut, Vertrauen, Nächstenliebe) in der Katholischen Kirche nicht weit her ist. Die Basis hat wenig Vertrauen in die Dialogbereitschaft des Topmanagements der Kirche (S. 200). Maulkorb für Stefan Hippler in Deutschland Der Vatikan hat den Eingang des Buches und des beigefügten Schreibens an Papst Benedikt XVI bestätigt. Die Deutsche Bischofskonferenz erteilte Stefan Hippler einen Maulkorb ( |
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| Kritik an Stefan Hippler Es ist eine Streitschrift, Stefan Hippler sieht und leistet täglich Ungeheueres, als Leser fragt man sich, warum er noch katholischer Priester ist; es ist kein Wunder, dass er eine trotzige Forderung stellt: er fordert ein klares Wort von der Kirche, also letztlich von Joseph Ratzinger aka Benedikt XVI. Dabei hat der diese Forderung längst erfüllt und Hippler nennt sie: nur Keuschheit und Treue ist der sichere Weg (S. 192). Es ist ein beliebtes Verfahren (besonders in der Politik), wenn der "Gegner" schon längst seine Position klargestellt hat, diese aber nicht "passt", immer wieder eine "klare Stellungnahme" zu fordern. Da lügt sich Hippler in die eigene Tasche. Deshalb meint Hippler auch blauäugig: "Es darf einfach nicht sein, dass die Kirchendisziplin höher steht als das Recht auf Leben!" (S. 193). Es dürfte nicht sein, aber es ist so. Die Kirche hat sich freiwillig noch selten um Menschenrechte geschert. Doch die bereits erfüllte (wenn auch nicht im gewünschten Sinne) Forderung ist nur eine winzige Kritik. |
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| Keine
Betroffenheitsschrift, kein Pamphlet sondern eine wichtige
Aufklärungsschrift für Deutschland, den Vatikan und die katholische
Führungsebene. Wer über Afrika, Aids und
Armut in Afrika, Morallehre der Katholischen Kirche, Kriche und Menschenrechte
mitreden will, sollte dieses Buch lesen. Wem das als Grund nicht
genügt, der möge bedenken: die Deutsche Bischofskonferenz gebot
Hippler zu schweigen ( |
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| Interview-Aussagen von Stephen Lewis,
Ex-UN-Sonderbeauftragter DIE ZEIT: Haben die Vereinten Nationen für den Kampf gegen Aids in Afrika genug Geld? Stephen Lewis: UNAids hat voriges Jahr rund 4,3 Milliarden Dollar für Maßnahmen gegen HIV und Aids ausgegeben. Für Krieg und Wiederaufbau im Irak und in Afghanistan werden bis zum Ende dieses Jahres rund 200 Milliarden Dollar ausgegeben. Wir spenden also winzige Beträge, um Menschen am Leben zu halten, und gewaltige Beträge für Krieg und Zerstörung. ZEIT: Die Afrikaner fühlen sich besonders vernachlässigt. Lewis: "... es gab schon immer einen untergründigen Rassismus gegenüber Afrika und den Afrikanern, den natürlich keiner zugeben würde." Lewis: Deshalb spreche ich von Massenmord durch Gleichgültigkeit. ZEIT: Was tun die Kirchen? Lewis: Die Kirchenführer beginnen erst jetzt, offen über die Seuche zu reden. Aber wenn sich Katholiken einmischen, entbrennt oft dieser erbitterte Streit über Kondome. Die Fragen stellte Bartholomäus Grill an Stephen Lewis, seinerzeit Sonderbeauftragter des UN-Generalsekretärs für HIV/Aids in Afrika |
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| Stephen Lewis: "Eine der
schmerzhaftesten und traurigsten Erfahrungen in Afrika ist, wenn du im Januar
mit einer Gruppe von Leuten, die mit Aids leben, zusammensitzt und man hat ein
intensives und tiefgründiges Gespräch über ihre Bedürfnisse
und darüber, was sie erreichen wollen. Und dann kommst du im September
zurück und die Hälfte von ihnen lebt nicht mehr." |
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| "Diese Kirche [gemeint ist die Katholische Kirche]
sorgt weiter dafür, dass die
Immundefekt-Krankheit Aids in Afrika nicht richtig bekämpft werden
kann" Rupert Neudeck in seiner Besprechung des Buches: "Verhängnisvolle Kirche. Der Vatikan ignoriert nach wie vor die Aids-Epidemie", SZ, 14.1.2008, S. 25 |
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| "Die
Kirche [gemeint ist die Katholische Kirche] hat stets gelehrt, dass die Empfängnisverhütung, das
heißt jeder vorsätzlich unfruchtbar gemachte Akt, eine in sich
sündhafte Handlung ist. Diese Lehre ist als definitiv und
unabänderlich anzusehen." Päpstlicher Rat für die Familie, Herausgeber: Leitfaden für Beichtväter, 1997. Dieser Leitfaden wurde "auf ausdrücklichen Wunsch des Heiligen Vaters" erstellt. Zitiert nach Prof. Dr. Dr. Werner Boeckenfoerde (1999): "Zur gegenwärtigen Lage in der römisch-katholischen Kirche . Kirchenrechtliche Anmerkungen", |
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| Bartholomäus Grill: Ach,
Afrika. Berichte aus dem Inneren eines Kontinents. München: Goldmann,
2005. Taschenbuch, 431 Seiten
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