| Reichhold, Anselm: Kardinal Faulhaber.
Erzbischof von München prägende Gestalt des Widerstandes gegen den
Nationalsozialismus Kritische Stellungnahme zu den Vorwürfen gegen die Katholische Kirche über ihre Haltung zur Zeit des Nationalsozialismus. Scheyern: Benediktinerabtei Scheyern, 2000. 32 Seiten. |
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| Die Situation der Kirche und insbesondere eines Kirchenmannes wie Michael von Faulhaber, Bischof und Kardinal von München, im sogenannten Dritten Reich zu beurteilen ist für einen Laien wie mich (der noch dazu nur wenig Zeit für Recherchen aufwenden will) schwierig. Für den Gläubigen ist der Bischof eine kaum bezweifelbare Autorität, kirchenferne Menschen beurteilen den Bischof nicht als Oberhirten, sondern als Repräsentant einer gesellschaftlichen Kraft (Walter Ziegler: "Faulhaber und der Erste Weltkrieg", in: Peter Pfister u. a., Hg.: Kardinal Michael von Faulhaber 1869-1952. München 2002, S. 65). Der Autor der kleinen, hier zu besprechenden Broschüre, Pater Anselm Reichhold der Benediktinerabtei Scheyern, ist der ersten Kategorie zuzuordnen. | ||
| Reichhold zeichnet Faulhaber als
"prägende Gestalt des Widerstandes" und zeigt anhand von Auszügen aus
Predigten und Hirtenbriefen "das Bild eines furchtlosen Kämpfers gegen die
Nazis" (S. 3). Damit kann Reichhold nur den oberflächlichen Leser
überzeugen. Reichhold zitiert hauptsächlich Quellen von Kollegen des Bischofs Faulhaber, wie den Münchner Weihbischof Johannes Neuhäusler, aber auch eher neutrale und damit objektivere Instanzen wie Otto Gritschneder (z. B. S. 7). Allerdings gibt er die Quellen, wenn überhaupt, völlig ungenügend an. Gritschneders Buch und andere fehlen in "Literatur und Quellen" (S. 33). Der Kritiker, gegen den sich Reichholds Verteidigung richtet, bleibt völlig ungenannt ("erschien im März 2000 ein Buch über Kardinal Faulhaber"). Er bezieht sich wohl auf Rudolf Reiser: "Ein Schutzpatron Hitlers", Süddeutsche Zeitung, 4.3.2000, Seite V3/42 und dessen Buch Kardinal Michael von Faulhaber. Einige, bei Reichhold fehlende, aber auch ergänzende Literatur habe ich zusammengetragen ( Lebensdaten Michael von Faulhaber 5.3.1869 Heidenfeld bei Schweinfurt 12.6.1952 München; 1917 Erzbischof von München und Freising, damit auch Feldprobst; ab 1921 Kardinal. Seine Blut- und Bodenhaftung zeigte von Faulhaber im Ersten Weltkrieg. Er stellte eine Sammlung von Predigten und Betrachtungen unter dem Titel Waffen des Lichts, Freiburg im Breisgau 1915, zusammen. Darin schrieb er zum ersten Weltgemetzel: "Es geht um eine heilige gerechte Sache, die diesen furchtbaren Einsatz an Blut und Gut wert ist" (zitiert nach Christian Lankes: "Faulhaber und der Erste Weltkrieg", in: Peter Pfister u. a., Hg.: Kardinal Michael von Faulhaber 1869-1952. München 2002, S. 147). Die katholische Kirche hing seit Augustinus dem "bellum justum" (
Ähnlich beruft sich Reichhold auf die Bibel, wenn die deutschen Bischöfe und auch von Faulhaber für die Nazis und den Führer beten lassen. Das mag man aus der Feindesliebe, doch warum ließ man nicht ähnlich für die Feinde der Nazis beten? Die von Reichhold zitierten Entlastungsstellen betreffen meist die Sorge um die Katholische Kirche selbst. So bedauert Faulhaber die drohende Ausschaltung des biblischen Unterrichts (S. 13), protestiert gegen das Verbot gegen Pater Rupert Mayer zu predigen (S. 17). Da sich die Verhaftung von Geistlichen steigerten, gaben die deutschen Bischöfe am 20. August 1935 eine Denkschrift heraus (S. 14). Von einer Denkschrift gegen den Massenmord ist nichts bekannt. "Die Bischöfe protestieren gegen die starken Einschränkungen des religiösen Lebens, des Religionsunterrichts und die »Tötung von Unschuldigen«" (S. 28). In dieser Reihenfolge. Daß andrerseits von Faulhaber das Attentat von 1944 nicht gut geheißen hat und dazu erklärte, er habe sich "persönlich die Verehrung zum Führer bewahrt" (S. 18), mag man dahin werten, daß er seine eigene Haut retten wollte. Das ist verständlich. Eine "prägende Gestalt des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus" (Untertitel der Broschüre) vermag ich daraus aber nicht abzuleiten. Es gab natürlich auch katholische Widerständler, wie beispielsweise der schon erwähnte Rupert Mayer und Franz Jägerstätter ( Die Schlampigkeit der Broschüre Reichholds habe ich anhand dem mangelhaften Literaturverzeichnis (neben dem schon genannten Gritschneder-Buch fehlt auch der oft zitierte Ludwig Volk) aufgewiesen. Dazu kommen zahlreiche Druckfehler und umgangssprachliche Fehler ("Progromen" statt dem korrekten "Pogromen", S. 14). Alles zeigt darauf hin, daß hier Reichhold einen Schnellschuß auf das Buch des ungenannten Kritikers Rudolf Reiser setzte. Reichhold hat damit daneben geschossen. |
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Dabei hätte sich
Anselm Reichhold im bereits 1965 vom US-Amerikaner (!) Gordon Charles Zahn veröffentlichten: Die
deutschen Katholiken und Hitlers Kriege (
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| Ehrlicher scheint mir diese vorsichtige
Zusammenfassung zu sein: "Es war nicht allein Opportunismus, der die Haltung und die Entscheidungen der Kirchenführer prägte, nicht allein politische Hilf- und Instinktlosigkeit, die missbraucht wurde und sich missbrauchen ließ, sondern letztlich überwog auch bei ihnen das innere Ja zur vermeintlichen »konservativen Revolution« des Nationalsozialismus die zaghaften Bedenken." Carsten Nicolaisen: "Kreuz und Hakenkreuz Kirche zwischen Anpassung und Widerstand", in: Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, Hg.: Kirchen und Staat. Vom Kaiserreich zum wiedervereinigten Deutschland. München 2000. S. 80 |
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| Derzeit (7/2004) nur antiquarisch
erhältlich: Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, Hg.: Kirchen und Staat. Vom Kaiserreich zum wiedervereinigten Deutschland. München 2000. 142 Seiten Gritschneder, Otto: Kardinal Michael von Faulhaber zwischen Widerstand und Anpassung. Kornacker, Susanne, Hg.: Kardinal Michael von Faulhaber. Autobiographie. Schnell & Steiner Pfister, Peter, Susanne Kornacker, Volker Laube, Hg.: Kardinal Michael von Faulhaber 1869-1952. Eine Ausstellung des Archivs des Erzbistums München und Freising, des Bayerischen Hauptstaatarchivs und des Stadtarchivs München zum 50. Todestag. München: Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns ..., 2002. Gebunden, 635 Seiten Rehmann, Jan, Wolfgang F. Haug: Die Kirchen im NS- Staat. Untersuchung zur Interaktion ideologischer Mächte. Hamburg: Argument, 2002. Broschiert, 157 Seiten Reichhold, Anselm: Die deutsche katholische Kirche zur Zeit des Nationalsozialismus (1933-1945). Unter besonderer Berücksichtigung der Hirtenbriefe, Denkschriften, Predigten und sonstigen Kundgebungen der deutschen katholischen Bischöfe. St. Ottilien: Eos. Gebunden, 286 Seiten Zahn, Gordon Charles: Die deutschen Katholiken und Hitlers Kriege. Styria 1965. Broschiert, 299 Seiten. Elisabeth Schmitz, Übs. |